Bözberg
Bauernhaus in Flammen: So verhindert man Brände wegen Leinöl

Im September brannte ein Bauernhaus, weil sich Leinöl selbst entzündete. Der richtige Umgang ist zentral.

Larissa Hunziker
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Das ehemalige Bauernhaus mit angebauter Scheune im Ortsteil Kirchbözberg brannte komplett nieder.

Das ehemalige Bauernhaus mit angebauter Scheune im Ortsteil Kirchbözberg brannte komplett nieder.

zvg/Michel Jaussi

Am Samstag, 29. September, brannte in der Gemeinde Bözberg, im Ortsteil Kirchbözberg, ein Bauernhaus mit Scheunenanbau. Nachbarn bemerkten den Brand kurz nach 17 Uhr und alarmierten die Feuerwehr. Als diese vor Ort eintraf, stand das Gebäude bereits in Vollbrand. Trotz des Grosseinsatzes der Löschkräfte brannte dieses nieder. Verletzt wurde niemand, auch die Haustiere konnten rechtzeitig flüchten. Die Hausbewohner waren zum Zeitpunkt des Brands abwesend. Das Feuer war in der Scheune des ehemaligen Bauernhauses ausgebrochen, wo auch eine Schreinerei untergebracht war.

Anfang Oktober informierte die Kantonspolizei Aargau, die Ermittlungen nach der Brandursache seien noch im Gang. Im Vordergrund stehe eine Fahrlässigkeit. Am 6. November sagte Bernhard Graser von der Kantonspolizei Aargau, die Abklärungen seien abgeschlossen. «Die Ermittlungen weisen auf einen fahrlässigen Umgang mit Leinöl als mutmassliche Brandursache hin.» Der Ehemann habe am fraglichen Samstag mit diesem Stoff hantiert. Die entsorgten Reste des Leinöls hätten sich folglich in Abwesenheit der Hausbewohner selbst entzündet, was zum offenen Brand geführt habe.

Leinöl gibt es in vielen Haushalten. Wie sich die Gefahr eines Brandes eindämmen lässt, erklärt Christina Troglia von der Aargauischen Gebäudeversicherung (AGV).

Wie hantiert man richtig mit Leinöl?

Christina Troglia: Leinöl tendiert zur Selbstentzündung. Das Gefäss mit dem Leinöl muss luftdicht verschlossen werden. Der Lappen, mit dem das Leinöl aufgetragen wurde, ist nach Gebrauch gut auszuwaschen und ausgebreitet im Freien zu trocknen. Zu beachten ist ein genügender Abstand zu brennbaren Materialien. Der mit Leinöl getränkte Stofflappen sollte nie offen zusammengeknüllt gelagert werden, da sich sonst Stauwärme im Lappen bildet. Zusammen mit dem Sauerstoff in der Luft kann das die Selbstentzündung auslösen. Der Lappen ist in einem nicht brennbaren Gefäss mit Deckel, zum Beispiel in einem Schraubdeckelglas, zu lagern. Wichtig ist, dass kein Sauerstoff dazukommt. In jedem Fall sind die Anweisungen auf dem Gebinde zu beachten.

 «Die grösste Brandgefahr ist die Unaufmerksamkeit oder eine Ablenkung»: Christina Troglia, Generalsekretärin Aargauische Gebäudeversicherung (AGV).

«Die grösste Brandgefahr ist die Unaufmerksamkeit oder eine Ablenkung»: Christina Troglia, Generalsekretärin Aargauische Gebäudeversicherung (AGV).

zvg

Wie entsorgt man mit Leinöl getränkte Lappen richtig?

Gebrauchte Lappen sind auszuwaschen und zu trocknen. Nachdem das Öl getrocknet ist, besteht keine Entzündungsgefahr mehr. Der Lappen kann dann entsorgt werden. Wir empfehlen eine Trocknungszeit von mindestens 24 Stunden.

Wie häufig sind Brände durch das Selbstentzünden von Leinöl?

Gemäss einer Schadenstatistik der Vereinigung kantonaler Feuerversicherungen (VKF) sind zirka 2,5 Prozent der Brandursachen auf Selbstentzündungen zurückzuführen. Darin sind jedoch auch Fettbrände in Küchen enthalten. Eine eigentliche Statistik über Brände wegen Selbstentzündung von Leinöl führen wir nicht. Jährlich dürfte die Aargauische Gebäudeversicherung (AGV) zirka ein bis zwei Fälle verzeichnen.

