Ein junger Mann mit Down-Syndrom sitzt in einem Altersheim einer älteren Dame gegenüber. Er macht sich einen Spass daraus, seinem Vis-à-vis den Dessertteller neckisch wegzuziehen. Die fast blinde Frau sucht mit der Gabel hilflos ihre Nachspeise.

Diese Szene ist nicht ein Ausschnitt aus einem regulären Spielfilm, sondern eine Situation aus dem geplanten Lehrfilm der Berufsfachschule Gesundheit und Soziales Brugg.

«Der Film ist ein Medium, mit dem in kürzester Zeit viel Inhalt und eine grosse Palette an Emotionen transportiert werden kann», sagt Schulleitungsmitglied und Berufslehrer Gallus Zahno.

Der Kurzfilm zeigt eine Situation in einem fiktiven Altersheim. Es wird eine Fallsituation eingespielt, in der eine Pflegekraft zu wenig wahrnimmt, dass eine Bewohnerin unkorrekt behandelt wird.

Auch eine Expertin kommt zu Wort

Der Film wird zu einem späteren Zeitpunkt im Unterricht mit den Schülern aufbereitet.

Die Aufgabe der Lernenden wird es sein, die Szene zu analysieren. Anschliessend wird in Gruppen ein Gegenvorschlag erarbeitet, wie das Problem gelöst werden könnte, dass der Umgang der Fachkraft den pflegerischen Standards genügt.

Zu guter Letzt meldet sich eine Expertin zu Wort und zeigt auf, was schiefgelaufen ist und wie die Situation ihrer Meinung nach richtig zu handhaben ist. Die Berufsfachschule Gesundheit und Soziales setzt schon lange auf das Medium Film.

Dies verdeutlicht ein kurzer Blick auf die E-Learning-Plattform der Schule. Dort können sich die Schüler beispielsweise darüber informieren, worum es bei den nahenden Abstimmungen geht oder auch wie das Herz funktioniert.

Auffallend: Der grösste Teil des Erklärungsmaterials basiert auf Filmen.

Und was verhofft man sich vom Filmprojekt? Der Berufsschullehrer erklärt: «Einerseits wünschen wir uns, dass sich durch dieses ausserschulische Projekt Lehrer und Auszubildende auf einer neuen Ebene begegnen.»

Er fügt an, dass man den Lernenden auch den Aufwand bewusst machen möchte, der mit einem solchen Filmprojekt verbunden ist. Das gesamte Vorhaben steht unter der Leitung des Filmemachers und Berufsschullehrers Thomas Koch.

Gast vom Zürcher Theater Hora

Für die Rolle des behinderten jungen Mannes konnte Damian Bright, ein Mitglied des Zürcher Behindertentheaters Hora, gewonnen werden.

Ausser der Berufslernenden, welche die Hauptfigur spielt, nehmen die Lernenden nicht aktiv am Film teil. Sie betreuen aber die Statisten: Diesen Part übernimmt das Seniorentheater «Herbstrosen» aus Windisch. Verena Bosshard verkörpert eine betagte Dame.

Und wie steht es mit der Finanzierung? Schliesslich spielen die Profis nicht kostenlos. «Wir haben Sachsponsoren gewinnen können und ein Altersheim hat uns die Berufskleider zur Verfügung gestellt», so Zahno.

Zudem spielen die Schauspieler zu einem Spezialhonorar, Zahno nennt es «Sozialtarif». Die Gage der Schauspieler stammt jedoch aus der Tasche der Schule.

Obwohl bis jetzt fast alles wie am Schnürchen geklappt hat – eine Sache hat Zahno bei den Vorbereitungen unterschätzt: den Anspekt der Arbeitszeiten. «Wir drehen an einem Sonntag, da arbeiten viele Lernende in den Gesundheitsberufen oder sie wollen ihren freien Tag geniessen.»

Am Schluss hätte er aber keinerlei Probleme gehabt, genügend Schauspieler aufzutreiben. «Wir hatten sogar zu viele Bewerberinnen für die Hauptrolle», sagt er lachend. Die Berufsfachschule Gesundheit und Soziales will den Film übrigens nicht für sich behalten, wie Zahno erzählt.

«Wir sind bereits mit einem Lehrmittelverlag in Kontakt, der unseren Kurzfilm in seinen Katalog aufnehmen möchte.»

Auf diese Weise könne das Lehrmittel breit gestreut werden, fügt das Schulleitungsmitglied an.