Kommt beispielsweise im Kantonsspital Aarau oder Baden ein Baby auf die Welt, ist es möglich, dass es in Kleider gehüllt wird, die in Windisch ihren Ursprung haben. Genauer in der Firma Swisscaretex auf dem Kunzareal in Unterwindisch.

Swisscaretex ist ein Ein-Frau-Unternehmen. 2008 gründete Ruth Stutz die Firma und stellte ihre Idee, Babykleider aus einheimischer Produktion herzustellen, den Verantwortlichen des Technoparks Aargau vor. Diesen gefiel die Idee, Swisscaretex wurde akkreditiert als Technopark-Firma. Dort, wo draussen in grossen Lettern Elektrowerkstatt an der Hauswand prangt, entstehen die Ideen für in der Schweiz hergestellte Babybekleidung.

Ruth Stutz hat sich darauf spezialisiert, Babybekleidung für Spitäler herzustellen. Ihr Credo: Der Stoff und die Kleidung müssen in der Schweiz hergestellt sein. «Beim Stoff gelingt das zu etwa 80 Prozent. Der Rest stammt aus dem EU-Raum. Die Kleider werden im Tessin genäht.»

Grund für ihre konsequente Haltung: «In einem meiner früheren Jobs reiste ich unter anderem nach Fernost und sah dort, mit welchen Materialien die Stoffe versehen werden, und unter welchen Bedingungen gearbeitet wird.» Zudem ärgert es die ausgebildete Schneiderin, dass die Konsumenten nur auf den Preis achten und nicht auf einheimische Produktion setzen. «Die Raffgier hat die Textilbranche kaputtgemacht», sagt Ruth Stutz.

Kurze Wege, kein Ärger

Indem sie auf einheimische Produktion setzt, kann sie vielleicht nicht ganz so viel verdienen wie andere. «Dafür fallen all die Zollgebühren und auch die Reisen weg», sagt sie. «Ich verdiene vielleicht weniger, dafür habe ich keinen Ärger.» Sollte einmal ein Problem auftauchen, so sei sie in dreieinhalb Stunden im Tessin, wo die Babykleider bei Dresdensia SA hergestellt werden.

Die Produktionsfirma besuche sie etwa alle drei Monate. Viele der Näherinnen sind zwar italienische Grenzgängerinnen, «sie werden aber gemäss Kollektivarbeitsvertrag der Textilbranche fair entlöhnt und bezahlen Steuern und Sozialleistungen in der Schweiz», sagt Ruth Stutz.

Die Ideen und Schnittmuster für die Babykleider entstehen in Unterwindisch. Dabei muss Ruth Stutz kreativ sein. Denn die Kleider müssen den Bedürfnissen des Pflegepersonals angepasst werden. Ruth Stutz präsentiert einen Body, der seitlich ganz zu öffnen ist, damit das Pflegepersonal einfach Zugang zu Infusionen oder Schläuchen hat.

Zu ihren Produkten gehört auch eine Art Schlafsack, der nur mit einem Druckknopf geschlossen werden kann. «So kann das Pflegepersonal das Baby rasch einwickeln und kurz zur Mutter bringen», erklärt Ruth Stutz. Sie erhielt auch den Auftrag, Kleidungsstücke zu fertigen, die kein Metall enthalten. Diese werden gebraucht, wenn eine MRI-Untersuchung an einem Baby durchgeführt werden muss.

Um diesen Ansprüchen gerecht zu werden, sitzt Ruth Stutz regelmässig mit Pflegefachpersonen zusammen. Diese schildern das Problem und Ruth Stutz skizziert noch am Sitzungstisch die ersten Entwürfe. Was sie besonders freut: «Ich stelle fest, dass jüngere Einkäufer vermehrt wert auf einheimische Produktion legen. Das ist eine gute Entwicklung.»

Freude und Energie sind da

2008 hatte Ruth Stutz noch keinen einzigen Kunden. Mit grosser Anstrengung musste sie sich ihr Netzwerk selber aufbauen. Heute beliefert sie ca. 30 Spitäler in der Schweiz und ist noch mit gleich viel Herzblut dabei wie damals vor elf Jahren. Es befriedigt sie, dass sie mit ihren Kreationen die Arbeit des Pflegepersonals erleichtern kann. «Die Freude und Energie ist mir über all die Jahre geblieben», sagt Ruth Stutz. Das sei wichtig, denn: «Alle kreativen Berufe muss man mit Freude ausüben, sonst ist man nicht kreativ.»

Den Standort im Kunzareal schätzt Ruth Stutz bis heute. Dass verschiedene Start-ups unter einem Dach tätig sind, sei förderlich. «Wir treffen uns gerne zur Kaffeepause und tauschen uns aus», erzählt Ruth Stutz. Hin und wieder schildert sie ein Problem und jemand aus einem völlig anderen Bereich bringe sie dann auf die Idee, wie man es lösen könnte. Ruth Stutz lacht und sagt: «Manchmal ist man halt betriebsblind.» Hat sie ein Computerproblem, dann kann ihr meistens auch jemand helfen. «Dafür revanchiere ich mich mit kleinen Näharbeiten», sagt Ruth Stutz.