Bezirk Brugg

Auswirkung der Pandemie? Occasionen waren 2020 auf Überholspur

Der Neuwagenmarkt erlebte laut dem Kommunikationschef der Amag im letzten Jahr einen Einbruch.

Der Neuwagenmarkt erlebte laut dem Kommunikationschef der Amag im letzten Jahr einen Einbruch.

Wie hat sich der Fahrzeugbestand im Bezirk Brugg während der Pandemie verändert? Ein Motorrad- und ein Automobilhändler antworten.

Autos, Kleinbusse, Motorräder: 43 000 Fahrzeuge und Anhänger waren letztes Jahr im Bezirk Brugg registriert. 2 Prozent mehr als noch 2019, wie die aktuelle Motorfahrzeugstatistik des Kantons Aargau zeigt. Nicht alle Fahrzeugtypen waren aber gleich gefragt.

Obwohl in der Region die Anzahl Autos im Total um 417 auf 30 140 stieg, ging der Motorisierungsgrad – das heisst die Anzahl Personenwagen pro 1000 Einwohnerinnen und Einwohner – kaum merklich um 0,2 auf 581,7 zurück. Aktuell weist Mönthal den höchsten (763,8) und Windisch (453,7) den kleinsten Motorisierungsgrad auf.

In 8 von 10 Fällen handelte es sich bei den zwischen Oktober 2019 und September 2020 im Aargau neu zugelassenen Autos um Occasionsfahrzeuge. Neue Wagen wurden weniger gekauft als letztes Jahr, wie Dino Graf, Leiter Kommunikation beim Automobilhändler Amag, bestätigt: «Grundsätzlich ist der Neuwagenmarkt wegen Corona um rund 24 Prozent eingebrochen.» Dafür sei das Interesse an Occasionen und neuen Angeboten wie Auto-Abo-Modellen gestiegen.

Motorrad-Boom wegen neuen Vorschriften

Ebenfalls weniger gefragt, waren 2020 Gesellschaftswagen und Kleinbusse. Der Bestand verringerte sich im Bezirk Brugg von 66 auf 59. Klare Gründe kann Graf für die geringere Nachfrage nach Kleinbussen nicht nennen, zu verschwommen sei deren Definition. «Ein Kleinbus mit Sitzplätzen und ein Freizeitmobil mit Sitzplätzen sind grundsätzlich die gleichen Basismodelle. Sie werden in der Zulassung aber anders ausgewiesen.» So sei es möglich, dass die Nachfrage nach Kleinbussen gesunken, das Interesse an Freizeitmobilen des gleichen Modells aber gewachsen sei.

Im Gegensatz zur Anzahl Neuwagen im Kanton wuchs die der Motorräder und der Nutzfahrzeuge im letzten Jahr prozentual am meisten von allen Fahrzeugen.

Auch in der Region Brugg waren diese beiden Fahrzeugtypen beliebt: Zirka 4,1 Prozent mehr Nutzfahrzeuge (neu insgesamt 3415) sowie 4,4 Prozent mehr Töffs (neu insgesamt 4463) gab es im Bezirk. Gemäss Marcel Urech, Inhaber eines Windischer Motorradgeschäfts, erhöhte sich die Nachfrage in seinem Laden um geschätzte 10 bis 15 Prozent. Der Anstieg sei für ihn vor allem auf die Revision der Führerausweisvorschriften zurückzuführen, die ab diesem Januar Gültigkeit haben.

Schon mit 16 Jahren die 125er-Klasse fahren

Die Revision soll laut der Website des Departements Volkswirtschaft und Inneres die Schweizer Motorradkategorien, mit denen der EU harmonisieren. Demnach muss wer «ab 1. Januar 2021 Motorräder der Kategorie A (unbeschränkt) fahren will, künftig zuerst mindestens zwei Jahre ein auf 35 kW beschränktes Motorrad der Kategorie A fahren. Der Aufstieg in die unbeschränkte Kategorie A bedingt eine zusätzliche praktische Führerprüfung». Jedoch können Personen, die bis Ende 2020 den Lernfahrausweis beantragt und die Voraussetzungen für die Erteilung erfüllt haben, gemäss Departement innerhalb der Gültigkeit des Lernfahrausweises die praktische Führerprüfung noch nach dem alten System absolvieren.

Deshalb rechnet Marcel Urech auch noch anfangs 2021 mit einer grossen Nachfrage nach Motorrädern. Ebenso werde es in der 125er-Klasse mehr Käufe geben, da die Revision die Führung dieser Töffs schon ab 16 Jahren erlaubt. Daneben sieht Urech noch einen weiteren Faktor, der den Bedarf nach den Maschinen 2020 förderte: «Vereinzelt gab es Käufe im Bereich Roller wegen Corona, da die Personen nicht mehr mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zur Arbeit fahren wollten.»

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