Die Polizei habe es auf ihn abgesehen gehabt, sei auf ihn fixiert gewesen, habe ihn ganz bewusst herausgepickt, sagte Mario (Name geändert) vor Bezirksgericht Brugg. Zur Last gelegt wurde ihm eine qualifizierte Verletzung der Verkehrsregeln durch ungenügenden Abstand beim Hintereinanderfahren.

An einem Samstagabend im Mai des letzten Jahres war Mario auf der A3 unterwegs nach Zürich. In seinem Auto sassen seine langjährige Partnerin sowie die Kinder, hinter ihm folgte sein Schwager, vorne fuhr ein Kastenwagen. Zu diesem hat Mario laut Anklageschrift den Mindestabstand massiv unterschritten: Auf der Höhe Schinznach-Bad waren es nur gerade 6 bis 12 Meter – über eine Distanz von etwa einem halben Kilometer und bei einer Geschwindigkeit zwischen 95 und 110 Stundenkilometern.

Der Beschuldigte habe, heisst es in der Anklageschrift weiter, andere Verkehrsteilnehmer ernstlich gefährdet. Gefilmt – und dann angehalten – wurde er von einer Polizeipatrouille.

Zeitdruck hatte er nicht

Der aufgestellte 44-Jährige mit sportlichem Kurzhaarschnitt trug an der gestrigen Gerichtsverhandlung ein modisches hellblaues Hemd und braunorange Hosen. Seine nackten Füsse steckten in blauen Mokassins. Er hat ein schönes Nettoeinkommen, als Hobbys nannte er Familie und Fussball. Zeitdruck habe er nicht gehabt an jenem Abend, antwortete er auf die Frage von Gerichtspräsidentin Chantale Imobersteg. Er sei ganz normal gefahren und habe einen ausreichenden Abstand eingehalten zum Auto vor ihm – so, dass er hätte bremsen können.

Ein ganz unbeschriebenes Blatt ist der gebürtige Italiener allerdings nicht. Vor einigen Jahren wurde er mit rund 0,8 Promille Alkohol im Blut am Steuer erwischt. Einzelrichterin Imobersteg erwähnte zudem mehrere administrative Massnahmen. Er sei früher viel mit Sportwagen unterwegs gewesen, räumte Mario ein. Jetzt aber gebe er sich Mühe, fahre ein Auto mit Dieselmotor.

Für Gericht ist der Fall klar

Marios Verteidiger drehte den Spiess gleich zu Beginn der Verhandlung um. Er forderte, die polizeilichen Videoaufnahmen seien aus den Akten zu entfernen, es handle sich um rechtswidrige Beweismittel. Weiter verwies er auf die strafbaren Handlungen und Gesetzesverstösse der Polizeipatrouille, auf deren massive Geschwindigkeitsübertretung, als sie zu seinem Mandanten aufschloss. Der Verteidiger hob hervor, dass Mario stets einen ausreichenden Abstand eingehalten habe zum vorderen Fahrzeug, dass ihm kein strafbarer Vorwurf gemacht werden kann und er freizusprechen sei.

Für das Bezirksgericht Brugg gab es indes nichts zu rütteln: Mario wurde schuldig gesprochen und verurteilt zu einer bedingten Geldstrafe von 30 Tagessätzen zu je 180 Franken sowie zu einer Busse von 1350 Franken. Für das Gericht waren die polizeilichen Videoaufnahmen als Beweismittel verwertbar. Gemäss Gerichtspräsidentin Imobersteg ist auf den Aufzeichnungen gut zu erkennen, dass der Beschuldigte zu nahe zum vorderen Auto aufschloss. Auch wenn er heute keine Sportwagen mehr fahre, verfügte sein Auto über viel Kraft, stellte Chantale Imobersteg zum Schluss fest. Sie riet dem Beschuldigten, sich Gedanken zu machen über seine Fahrweise, um künftig nicht andere Verkehrsteilnehmer zu gefährden.

Mario und sein Verteidiger liessen beim Verlassen des Gerichtssaals durchblicken, dass sie das Urteil weiterziehen werden.