Nach zwölf Jahren schliessen Isabella Tiesnes (50) und Ruth Müller (59) ihr Baby- und Kinderkleidergeschäft an der Hauptstrasse 64 in Brugg. Noch bis Ende Juni ist der Laden «manuElle» geöffnet, «mehr oder weniger», sagt Isabella Tiesnes.
Die beiden Frauen lernten sich über das Nähen kennen. Und zwar an einer Schweizer Meisterschaft, als Isabella Tiesnes Schweizer Meisterin wurde und Ruth Müller auf dem dritten Platz landete. Tiesnes erlangte später gar noch den Vize-Europameistertitel.

Die Frauen entschlossen, sich zusammenzutun und verkauften daraufhin ihre selbstgenähten Kleidungsstücke am Hofstattmarkt in Brugg. Dann wurden sie auf das Lokal in der unteren Altstadt aufmerksam und konnten dieses letztlich zu einem fairen Preis mieten.

Öffnungszeiten ein Problem

«Der Laden war für uns immer ein Hobby» betont Ruth Müller. «Wir mussten nicht davon leben, darum hat es auch gut geklappt.» Das Geschäft sei eine tolle Gelegenheit gewesen, ein Traum, der für beide in Erfüllung gegangen sei. Die zwölf Jahre seien wie im Flug vorbeigezogen, sagen die beiden. «Es war eine bewegte Zeit, wir haben viel erlebt», sagt Ruth Müller. «Das Schönste war für uns immer, wenn wir Kinder in unseren Kleidern herumrennen sahen.» Die Kinder seien manchmal auch in den Laden gekommen und hätten erzählt, dass sie jetzt mit den Kleidern aus «manuElle» in die Ferien gehen. Das sind schöne Anekdoten und Erinnerungen, die Isabella Tiesnes und Ruth Müller erzählen können.

Lange Zeit war eine dritte Frau, eine Schmuckherstellerin, bei «manuElle» mit an Bord. «So konnten wir uns gut auf die Öffnungszeiten aufteilen», sagt Isabella Tiesnes. Seit diese dritte Person aber weggefallen ist, ist es für Tiesnes und Müller schwerer, die offiziellen Öffnungszeiten einzuhalten; auch, weil beide wieder in ihrem ursprünglichen Beruf arbeiten. Tiesnes in der Buchhaltung und Müller als Kindergärtnerin.

Jahrelang hätten sie eine dritte Person gesucht, seien aber nicht fündig geworden. «Weil wir unregelmässig geöffnet haben, verkaufen wir auch weniger, weil die Kunden manchmal anrennen», ist sich Müller bewusst. Aus diesem Grund schliessen die beiden nun das Geschäft. Es sei ein Vernunftsentscheid. Das Label «manuElle» aber bleibt.

Neustart für die Altstadt

In den zwölf Jahren haben die beiden Frauen auch einiges beobachtet, was in der Altstadt nicht gut läuft. «Sie muss mit ihrer schönen Fassade hinhalten», sagt Ruth Müller. «Aber sonst interessiert sich niemand für sie.» Isabella Tiesnes sagt gar: «Die Altstadt ist tot.» Am Samstag habe es kaum Leben, niemand komme vom Neumarkt noch in die Altstadt. Und: «Es gibt weder für Kinder etwas Interessantes in der Altstadt, noch gibt es Sitzgelegenheiten», meint Tiesnes. «Zudem darf man ab 19 Uhr mit dem Auto nicht mehr hineinfahren.»

Ein Problem seien auch die hohen Mietpreise, sind sich die zwei Frauen einig. Sie selber hätten Glück gehabt. Müller gibt zudem zu bedenken, dass viele Ladenflächen in der Altstadt zu klein seien, um diese rentabel zu betreiben. «Es braucht in der Brugger Altstadt einen Neustart», findet sie. «Auch die Vermieter müssen aufwachen.»