Er gehe davon aus, dass Barbara Horlacher (46, Grüne) die Stadtammann-Wahl deutlich gewinnen werde, sagte ein Brugger am Sonntagmorgen auf der Strasse, als das Wahllokal noch offen stand. Titus Meier (36, FDP) werde das Nachsehen haben, denn er kenne einige FDPler, die Horlachers Namen auf den Wahlzettel geschrieben haben. Solche und ähnliche Voten waren im Vorfeld des zweiten Wahlgangs immer wieder zu hören – von Jungen und Alten, von Männern und Frauen.

Kurz nach 12 Uhr war der Fall klar: Mit 563 Stimmen Vorsprung und einem Glanzresultat von 1905 Stimmen wurde die Grüne zur ersten Frau Stadtammann von Brugg gewählt. Kontrahent Meier holte 1342 Stimmen. Die Stimmbeteiligung betrug 48,6% und lag somit 2,4% tiefer als beim ersten Wahlgang im September, als die beiden nur gerade 29 Stimmen voneinander trennten (Meier 1348, Horlacher 1319).

«Erstaunlich, was im letzten halben Jahr mit mir und mit Brugg passiert ist»

«Erstaunlich, was im letzten halben Jahr mit mir und mit Brugg passiert ist»

Die frisch gewählte Brugger Frau Stadtammann, Barbara Horlacher, meistert «überwältigt und glücklich» eine ellenlange Gratulantenschlange an ihrer Wahlfeier. 

Gross war die Freude über dieses historische Resultat beim Wahlapéro der Grünen im Kulturhaus Odeon. «Wer hätte das gedacht?», fragte Robert Obrist, Grossrat und Präsident Grüne Bezirk Brugg, bestens gelaunt in die Runde. Als er Horlacher, die seit 2014 die Umweltabteilung am Flughafen Basel-Mulhouse leitet, für eine Kandidatur anfragte, habe sie zurückhaltend reagiert und viele Fragen gestellt. «Typisch Frau», so Obrist. Doch mit dem guten Resultat im ersten Wahlgang sei dann die Motivation nochmals deutlich gestiegen. Horlacher hatte eine schlagkräftige zehnköpfige Gruppe im Hintergrund, die einen kreativen und engagierten Wahlkampf führte.

Horlacher dankt Titus Meier

«Das ist ganz grosses Kino heute in Brugg», sagte CVP-Grossrat Jürg Baur. Er brachte ein Brugger Fähnchen mit, mit einem grünen Punkt drauf. Da bald Advent sei, könne man hier auch ein Fensterchen beim Schwarzen Turm öffnen und auf Barbara Horlacher treffen.
Die frisch gewählte Frau Stadtammann war überwältigt und bedankte sich bei allen Anwesenden für die breite Unterstützung weit über die Parteigrenzen hinweg.

Der Dank ging auch an Titus Meier und Richard Fischer (67, parteilos). Letzterer trat im zweiten Wahlgang nicht mehr an. Mit einem fairen Wahlkampf hätten sie der Bevölkerung einen politischen Austausch ermöglicht. «Ab 1. Januar will ich Stadtammann für alle Brugger sein», schloss Horlacher ihre kurze Rede.

«Brugg wünscht sich eine Veränderung und ich bin diese Veränderung»

«Brugg wünscht sich eine Veränderung und ich bin diese Veränderung»

Barbara Horlacher von den Grünen, neue Frau Stadtammann von Brugg, in einem ersten Interview nach ihrer Wahl am 26. November.

Ammann übergibt Stadtschlüssel

Unter den Gästen war auch der scheidende Stadtammann Daniel Moser (59, FDP). Er sei bereits gefragt worden, ob er am richtigen Ort sei, erzählte er augenzwinkernd und gratulierte Barbara Horlacher zum «grossartigen Resultat». Es brauche viel Energie und Unterstützung für das Stadtammann-Amt, betonte Moser. Und die Bevölkerung müsse verstehen, dass die Exekutive als Team unterwegs sei. «Dafür braucht es Vertrauen und das kam in letzter Zeit etwas abhanden», so Moser weiter. In Form einer Süssigkeit überreichte er seiner Nachfolgerin einen Stadtschlüssel mit dem Hinweis, dass die Türen zum Stadthaus für Horlacher schon heute offen stünden. «Ich halte die Signale auf Grün», versprach Moser und räumte sogleich ein, dass dies keine politische Aussage sei, sie beide aber noch viel miteinander zu tun haben werden.

Barbara Horlacher ist nach Christoph Brun, der dem Stadtrat von 2004 bis 2013 angehörte, die zweite Grüne in der Exekutive. Brun kandidierte während seiner Amtszeit einmal chancenlos gegen Stadtammann Rolf Alder.