Brugg
Bedenken wegen Bundesasylzentrum: Es geht um die Sicherheit

An der Informationsveranstaltung zum möglichen Bundesasylzentrum in Brugg hat es teilweise emotionale Voten gegeben. Stadtammann Daniel Moser ermunterte dazu, eine offene Haltung zu haben.

Michael Hunziker
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In einer Notlage sollen in den MWD-Hallen bis zu 550 Asylsuchende untergebracht werden können.

In einer Notlage sollen in den MWD-Hallen bis zu 550 Asylsuchende untergebracht werden können.

Janine Müller (jam)

Ängste und Sorgen sind einige vorhanden zum möglichen Bundesasylzentrum an der Ländistrasse in Brugg: Denn in einer Notlage – also wenn die Zahl der Asylgesuche rasch und stark ansteigt – sollen in den Militärhallen bis zu 550 Asylsuchende untergebracht werden können.

Am Dienstagabend ist die Bevölkerung im Filmsaal neben den MWD-Hallen detailliert über die Pläne des Staatssekretariats für Migration (SEM) informiert worden. Mehrere Dutzend Interessierte liessen sich diese Gelegenheit nicht entgehen. Red und Antwort standen Urs von Däniken, Chef Stabsbereich Bundeszentren beim SEM; Stephan Campi, Generalsekretär beim kantonalen Departement Gesundheit und Soziales; Daniel Moser, Stadtammann Brugg. Anwesend waren weiter Mitglieder von Behörden, Polizei oder Militär.

Die Migrationslage ist volatil

Mehrmals wiesen die Referenten darauf hin, dass es sich um eine Notfallplanung handelt. Die Wahrscheinlichkeit sei sehr gering, dass dieses Bundesasylzentrum in Brugg je eröffnet werden müsse, sagte Urs von Däniken. «Wir sind weit entfernt von einer Inbetriebnahme.» Trotzdem müssten sich die Schweizer Behörden auf verschiedene Szenarien vorbereiten.

Die Migrationslage, stellte Stephan Campi fest, sei volatil und schwer voraussehbar. Aber: «Wir haben keine aussergewöhnliche Lage.» Derzeit seien, fassten von Däniken und Campi zusammen, genügend Unterbringungsmöglichkeiten vorhanden. Die Zahl der Asylgesuche sei massiv tiefer als im letzten Jahr.

Für den Fall einer Inbetriebnahme zeigte Urs von Däniken das Konzept der Halleneinrichtung auf – mit Schlaftrakt, Aufenthaltsbereich sowie Containern für die sanitären Anlagen. Die Einrichtung sei einfach, aber funktional. Um die Sicherheit kümmert sich die Securitas – und zwar rund um die Uhr. Tagsüber werden zudem Betreuungspersonen vor Ort sein. Es besteht eine Hausordnung, bei Verstössen – beispielsweise, wenn das Rauchverbot nicht eingehalten wird – können Massnahmen getroffen werden. Ebenfalls vorhanden ist eine Zutritts- und Austrittskontrolle und definiert sind Betriebszeiten, während denen die Asylsuchenden das Areal verlassen dürfen; unter der Woche von 9 bis 17 Uhr. Die Bevölkerung könne überdies jederzeit über eine Hotline telefonisch mit dem Zentrum Kontakt aufzunehmen, ergänzte Urs von Däniken. «Wir haben ein umfassendes Sicherheitsdispositiv», hob er hervor.

Was aber ist in den Quartieren?

Zum Thema Sicherheit wurden in der Fragerunde denn auch die allermeisten Auskünfte gewünscht. Teilweise gab es emotionale Voten. Das Areal des Bundeszentrums werde zwar überwacht, stellten mehrere Anwesende fest. Wie aber, wollten sie wissen, sieht es auf den Strassen in den Quartieren aus. «Was ist, wenn etwas passiert?» Die Sicherheit ausserhalb des Bundeszentrums werde von der Polizei gewährleistet, antworteten die Fachleute. Die Zahl der Kontrollen oder Patrouillen sei auch von den Begebenheiten abhängig. Sperrzonen, an denen sich die Asylsuchenden nicht aufhalten dürften, würden indes nicht geschaffen. «Das ist nicht der Plan», sagte Stadtammann Daniel Moser.

In vielen Bereichen, sagten die Referenten, müsste die Entwicklung abgewartet werden. Grundsätzlich aber, betonten sie ebenfalls, würden mit grossen Unterkünften gute Erfahrungen gemacht. Auch wenn es Ausreisser gebe und Zwischenfälle oder Delikte nicht ausgeschlossen werden könnten: Fast alle Asylsuchenden halten sich an die Vorgaben. Angesprochen auf die Tagesstrukturen sagte Urs von Däniken, dass es im Zentrum selber viele Beschäftigungsmöglichkeiten gebe. Weitere Programme könnten vereinbart werden.

Sie sei nicht begeistert über dieses mögliche Bundesasylzentrum mit 550 Schlafplätzen, sagte eine Frau. Aber, fügte sie an, es gelte nicht zu vergessen, dass die Rede sei von Menschen auf der Flucht und nicht von Kriminellen.

Bedenken – auch zum nahe gelegenen Naherholungsgebiet an der Aare – seien verständlich und würden ernst genommen, versicherte Stadtammann Moser. Eingesetzt würde eine Begleitgruppe und vorgesehen wären Gespräche, damit Anliegen eingebracht, allfällige Probleme besprochen und Missstände behoben werden könnten. «Uns ist es wichtig, dass wir Ordnung haben», sagte Moser. Er ermutigte die Anwesenden, eine offene Haltung zu haben. «Wir sind alle gefordert.»

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