Königsfelden

Barbarossa, Clown und Dürst gefällts auch auf der Bühne

«Nein»: Barbarossa (links) wird von Clown gestupft – der Kompagnon soll keinen Schnaps mehr trinken.

«Nein»: Barbarossa (links) wird von Clown gestupft – der Kompagnon soll keinen Schnaps mehr trinken.

Im Park in Königsfelden wird «Hinter den 7 Gleisen» gespielt – ein Volltreffer. Dass es Barbarossa, Clown, Dürst & Co. auf der Königsfelder Bühne gefällt, war augenfällig. Immer wieder gab es Szenenapplaus – die Produktion wird wohl ein Renner.

Barbarossa, Clown und Dürst sind Clochards. Arbeit ist nicht ihre Sache.

Das Trio rettet sich, fast ohne einen Rappen, dafür mit viel Alkohol täglich über die Runden.

Es haust im Königsfelder Freilichtspiel in einem Schuppen hinter den 7 Gleisen, wo es nur selten aufgespürt wird. Doch dann bekommen die drei unverhofften Besuch: Inge, eine junge Frau aus Deutschland, flüchtet sich zu ihnen und bringt ihr Kind zur Welt.

Keiner darf davon wissen – auch nicht Paul Eberhard, Vater des Kindes und Sohn einer dünkelhaften Familie für die Inge als Dienstmädchen gearbeitet hat.

Die Sache erschiene aussichtslos, griffe nicht Frau Herzog ein. Damit sind die Tage des Faulenzens für Barbarossa, Clown und Dürst vorbei: Arbeit ist angesagt, um für das Kind zu sorgen. Turbulent geht es weiter, als der brave, Inge liebende Lokomotivführer Hartmann auftaucht und ein Besuch bei den Eberhards alles aus dem Lot bringt.

Dass sich am Ende die Richtigen finden, liegt bei einem Märchen wie diesem auf der Hand. Inge und Hartmann schreiten im Mondschein einer rosigen Zukunft entgegen . . . I

n diesem Moment prasselt der Beifall von den vollbesetzten Rängen auf der Tribüne im Innenhof des Königsfelder Hauptgebäudes nieder. Er gilt allen Mitwirkenden, die sich für das 9. Aargauische Freilicht-Spektakel starkgemacht haben.

Romantische Komödie

Die Anerkennung gilt aber auch der Autorin Katja Früh, die eine Bühnenfassung nach dem gleichnamigen Film ihres Vaters Kurt geschaffen hat. Wer liebt ihn nicht, diesen Film aus den Fünfzigern mit Ruedi Walter, Zarli Carigiet und Max Haufler?

Nun ersteht er, notabene in Farbe, als romantische Komödie im Hof der Klinik – ein prächtiger, aber schwieriger Schauplatz, weil er mit vielen, Zeit beanspruchenden Auftritten bespielt werden muss.

Eine wichtige Rolle spielt die Wahl der Schauplätze. «Hinter den 7 Gleisen» ruft förmlich nach einer Lokomotive. Eine solche kriegt das Publikum nicht zu sehen, wohl aber hört es das charakteristische Schnauben und Stampfen.

Der rechts situierte Schuppen ist ein liebevoll ausgestatteter Spielort. Dort fliegen die Fetzen – genauso wie auf der linken Seite, wo ein oft bestohlener Bananenwagen steht.

Klug spielt Regisseur Peter E. Wüthrich zudem mit der verzierten Türe des Hauptgebäudes. Wie von Geisterhand öffnet sich diese – und schon trippeln die Dienstboten der Eberhards heraus. Dazwischen sorgt, ein schöner Einfall Wüthrichs, ein langsam durch die Szenerie schreitender Saxofonist für musikalische Intermezzi.

Als gelungen erweist sich weiter die Einführung eines Erzählers, der die Handlung liebevoll begleitet. Damit will Katja Früh vermeiden, dass «Hinter den 7 Gleisen» aktualisiert wird. Wie der Film, soll die Bühnenfassung in erster Linie ein zutiefst menschliches, berührendes Märchen sein. Zeitlosigkeit stellt sich von alleine ein.

Dass es Barbarossa, Clown, Dürst & Co. auf der Königsfelder Bühne gefällt, war augenfällig. Immer wieder gab es Szenenapplaus – die Produktion wird wohl ein Renner.

«Hinter den 7 Gleisen» Bis 30. August; Infos unter www.freilicht-spektakel.ch

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