Bözbergtunnel
Bald kommt die Tunnelbohrmaschine: Sie frisst sich täglich durch 22 Meter Fels

Der Vortrieb im neuen Bözbergtunnel läuft auf Hochtouren – Besucher haben neu eine Aussichtsplattform.

Claudia Meier
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Baustellenbegehung Bözbergtunnel
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Baustellenbegehung Bözbergtunnel Blick von der Besucherplattform: Rechts ist die Bohrpfahlwand und in der Mitte das Spritzbetongerät.
Baustellenbegehung Bözbergtunnel Sobald das neue Bahntechnikgebäude in Betrieb ist, muss das alte Bahnhofsgebäude weichen.
Baustellenbegehung Bözbergtunnel Gesamtprojektleiter Thomas Zieger erklärt den Lockergesteinsvortrieb.
Baustellenbegehung Bözbergtunnel Die neue Besucherplattform befindet sich auf dem höchsten Punkt über dem Tunnelportal.
Baustellenbegehung Bözbergtunnel Zu 16 Meter langen Stahlrohren werden die Einzelteile zusammengesetzt und montiert.
Baustellenbegehung Bözbergtunnel Projektleiter Thomas Zieger eröffnet die neue Besucherplattform.
Baustellenbegehung Bözbergtunnel Von der Besucherplattform in Schinznach-Dorf lässt sich ab 2017 der Aufbau der Tunnelbohrmaschine beobachten.
Baustellenbegehung Bözbergtunnel Für den Lockergesteinsvortrieb werden neue Stahlrohre angeliefert.
Baustellenbegehung Bözbergtunnel Projektleiter Thomas Zieger auf den ersten 30 Metern im neuen Bözberg-Eisenbahntunnel.
Baustellenbegehung Bözbergtunnel Der Neubau des 2,7 Kilometer langen Bözbergtunnels kostet 350 Millionen Franken und soll 2020 fertig sein.

Baustellenbegehung Bözbergtunnel

Chris Iseli

Bis zum Fahrplanwechsel 2020 wird der 4-Meter-Korridor auf der Gotthard-Achse realisiert sein. Dann können auch Sattelauflieger mit einer Höhe von 4 Metern auf der Bahn transportiert werden. Bisher erlauben die SBB nur eine Eckhöhe von
3,8 Metern. Das grösste Einzelprojekt ist der Neubau des doppelspurigen Bözbergtunnels.

Am 9. März dieses Jahres fand der Spatenstich beim stillgelegten Bahnhof Schinznach-Dorf nur wenige Meter neben dem bestehenden Bahntunnel statt. Ein halbes Jahr später konnte das zuständige Bauunternehmen Implenia mit der ersten Etappe des Vortriebs beginnen. Gut 40 Personen arbeiten derzeit auf beiden Seiten des Bözbergtunnels.

Bei einer Begehung in Schinznach-Dorf erklärt der Gesamtprojektleiter Thomas Zieger, wie für den Voreinschnitt mit dem Bagger das Lockergestein bis zu einer Tiefe von 108 Metern in der oberen Tunnelhälfte aus dem Bözberg geholt und die Decke in neun Etappen mit einem Gewölbe aus 53 nebeneinanderliegenden Rohren befestigt wird. Pro Bauetappe überlappen sich die 16 Meter langen Stahlrohre auf 4 Metern. Die Lochwand wird später mit Spritzbeton ausgekleidet.

Aushub geht nach Brunegg

«Wir hatten mit starkem Wasseraufkommen zu rechnen», sagt Zieger. Beim Tunnelbau im Jura habe es in der Vergangenheit schon öfters Überraschungen gegeben, so Daniel Salzmann, Leiter Projektorganisation Nord-Süd Achse Gotthard. Da die aktuelle Baustelle aber nicht weit vom rund 140-jährigen Bahntunnel und dem Autobahntunnel entfernt ist, verfüge man auf diesem kleinen Raum über gute Kenntnisse der Gesteinsschichten im Bözberg. Dennoch werden regelmässig Messungen durchgeführt und allfällige Verschiebungen genau beobachtet.

Das Ausbruchmaterial vom Lockergesteinsvortrieb geht per Lastwagen in eine Grube in Brunegg. Während der Vortriebsphase werden pro Tag 10 bis 15 Lastwagen voll mit sauberem Aushubmaterial von der Baustelle abtransportiert. «Im Januar werden die ersten Teile für die 80 Meter lange Bohrmaschine angeliefert», erklärt Thomas Zieger weiter. «Die Montage erfolgt direkt im Voreinschnitt. Für den Transport der Teile wird ein grosser Kran aufgestellt. Ab Mai wird dann gebohrt.»

Die Bohrmaschine wird sich täglich durch 22 Meter Fels fressen, bis sie Ende 2017 oder Anfang 2018 bei der Station Effingen aus dem Tunnel kommt. Sie hat einen Durchmesser von 12,36 Metern. Sobald gebohrt wird, steht ein Förderband in Betrieb, das den Aushub zum Zwischenlager Elbis (Amsler) in Schinznach-Dorf abtransportiert. Insgesamt wird mit 650 000 Tonnen sauberem Aushub gerechnet. Ab Frühling 2018 soll der Tunnelausbruch dann – möglichst per Bahn – ab dem Südportal zur Deponie Oberegg der Jura Cement Fabriken verschoben werden. Das belastete Material – rund 85 000 Tonnen – wird per Lastwagen in den Kanton Solothurn gebracht.

Seit Dienstag steht für Besucher an exponierter Stelle über der Tunnelbaustelle eine Aussichtsplattform zur Verfügung. Von hier lasse sich beispielsweise ab 2017 der Aufbau der Tunnelbohrmaschine, später der Abtransport des Aushubmaterials und auch die Fertigstellung des Portals im Tagbau beobachten, sagt Thomas Zieger bei der Eröffnung für die Medienvertreter.

Das alte Bahnhofgebäude in Schinznach-Dorf wird weichen müssen, sobald das neue Bahntechnikgebäude seinen Betrieb aufgenommen hat. Auf der Effinger Seite laufen ebenfalls Vorbereitungen am neuen Portal. Als weitere Massnahme für den neuen Güterkorridor wird in der Region Brugg der Villnachern-Tunnel 2019/20 auf eine Eckhöhe von 4 Metern ausgebaut.

Der Bözbergtunnel kostet 350 Mio. Franken

Der 4-Meter-Korridor auf der Gotthard-Achse wird von den SBB im Auftrag des Bundes gebaut. Insgesamt werden auf der 270 Kilometer langen Strecke zwischen Basel und Italien rund 20 Tunnels ausgebaut und 80 Einzelmassnahmen getroffen. Auch Perrondächer an Bahnhöfen oder Signale müssen angepasst werden. Die Kosten belaufen sich auf insgesamt 700 Mio. Franken. Der Neubau des doppelspurigen Bözbergtunnels verschlingt die Hälfte dieser Kosten. Der alte Bahntunnel wird zum Rettungsstollen. (CM)