Manson/Birr
Auswanderer pflanzten 200 Apfelbäume – eine Schlange und Hirsche sorgten für Aufregung

Nach anfänglichen Schwierigkeiten haben sich die Auswanderer Mary und Bernhard Bider in ihrer neuen Heimat in den USA eingelebt – und mit wilden Tieren Bekanntschaft gemacht

Janine Müller
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Vor etwas mehr als einem Jahr entstand dieses Bild von Bernhard und Mary Bider damals noch in ihrem Garten (mit Apfelbäumen) in Birr. jam

Vor etwas mehr als einem Jahr entstand dieses Bild von Bernhard und Mary Bider damals noch in ihrem Garten (mit Apfelbäumen) in Birr. jam

Janine Müller

Sie haben alles hinter sich gelassen: Haus, Familie, Arbeit, Heimat. Für ihren Traum, Apfel-Brandy zu produzieren, haben Mary (57) und Bernhard Bider (54) die Schweiz Richtung USA, der Heimat von Mary, verlassen. Ihr Haus in Birr haben sie vermietet und ein neues in Manson (USA) gekauft.

Vor knapp einem Jahr begann das Abenteuer Auswandern für das Ehepaar. «Meine Heimat ist hier», sagte damals Mary Bider noch im eigenen Garten in Birr. Sie hatte Mühe damit, die Schweiz zu verlassen. Doch Abschiede war sie sich schon gewohnt.

Der Traum vom Auswandern Das Haus der Familie Bider in Manson.
13 Bilder
Der Traum vom Auswandern Dieses Bild entstand Ende Juli 2015, kurz bevor Mary noch vor ihrem Mann in die USA reiste.
Der Traum vom Auswandern Das Haus der Familie Bider in Manson.
Der Traum vom Auswandern Unberührte, wilde Natur - danach sehnten sich die Biders.
Der Traum vom Auswandern Mary und Bernhard Bider wohnen in Manson am rund 80 Kilometer langen Lake Chelan.
Der Traum vom Auswandern Unberührte, wilde Natur - danach sehnten sich die Biders.
Der Traum vom Auswandern Unberührte, wilde Natur - danach sehnten sich die Biders.
Der Traum vom Auswandern Das 1500-Seelen-Dorf Manson liegt am Lake Chelan im Bundesstaat Washington.
Der Traum vom Auswandern 200 Apfelbäume gedeihen auf dem Land der Familie Bider in Manson (Washington State/USA)
Der Traum vom Auswandern 200 Apfelbäume gedeihen auf dem Land der Familie Bider in Manson (Washington State/USA)
Der Traum vom Auswandern 200 Apfelbäume gedeihen auf dem Land der Familie Bider in Manson (Washington State/USA)
Der Traum vom Auswandern 200 Apfelbäume gedeihen auf dem Land der Familie Bider in Manson (Washington State/USA)
Das Endprodukt Dereinst wollen Mary und Bernhard Bider selber produzierten Apfel-Brandy verkaufen. Die Etikette hat die jüngste Tochter Luisa designed.

Der Traum vom Auswandern Das Haus der Familie Bider in Manson.

ZVG

Sie wuchs im Bundesstaat Pennsylvania auf, in Kalifornien lernte sie Ende der 1980er-Jahre Bernhard kennen. 1990 reiste sie, nach der Geburt der ersten Tochter, mit ihm in die Schweiz. In der neuen Heimat folgten die Geburten des Sohns und der jüngsten Tochter. Als diese vier Jahre alt wurde, zog es die Familie zurück in die USA. In dieser Zeit beantragte Bernhard erfolgreich den amerikanischen Pass. Damit ihre Kinder Schweizer Schulbildung geniessen können, zog die Familie nach fünf Jahren wieder zurück in die Schweiz.

Zuerst Spanien, dann die USA

Vor einem Jahr packten Mary und Bernhard erneut ihre Sachen zusammen. Die Kinder sind mittlerweile erwachsen, leben ihr eigenes Leben. Zeit für Mary und Bernhard, ihren Traum zu verwirklichen: aus eigenen Äpfeln Brandy zu produzieren. In Manson, einem 1500-Seelen-Dorf im Bundesstaat Washington State, abgelegen am langgezogenen Lake Chelan, kauften sie sich ein Haus, pflanzten 200 Apfelbäume. Bevor aber Mary vor ihrem Mann in ihr neues Zuhause zog, absolvierte sie in Spanien einen Spanischkurs. «Spanisch ist in Amerika wichtig geworden», sagte sie.

