Im letzten Teil unserer Serie «Bauer Unser» zeigen wir einen Landwirtschaftsbetrieb, der derzeit im Prozess einer Generationenübergabe steht. Seit 1984 führen Fritz und Susanne Schwarz den über 100-jährigen Zelglihof in Rüfenach. Vor drei Jahren sind die Söhne Matthias und Samuel in den Betrieb eingestiegen. Die drei Männer teilen sich dabei ein 240-Prozent-Pensum: Vater Fritz Schwarz kümmert sich um die Milchwirtschaft, Sohn Samuel um die Bereiche Wein und Obst und sein Bruder Matthias um den Ackerbau und die Büroarbeiten.

«Meine Erstausbildung habe ich im KV-Bereich gemacht, weil lange nicht klar war, dass ich den Hof mal übernehmen werde», sagt Matthias Schwarz, der sich später zum Landwirt ausbilden liess. Samuel Schwarz hingegen setzte von Beginn weg auf die Landwirtschaft und machte später eine Ausbildung in Arbeitspädagogik. Im Zelglihof führt er heute etwa Projekte mit der heilpädagogischen Schule oder mit der Arbeitseingliederung von Erwachsenen.

Mehrere Nischen als Stützen – für die Schweizer Landwirtschaftsbetriebe heute einen der Wege, um finanziell über die Runden zu kommen. Beim Zelglihof kam zudem eine weitere Herausforderung hinzu: 1994 brannte die Scheune bis auf die Grundmauern nieder. Beim Wiederaufbau ein Jahr später liess der Architekt absichtlich etwas Platz zwischen Wohnhaus und Kuhstall.

Die Kälber liegen gemütlich im Stall.

Die Kälber liegen gemütlich im Stall.

Dort richtete die Familie später den Hofladen ein. «Wir hatten nie gedacht, dass dieser Raum so zentral werden würde für unsere Zukunft», sagt Fritz Schwarz. Als «Betriebszweig, der nicht von der Politik abhängig ist», sei die Direktvermarktung auf dem Hof heute ein wichtiges Standbein. «Wir suchen unsere Kunden selber.»

Supermärkte verrechneten der Familie früher etwa einen Preisabzug, wenn das Kalbfleisch direkt vom Hof rötlich aussah und nicht weiss. «Dabei will unsere Kundschaft vor allem, dass das Fleisch aus der Region stammt», sagt Matthias Schwarz.

Foto mit Regierungsrat Brogli

Auch beim Weinbau begannen sie damals, ihren Kundenstamm neu aufzubauen. Neben den in der Region üblichen Traubensorten Pinot Noir und Riesling Silvaner setzten sie ab 2001 neu auf die Frühreif-Sorte Solaris. Dies aus der Not heraus, weil der Blauburgunder jeweils nicht gereift war.

Neben Weinen verkauft die Familie auch Traubensaft.

Neben Weinen verkauft die Familie auch Traubensaft.

Die Umstellung erwies sich als grosses Plus: 2016 gewannen die Weine des Zelglihofs die Goldmedaille unter den Aargauer Weinen. Im Hofladen hängt heute ein Foto von der Medaillenübergabe, wo die Familie Schwarz gemeinsam mit dem dieses Jahr verstorbenen Regierungsrat Roland Brogli zu sehen ist.

Die Vermarktung läuft auch hier über den kleinen Laden mit Degustationsevents, Ausstellungen und vor allem Mund-zu-Mund-Propaganda. Auch Traubensaft bietet die Familie zum Verkauf an, für diejenigen, die keinen Wein trinken.

Es wird Änderungen geben

Durch die schleichende Übergabe des Hofs zwischen beiden Generationen profitieren Matthias und Samuel in diesen ersten Jahren von der Erfahrung ihres Vaters. Als im vergangenen April unerwartet Frost eintrat, setzten sie rechtzeitig Frostkerzen ein, um die Felder nachts aufzuwärmen. Dank dem konnten einige Bäume überleben und auf dem Zelglihof gibt es nun genug Obst zum Verkauf, darunter vor allem Äpfel der Sorte Maigold. «Wir Jungen kannten diesen Frost nicht, da war die Erfahrung von unserem Vater ein klarer Vorteil.»

In zwei Jahren ist die Betriebsübergabe geplant. Dann werde es sicher ein paar Änderungen geben, sagt Fritz Schwarz. Definiert seien diese aber noch nicht. Betreffen könnten sie die Milchwirtschaft. «Als ich den Hof 1984 übernommen habe, lag der Milchpreis noch bei Fr. 1.08 pro Liter», sagt er. Heute beträgt er rund die Hälfte. Ohne die Direktzahlungen vom Bund würde die Rechnung nicht mehr aufgehen, auch wenn der Stall inzwischen amortisiert sei. «Wir hätten Freude, wenn keine Subventionen nötig wären», sagt er. Dass der Leistungsauftrag sich alle Jahre wieder ändere, bringe zusätzliche Ungewissheit.

Die Tierhaltung auf dem Hof werde aber sicher erhalten bleiben, sagt er. Die Hälfte der 30 Hektaren Acker seien Futterfläche und der Hof brauche den geschlossenen Kreislauf «Mist–Gülle–Acker–Futter».

Auf der anderen Hälfte baut die Familie Schwarz vor allem Saatgetreide sowie Raps und Sonnenblumen an. Auch hier finden stets Umstellungen statt, die Zuckerrüben etwa gab die Familie vor zwei Jahren auf. Doch sie bleiben dran. Matthias Schwarz, zuständig für den Bereich Ackerbau, spricht dabei von der Landwirtschaft als grosse Leidenschaft. Und seine Leidenschaft verlässt bekanntlich keinen.