Brugg
Badegäste ärgern sich über neue Öffnungszeiten

Die neuen Öffnungszeiten der Brugger Badi kommen nicht überall gut an. Einige «Früh-Schwimmer» sind verärgert. Der Stadtrat wird gebeten, noch einmal über die Bücher zu gehen und eine für alle annehmbare Lösung zu finden

Michael Hunziker
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An den Werktagen ist das Frei- und Hallenbad neu erst um 10 Uhr geöffnet – anstatt wie bis anhin um 9 Uhr. az-Archiv/LP

An den Werktagen ist das Frei- und Hallenbad neu erst um 10 Uhr geöffnet – anstatt wie bis anhin um 9 Uhr. az-Archiv/LP

az-Archiv/lp

Mit dem Frühschwimmen, das Mitte Monat eingeführt worden ist, sind im Frei- und Hallenbad in Brugg die Öffnungszeiten geändert worden. Diese Neuerung stösst nicht überall auf Begeisterung. Denn die Anlage ist jetzt zwar zweimal wöchentlich von 6 bis 7.30 Uhr geöffnet, im Gegenzug wird an den Werktagen der Betrieb aber erst um 10 Uhr aufgenommen – anstatt wie bis anhin um 9 Uhr (die az berichtete).

Mit Bestürzung habe er – und mit ihm «viele 9-Uhr-Badegäste» – von den neuen Öffnungszeiten erfahren, hielt Werner Pauli aus Brugg in einem Leserbrief fest. Da sei wieder einmal «von oben herab» etwas beschlossen worden, ohne die Betroffenen zu kontaktieren. Pauli forderte den Leiter der Abteilung Planung und Bau dazu auf, sich einmal persönlich vor Ort ein Bild zu machen und mit den Badegästen Kontakt aufzunehmen.

Über 60 Unterschriften in 2 Stunden

Auf seinen Aufruf habe er keine Reaktion erhalten, sagt Pauli. Immerhin habe er an der Seniorenausfahrt der Stadt Brugg mit dem Stadtrat über das Thema sprechen können. Der Ärger sei bei ihm und bei den anderen Stammgästen aber noch nicht verflogen. «Was sich während 30 Jahren bewährt hat, wird mit einem Schlag auf den Kopf gestellt.»

Pauli hat die Situation aufmerksam beobachtet: An den ersten Tagen sei die Besucherfrequenz am Frühschwimmen nicht besonders gewesen. «Es stellt sich die Frage, ob man lieber 20 und mehr Leute verärgern will, damit einige wenige ihren Plausch am frühen Morgen haben.» Nicht nur die Badegäste, auch das Restaurant müsse Nachteile in Kauf nehmen.

Von der Stadt wurden die betrieblichen Abläufe als Grund für die späteren Öffnungszeiten angegeben. Pauli indes ist der Ansicht, dass Arbeitszeiten und Arbeitsabläufe intern geregelt werden sollten – und nicht auf Kosten der Badi-Besucher.

Der Brugger hat eine Unterschriftensammlung lanciert. An zwei Tagen kamen – in insgesamt gerade zwei Stunden – über 60 Unterschriften von Badegästen zusammen, die sich von den neuen 10-Uhr-Öffnungszeiten benachteiligt fühlen. Mehr als die Hälfte der Betroffenen kämen von auswärts nach Brugg zum Schwimmen oder Aqua-Fitness. «Einigen dieser Personen ist der Besuch der Badi nicht mehr möglich: Schulpflichtige Kinder, Mittagessen kochen, eventuell noch einkaufen verhindern das Schwimmvergnügen», führt Pauli aus.

Die Unterschriftenbogen wird er in diesen Tagen – zusammen mit einem Begleitbrief – dem Stadtrat übergeben. Er erwartet, dass die Behörde noch einmal über die Bücher geht. «Wir bitten den Stadtrat, als übergeordnete Instanz, in dieser Sache eine für alle involvierten Personen annehmbare Lösung zu finden.»

Probezeit dauert ein Jahr

Die Stadt räumt ein, dass die Änderungen zu einigen negativen Reaktionen geführt haben. «Natürlich ist bedauerlich, dass nicht alle Badegäste von den neuen Öffnungszeiten Kenntnis hatten und deshalb vor verschlossenen Türen standen», hält Stadtschreiber Yvonne Brescianini fest.

Immerhin: In Bezug auf das Frühschwimmen sei ein positives Echo zu verzeichnen. «Die Möglichkeit wurde grundsätzlich gut aufgenommen.» Da das Angebot erst seit kurzem bestehe, seien allerdings noch keine regelmässigen Frühschwimmer zu verzeichnen. Im Schnitt hätten rund fünf Personen gezählt werden können. Anders gesagt: Alles in allem seien die Frühschwimmer begeistert, die 9-Uhr-Badegäste enttäuscht. «Die Eingewöhnungszeit dauert noch an.»

Beim Personal habe sich der Betrieb bereits gut eingespielt, fährt Yvonne Brescianini fort. «Bei den Badmeistern gab es keine Probleme, an der Kasse waren Umstellungen notwendig.» Mit der Verkürzung der Öffnungszeiten um eine Stunde könne dem Arbeitsrecht entsprochen werden. «Die Einsatzzeiten und gesetzlich vorgeschriebenen Ruhepausen lassen sich dadurch mit einem Personalbestand von vier Badmeistern bewältigen», so Yvonne Brescianini. Denn sobald das Bad öffentlich zugänglich sei, bestehe eine Aufsichtspflicht, daneben seien die Technik zu warten und die Anlagen zu reinigen.

Für die neuen Öffnungszeiten ist eine Probezeit von einem Jahr vorgesehen. «Dann wird die Situation analysiert und ausgewertet», sagt Yvonne Brescianini.