Thalheim
Baudenkmal, bedeutend, sucht... – Neue Trägerschaft für Burgruine Schenkenberg?

Heimatschutz und Pro Natura möchten Burgruine Schenkenberg in Thalheim einer neuen Trägerschaft abtreten.

Michael Hunziker
Drucken
Teilen
Die Burgruine Schenkenberg in Thalheim ist ein beliebtes Ausflugsziel und steht unter Schutz. mhu

Die Burgruine Schenkenberg in Thalheim ist ein beliebtes Ausflugsziel und steht unter Schutz. mhu

Michael Hunziker

Schenkenberg, die grösste Burgruine im Kanton, befindet sich wahrlich an einem spektakulären Standort und ist ein beliebtes Ausflugsziel für Schulklassen, Wanderer und Pfadfinder genauso wie für Hochzeitsgesellschaften oder Angehörige der Armee. Besitzer sind heute der Aargauer Heimatschutz sowie Pro Natura Aargau. Diese aber möchten das imposante und geschützte Objekt ob Thalheim einer neuen Eigentümerschaft abtreten. «Ein solches Baudenkmal von nationaler Bedeutung gehört nicht in den Besitz privater Natur- oder Heimatschutz-Organisationen», sagt Henri Leuzinger, Geschäftsführer des federführenden Aargauer Heimatschutzes. «Schenkenberg ist ein Identifikationsort für die ganze Talbevölkerung.»

Als Partner einer neuen Trägerschaft kommen laut Leuzinger die Gemeinden im Schenkenbergertal infrage. Der Aargauer Heimatschutz könnte sich einen entsprechenden Trägerverein vorstellen, der künftig für den Unterhalt der Burgruine und die Pflege der Umgebung verantwortlich zeichnet. Beabsichtigt ist gemäss Leuzinger, in nächster Zeit das Gespräch zu suchen und – im Idealfall – im Herbst oder Winter mit den Gemeindevertretern zusammenzukommen, um die offenen Fragen zu klären und die Details schliesslich in einem Vertrag zu regeln.

Ein solcher Vertrag lag bereits vor knapp zehn Jahren in ausgearbeiteter Form vor. Die Rede war von einem Betrag von 1 Franken pro Einwohner und Jahr als Basis, um den Erhalt der Anlage sicherstellen zu können. Allerdings scheiterten die Verhandlungen trotz allen Bemühungen kurz vor dem Ziel, der Trägerverein wurde nicht ins Leben gerufen. «Es gab unüberwindbare Differenzen, das Geschäft wurde sistiert», blickt Leuzinger zurück, der selber noch nicht mit von der Partie war.

«Die Geschichte ist kompliziert», fasst der Geschäftsführer zusammen. Rückblick: Der Aargauer Heimatschutz konnte die Burgruine Schenkenberg im Jahr 1918 für 50 Franken kaufen. Mehrmals liess er Sanierungen durchführen, um den Zerfall zu stoppen und die Anlage zu sichern. Bei den Arbeiten 2003 nahm die Aargauische Kantonsarchäologie erstmals eine wissenschaftliche Bauuntersuchung vor. «Schon damals war klar, dass der Unterhalt dieser Burgruine nicht zu den Kernaufgaben des Aargauer Heimatschutzes gehört», sagt Leuzinger. Der Kanton unterstützte die Sanierung, zeigte aber kein Interesse daran, die Anlage zu übernehmen.

Ende 2006 wurde der angrenzende lichte Wald am Hang – eine Fläche von 6 Hektaren – abparzelliert und an die Pro Natura verkauft. Die Naturschutzorganisation trägt seither zur Pflege des Areals und zum Schutz der Flora auf dem Schenkenberg bei. Bei der Ruine – einer eine Hektare grossen Parzelle – bilden der Aargauer Heimatschutz sowie Pro Natura eine Eigentümergemeinschaft.

Der Erlös aus dem Grundstücksverkauf in der Höhe von 40 000 Franken wurde für den Unterhalt des Baudenkmals zur Verfügung gestellt. Dieses Geld ist mittlerweile aufgebraucht. Jährlich gerechnet wird laut Leuzinger mit einem Betrag von 3500 bis 5000 Franken. Mit anderen Worten: Für den Erhalt der Burgruine muss der Aargauer Heimatschutz in die eigene Tasche greifen. «Auch wenn wir nicht unter akutem Zugzwang stehen: Allzu lange zuwarten möchten wir deshalb mit der Suche nach einer neuen Trägerschaft nicht», gibt Leuzinger zu. Derzeit sei die Anlage zwar in einem stabilen Zustand. Trotzdem werde auch abgeklärt, welche baulichen Massnahmen anstehen, welche Kosten in den nächsten 10 oder 20 Jahren entstehen können. «Unser Ziel ist ein solides, gut abgestütztes Dossier. Wir hoffen auf ein positives Echo.»

Der Unterhalt der grössten Ruine des Kantons sei sehr anspruchsvoll, bestätigt auch Johannes Jenny, Geschäftsführer von Pro Natura Aargau. «Den lichten Wald mit der grossen Waldweide am Burghügel wollen wir aber selbstredend behalten.» Schliesslich handle es sich um eine äusserst artenreiche Fläche mit – unter anderem – Orchideen, Hirschkäfern, Feuersalamandern und Schlingnattern.

Seit den Verhandlungen vor zehn Jahren sei es sowohl bei den Behörden der Talgemeinden als auch beim Aargauer Heimatschutz zu Wechseln gekommen, es seien neue Personen am Ruder, fügt Heimatschutz-Geschäftsführer Leuzinger an. «Es ist Zeit, die Vergangenheit ruhen zu lassen, einen neuen Anlauf zu nehmen und eine gute Basis zu legen», sagt er. «Wir wollen einen vernünftigen Weg finden.» Als Partner mit an Bord beim Neuanfang ist übrigens auch der Jurapark Aargau, der seine Hilfe in Aussicht stellt.

Aktuelle Nachrichten