Die Laufzeiten der Atomkraftwerke haben diese Woche zu reden gegeben im Nationalrat in Bern. Bei den Beratungen zur Energiestrategie standen aber auch die kleinsten Wasserkraftwerke zur Diskussion.

Konkret: Der Nationalrat will, dass Werke mit einer Leistung von weniger als 1 Megawatt nicht subventioniert werden.

Anders ausgedrückt: Sie können nicht am Einspeiseprämiensystem teilnehmen. Der Bundesrat und der Ständerat dagegen möchten die Grenze bei 300 Kilowatt ansetzen. Im Nationalrat setzte sich die höhere Grenze dank einer Allianz von rechts und links durch.

Entwicklung und Einsatz der Stromboje: Bericht für «Energy Globe Award», den Mondls Erfindung ebenfalls 2010 gewann.

Entwicklung und Einsatz der Stromboje: Bericht für «Energy Globe Award», den Mondls Erfindung ebenfalls 2010 gewann.

«Schlicht unglaubwürdig»

«Mit diesem Entscheid dürften leider viele Projekte verhindert werden», stellt der Aargauer BDP-Nationalrat Bernhard Guhl fest. «Ich bin sehr erstaunt, dass sich Linke und Umweltschützer gegen die Kleinwasserkraft wenden. Es ist schlicht und einfach unglaubwürdig, den Atomausstieg zu wollen und gleichzeitig die Kleinwasserkraft zu bekämpfen», führt er aus. Und: «Eigentlich müssten alle, die für den Atomausstieg sind, für alle erneuerbaren Energien sein.» Aber er spüre Widerstand bei Wind, Wasser und Photovoltaik.

Guhl selber spricht sich für den geordneten Atomausstieg aus. Aber dafür seien enorme Anstrengungen nötig, ist für ihn klar. «Es braucht dazu auch das Potenzial der Kleinwasserkraft. Dieses ist gross.» Wasserkraft liefere Bandenergie. «Das ist für die Stromversorgung enorm wichtig.» Als Elektroingenieur, ergänzt der BDP-Nationalrat, sei er «technikverliebt». So faszinieren ihn innovative Ideen wie Wasserwirbelkraftwerke oder auch Strombojen. Gerade Letztere zeigen laut Guhl, dass ohne Verbauungen des Flusslaufs Energie gewonnen werden kann. Die Fischer ihrerseits brauchten keine Angst um ihre Fische zu haben.

Sechs Turbinen sind geplant

Zur Erinnerung: Der Brugger Energieversorger IBB Energie AG möchte an der Flusssohle in der Aare bei Brugg und Windisch sechs Strombojen befestigen. Diese Strömungsturbinen nutzen die Fliessgeschwindigkeit des Wassers – werden vom Fluss angetrieben – und sollen rund 400 Haushalte mit Strom versorgen. Die Leistung beträgt 420 Kilowatt. Die je rund 11 Meter langen und 6 Tonnen schweren Strombojen kommen ohne Staumauern, Schleusen oder Dämme aus. Ende des letzten Jahres ist das Gesuch für dieses Vorhaben mit schweizweitem Pilotcharakter eingereicht worden.

Solche Projekte würden unter die im Moment vom Nationalrat definierte Grenze von einem Megawatt fallen, sagt BDP-Nationalrat Guhl. «Darum ist eine Korrektur des Entscheids durch den Ständerat sehr wichtig.»