Was muss man beim Hantieren mit Lacken und Lösungsmitteln beachten?

Grundsätzlich gilt, dass die Anweisungen auf dem Gebinde zu beachten sind. Lösungsmittel sollten nur in gut gelüfteten Räumen oder noch besser im Freien verwendet werden. Kellerräume sind nicht geeignet, da die Dämpfe der Lösungsmittel in der Regel schwerer sind als Luft und sich ein explosiver «See» bilden kann. In Kellerräumen sollte somit nur in Ausnahmefällen mit Lösungsmitteln hantiert werden und nur, wenn eine genügende Querlüftung gewährleistet ist.

Wie sieht es mit dem Versicherungsschutz aus, wenn ein Brand fahrlässig ausgelöst wurde?

Brände wegen Fahrlässigkeit sind versichert. Nur wenn der Eigentümer den Schaden vorsätzlich und schuldhaft herbeiführt, besteht kein Versicherungsschutz. Bei grober Fahrlässigkeit des Eigentümers kann die AGV die Leistung kürzen. Hat ein Dritter den Brand aus Fahrlässigkeit herbeigeführt, erhält der Eigentümer die volle Leistung, die AGV wird aber auf den Verursacher beziehungsweise dessen Haftpflicht-Versicherung Regress nehmen.

Was sind die grössten Brandgefahren im Haushalt?

Die grösste Brandgefahr ist die Unaufmerksamkeit oder eine Ablenkung. Das kann eine unbeaufsichtigte eingeschaltete Herdplatte oder auch eine vergessene brennende Kerze sein. Auch auf Haustiere muss in diesem Zusammenhang geachtet werden. Oft könnten mit mehr Achtsamkeit Brände vermieden werden.

Und die häufigste Brandursache?

Diese besteht im Zusammenhang mit elektrischen Geräten und Installationen. Auch da ist neben technischen Ursachen der Faktor Mensch ein Risiko. Als Brandursachen sind zum Beispiel nicht fachgerecht ausgeführte Reparaturarbeiten durch Laien sowie schlechte Wartung oder unsachgemässe Anwendungen von Elektrogeräten bekannt. Oft entstehen Brände auch durch falsche Entsorgung von Raucherwaren und Grillasche in brennbaren Behältern und Abfallsäcken.

Welche Vorsichtsmassnahmen muss man bezüglich Akkus, die geladen werden und Steckerleisten beachten?

Generell sollten Akkus auf nicht brennbaren Unterlagen und in einem genügenden Abstand von brennbaren Materialien aufgeladen werden. Nach dem Ladevorgang ist der Stecker aus der Steckdose zu ziehen. Steckerleisten sollten nur einzeln verwendet werden und nicht in Serienschaltung, da auch hier durch den grossen Stromfluss durch zu viele Endverbraucher eine Überhitzung entstehen kann.

Welche präventiven Massnahmen zum Schutz vor Bränden gibt es?

Die beste präventive Massnahme ist das Vorausschauen, um Gefahren frühzeitig zu erkennen. Beim Umgang mit offenem Feuer ist darauf zu achten, dass keine brennbaren Gegenstände in unmittelbarer Nähe sind und die Unterlage, zum Beispiel bei einer Kerze, aus nicht brennbarem Material ist. Elektrische Geräte sind regelmässig zu warten und gegebenenfalls sind ältere Geräte zu ersetzen. Bei Nichtgebrauch sind sie vom Stromnetz trennen.

Was sollte man im Haushalt zur Brandbekämpfung haben?

Wir empfehlen für jeden Haushalt mindestens eine Löschdecke, zum Beispiel in der Küche, und wenn möglich einen Handfeuerlöscher.

Bald ist Adventszeit: Welche Tipps zur Brandverhütung haben Sie?

Adventskränze und Kerzen sind auf eine nicht brennbare Unterlage zu stellen. Sie müssen einen genügenden Abstand zu brennbaren Materialien haben. Brennende Kerzen dürfen nie unbeaufsichtigt gelassen werden. Vor dem Entzünden der Kerzen ist die Feuchtigkeit des Weihnachtsbaumes oder des Adventskranzes zu prüfen. Wir empfehlen im Zweifelsfall, auf das Anzünden der Kerzen zu verzichten.