Windisch
Bauten mittelalterliche Landvögte an der Römerleitung?

Als die Archäologen in Windisch zwei Einstiegsschächte freilegten erlebten sie eine Überraschung: Die Schächte sind offenbar nicht von den Römern gebaut worden. Sie enthalten mittelalterliche Ziegelbruchstücke.

Edgar Zimmermann
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Jürgen Trumm (links) und Hermann Huber von der Kantonsarchäologie inspizieren einen der freigelegten Einstiegsschächte. Edgar Zimmermann

Jürgen Trumm (links) und Hermann Huber von der Kantonsarchäologie inspizieren einen der freigelegten Einstiegsschächte. Edgar Zimmermann

Kanton und Bund haben deshalb letztes Jahr Beiträge für ein Projekt zur Bestandesaufnahme und zum Schutz der römischen Wasserleitung gesprochen. Derzeit geht es einerseits darum, alle vorhandenen Unterlagen und Fakten in einer Datenbank zu erfassen und einen aktuellen Gesamtplan zu erstellen. Andererseits werden die Forschung weitergeführt und Ausbesserung, Unterhalt und Schutz der Leitung an die Hand genommen.

Für dieses Projekt wurden nun zwischen Chapf- und Schwimmbadstrasse zwei Einstiegs- und Reinigungsschächte der Wasserleitung freigelegt, der eine im freien Feld, der andere unter einem asphaltierten Parkplatz. Der letztgenannte Schacht ist etwa 1,1×1,1 Meter gross und 2,6 Meter tief. Unter der Kanalsohle liegt ein 80 Zentimer tiefes Absetzbecken, welches voll Schlamm und Geröll war und nun mithilfe einer Kanalreinigungsfirma geleert werden konnte.

Gleichzeitig wurde die Leitung von den beiden Schächten aus via Kanalfernsehen durchleuchtet. Während gewisse Abschnitte noch einwandfrei sind, lagern andernorts Steine und Schlamm, welche den Durchfluss hindern. Im Bereich Chapfstrasse sind zudem Baumwurzeln eingedrungen, welche die Leitung zu zerstören drohen.

Archäologische Überraschung

Doch was die Archäologen bei der Untersuchung verblüfft hat, ist der Umstand, dass entgegen bisherigen Annahmen beide Einstiegsschächte offenbar nicht römischen Ursprungs sind. Darauf deuten jedenfalls mittelalterliche Ziegelbruchstücke, die in den Schachtwänden eingemauert sind. Aus dem Bauwerk werden nun zusätzlich Mörtelproben entnommen, um sie an der ETH Zürich analysieren und datieren zu lassen.

Der Projektleiter Jürgen Trumm vermutet, dass zumindest die beiden jetzt aufgedeckten Schächte vom 1310 gegründeten Kloster Königsfelden oder den hier nach 1528 residierenden Berner Landvögten gebaut wurden. Tatsächlich weiss man dank einer im Staatsarchiv vorhandenen Urkunde von 1363, dass bereits die Königin Agnes von Ungarn, die das Kloster zur Blüte brachte, die Wasserleitung ausbessern liess.

Ebenfalls bekannt ist, dass der Berner Hofmeister Emanuel Tscharner gemäss seinem Amtsbericht von 1758 die Leitung mit grossem Aufwand sanierte, wobei er alle Einstiegsschächte mit grossen Marksteinen markierte. Ob die anderen 23 bislang bekannten Schächte aus der Römerzeit oder dem Mittelalter stammen, soll bei weiteren Forschungen abgeklärt werden.

Wie weiter mit der Wasserleitung?

Im kommenden Jahr sollen weitere Abschnitte der Wasserleitung durchgespült und gereinigt werden. Je nachdem muss dann auch störendes Wurzelwerk entfernt werden. Sodann sind weitere Abschnitte des Bauwerkes zu untersuchen, zu reinigen und defekte Deckplatten zu ersetzen.

Vorgesehen ist schliesslich der Einbau je einer Messstelle in Hausen und Windisch, um dort den exakten Wasserdurchfluss zu ermitteln. Zudem ist geplant, den Zugang zu den Einstiegsschächten künftig freizuhalten, um den regelmässigen Unterhalt zu ermöglichen.

Die starke Bautätigkeit in Windisch und Hausen gefährdet weiterhin den Bestand und die Funktion der alten Wasserleitung. Mit Unterstützung der beiden Gemeinden, der Grundstücksbesitzer und Bauherren kann es gelingen, dass dieses Meisterwerk alter Ingenieurskunst auch künftig in Betrieb bleibt und den Brunnen in Königsfelden beliefern kann – ganz so wie der berühmte Trevi-Brunnen in Rom, der sein Wasser noch heute von einem antiken Aquädukt bezieht.

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