Birrfeld

Baloise zieht eine Bilanz zu den Hagelfliegern: «Verfahren zeigt erste positive Tendenz»

Das Flugzeug des Typs Cessna ist mit einer speziellen Sprühvorrichtung ausgestattet.

Das Flugzeug des Typs Cessna ist mit einer speziellen Sprühvorrichtung ausgestattet.

Das Spezialflugzeug des Typs Cessna geht nach der diesjährigen fünfmonatigen Saison in die Winterpause. Die Wirksamkeit des Flugzeugs der Baloise-Versicherung auf dem Flugplatz Birrfeld wird noch analysiert.

Zieht ein Unwetter auf und besteht die Gefahr von Hagel, kommt das Kleinflugzeug der Baloise-Versicherung zum Einsatz. Mit dem sogenannten Hagelflieger, der mit einer speziellen Sprühvorrichtung ausgestattet ist, können die Wolken gezielt angeflogen und mit Silberjodid geimpft werden – um zu verhindern, dass sich grosse und schwere Hagelkörner bilden, die massive Schäden anrichten. Dieses Vorgehen der Wolkenimpfung, betont die Baloise, ist für Mensch und Natur unbedenklich.

Motorfahrzeuge sind am stärksten betroffen

Das Spezialflugzeug des Typs Cessna, das auf dem Flugplatz Birrfeld stationiert und in der ganzen Deutschschweiz unterwegs ist, geht nach der diesjährigen fünfmonatigen Saison in die Winterpause. 27-mal ist es geflogen. Die Baloise zieht eine Bilanz zur Hagelprävention. «Dieses Verfahren zeigt gemäss interner Schadenanalyse eine erste positive Tendenz», heisst es in einer Medienmitteilung. Ausgangspunkt der Analyse seien die internen Hagelschadendaten der letzten 20 Jahre.

Pilotprojekt auf drei Jahre ausgelegt

In der Saison 2020 spricht die Baloise von insgesamt vier Schadenereignissen – Tage mit mehr als 50 Schadenfällen –, an denen der Hagelflieger im Einsatz war. «Die durchschnittliche Schadenhöhe war an diesen Tagen rund 10 Prozent tiefer als im Jahresdurchschnitt, was auf eine tiefere Intensität schliessen lässt», hält der Versicherer fest. Die Anzahl Schadenfälle pro Jahr, fügt die Baloise an, bewegt sich seit dem Start des Hagelfliegers insgesamt auf einem relativ tiefen Niveau. Begonnen hatte das Pilotprojekt im August 2018. Ausgelegt ist es auf drei Jahre.

Eine der am meisten von Hagel betroffenen Branchen ist laut Baloise die Motorfahrzeug-Versicherung. Die interne Analyse der Schadenfälle in diesem Bereich habe ergeben, dass im Vergleich zu den Jahren 2000 bis 2017 «der hagelbedingte Schadenaufwand seit Beginn der ­gezielten Wolkenimpfung sich konstant auf einem tiefen Niveau befindet», so der Versicherer. Zurzeit ist die Rede von ­einem mittleren einstelligen Millionenbetrag.

Die ETH analysiert das Vorgehen wissenschaftlich

Beim Hagelflieger-Projekt arbeitet die Baloise mit der ETH zusammen. Diese erforscht den Einfluss der gezielten Impfung von Wolken wissenschaftlich. Zudem wurden Experten in einen Hagelbeirat berufen, um das Vorgehen bei der Hagelprävention zu diskutieren.

Zwar sei die positive Tendenz erfreulich «in der Reduzierung der Schwere der Hagelniederschläge», wird in der Medienmitteilung Thomas Schöb zitiert, Leiter Schaden und Mitglied der Baloise-Geschäftsleitung. Aber eine Schlussfolgerung über die Wirksamkeit des Hagelfliegers, räumt er ein, sei verfrüht. «Wir werden am Ende der Pilotphase gemeinsam mit der ETH und den Partnern aus dem Hagelbeirat die letzten Jahre analysieren und das weitere Vorgehen besprechen.» Der Hagelflieger hatte beim Start des Pilotprojekts für viel Aufsehen gesorgt in den Medien. Einige Experten äusserten Zweifel an dieser Methode.

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