Beide haben einen Job

Heute unterrichtet Mary eine vierte Klasse. Zuvor war sie als Stellvertreterin an der Schule tätig. «Das war nicht so gut bezahlt, aber immerhin inklusive Krankenkasse und Zahnarzt», schreibt Mary Bider per E-Mail. Sie ist froh, dass es jetzt mit einer Festanstellung geklappt hat. Ihr Mann Bernhard hatte am Anfang temporär in einem Apfel-Verarbeitungs-Betrieb, bei Cloud-Server-Installationen sowie als Unterhaltsarbeiter – unter anderem als Maler – in einem Resort gearbeitet. Das Fazit: «Ich habe dabei viel gelernt.» Danach hatte er eine Stelle bei einer internationalen Firma im Bereich Elektrotechnik gefunden, wo er noch heute arbeitet.

Der Alltag ist also eingekehrt im Hause Bider. Das war nicht von Beginn weg so. «Am Anfang war es für mich ziemlich schwierig», gibt Mary Bider zu. «Bernhard war noch in der Schweiz und das Leben war viel zu ruhig.» Das Wetter sei neblig und kalt gewesen, es lag viel Schnee. «Ich habe alles vermisst: die Familie, das Zuhause, die Arbeitsstelle.»

Zum Glück kannte Mary schon einige Frauen aus dem Dorf. Dank der Arbeit machte sie Bekanntschaft mit anderen Einheimischen. Und kurz vor Weihnachten kam auch Bernhard in den USA an. Bald hielt der Frühling und mit ihm bessere Stimmung Einzug. Bernhard lernte einen Schweizer aus dem Kanton Waadt und dessen Frau kennen. Ein gemeinsames Raclette-Essen liess das Heimweh nach der Schweiz vergessen.

Hirsche fressen Apfelbäume

Doch noch im Winter gab es ziemlich viel Action. «Es lag viel Schnee und die Bergpässe nach Seattle waren manchmal gefährlich oder gar geschlossen», erzählt Mary in einem Deutsch, das mit vielen englischen Begriffen durchzogen ist. Auch mit der Apfel-Plantage hatte das Ehepaar zu tun. «Die Hirsche fanden unsere jungen Bäume lecker», schreibt Mary. Sie hätten versucht, diese wegzujagen. Später habe man ihnen gesagt, dass sie eine Mischung aus faulen Eiern und Knoblauch an die Bäume spritzen sollen. Tatsächlich: «Die Hirsche hassten den Geruch und liessen dann unsere Plantage in Ruhe.»

Nicht nur die Hirsche machten Biders das Leben schwer. «Einmal hat Bernhard eine Klapperschlange in der Garage gefunden», sagt Mary. «Wir haben die Schlange mit dem Besen herausgewischt.» Im Nachhinein kann sie sagen: «Wir hatten nicht einmal so viel Angst, wie wir immer gedacht haben. Die Schlange hatte eigentlich viel mehr Angst vor uns als wir vor ihr.»

Kontakt dank Skype

Eine Herausforderung für das Ehepaar ist die Kontaktpflege zu seinen Kindern. Mit Whatsapp und Skype tauschen sie sich aus. Der Sohn wohnt mittlerweile in Portland im Bundesstaat Oregon und arbeitet dort im Büro einer Metallfabrik. «Wir besuchen uns alle paar Monate», sagt Mary. Die beiden Töchter sind ebenfalls auf Besuch gekommen. Und im Sommer haben Mary und Bernhard Ferien in der Schweiz gemacht. «Das haben wir sehr genossen», schwärmt Mary. «Best of both worlds (das Beste aus beiden Welten)!»

Zurück zu den Apfelbäumen: Die wachsen zwar anständig und sind gesund. Aber bis sie Früchte tragen, vergeht noch etwas Zeit. Bernhard Bider tüftelt zurzeit noch ein automatisches Bewässerungssystem aus. Denn die Sommer in Manson sind heiss und trocken. Im letzten Sommer wüteten Waldbrände in der Region. Die Apfelplantage blieb glücklicherweise verschont. «Bernhard ist zudem noch auf der Suche nach seinem Traum-Traktor», verrät Mary. Mit der Brandy-Produktion kann es dann in gut zwei Jahren losgehen.