Manson/Birr

Auswanderer in US-Dorf träumen weiter vom eigenen Apfel-Brandy

Vor drei Jahren sind Mary und Bernhard Bider in die USA in ein kleines Dorf ausgewandert und haben dort Apfelbäume angepflanzt – ihr Heimweh hat sich mittlerweile gelegt.

Der Anfang war schwer in der neuen alten Heimat der Amerikanerin Mary. Sie und ihr Mann Bernhard Bider sind im Sommer 2015 ausgewandert. Von Birr im Eigenamt sind die Eltern von drei erwachsenen Kindern nach Manson USA gezogen. Ein kleines Dorf mit 1500 Einwohnern in Washington State, abgelegen am langgezogenen Lake Chelan. Hier haben sie 200 Apfelbäume angepflanzt, um aus den Früchten später Brandy herzustellen.

Schwierig war der Anfang für Mary (59) darum, weil sie zuerst alleine in Manson lebte. Ihr Mann Bernhard (56) blieb jobbedingt noch in der Schweiz, reiste später nach. Das Wetter war kalt und neblig und das Leben war viel zu ruhig für Marys Geschmack. «Ich habe alles vermisst: die Familie, das Zuhause, die Arbeitsstelle», sagte sie damals gegenüber der AZ. Auch darum sind Mary und Bernhard Bider jedes Jahr in der Schweiz. Unter anderem, um ihre beiden Töchter in Zürich zu besuchen. Diese wiederum verbringen gerne Zeit bei ihren Eltern in Manson, «wo sie joggen können, ohne von Ampeln aufgehalten zu werden», wie Mary sagt. Der Sohn lebt in Portland, Oregon.

Brandrisiko niedrig halten

Das Heimweh von Mary hat sich inzwischen gelegt und auch die Apfelbäume sind kräftig gewachsen. Für den Apfel-Brandy reicht die Menge allerdings noch nicht. Die Pläne für eine Destillerie sind gezeichnet, bald soll es an die Umsetzung gehen. Bernhard hat zudem ein automatisches Bewässerungssystem installiert. Weil aber Hund Leny einen Teil zerkaut hat, musste dieses bereits wieder repariert werden. Das Wasser stammt aus dem Lake Chelan, das Trinkwasser im Haus wird von einer eigenen Quelle gespeist.

Die Äpfel werden Biders dieses Jahr auf dem lokalen Bauernmarkt verkaufen, obwohl die Preise am Boden sind. «Viele Bauern haben sich entschieden, ihre Apfelplantage aufzugeben oder anders zu nutzen», sagt Mary. Beispielsweise mit Honigbienen. Das Problem sei die Konkurrenz aus Neuseeland oder Südafrika. «Die Produktion der roten, köstlichen Äpfel kostet mehr, als der Verkauf wieder einbringt. Darum lassen viele Bauern die Äpfel auf dem Boden liegen.»

Ein Gärtner kümmert sich um die Plantage von Biders. Er mäht, jätet und pflegt die Bäume. Wenn Bernhard zu Hause ist, kümmert auch er sich darum. Aufgrund seines Jobs ist er häufig weg und Mary ist als Lehrerin an der Manson Elementary School eingespannt.

Während in den ersten Jahren Wildtiere die Apfelbäume anknabberten, ist es nun die Maulwurfpopulation, die Biders Sorgen bereitet. Denn diese fressen die Wurzeln der Bäume. Eine Gefahr sind im Sommer jeweils die Brände. Um das Risiko tief zu halten, schneiden Biders das Gras kurz und entfernen verdorrte Büsche von ihrem Grundstück. Dennoch kam es auch letztes Jahr zu schlimmen Feuern. Die Touristen blieben aus, eine schwierige Situation für das lokale Gewerbe. Die Luft war derart rauchgeschwängert, dass die Schulkinder zu Hause bleiben mussten.

Bären und Pumas in der Nähe

Ein Thema sind immer wieder die Wildtiere. Dank ihrer Berner Sennenhündin Leny wagen sich aber weder Hirschen noch Koyoten in die Nähe der Plantage. In der Umgebung leben zudem Bären und Pumas, «die haben sich aber bis anhin nicht auf unser Grundstück gewagt», sagt Mary. Ganz im Gegensatz zu den Schlangen, die sich auch schon in der Garage versteckt haben.

Nebst all der Arbeit, die Biders mit ihrer Plantage haben, finden sie dennoch Zeit für sich. Mary geht täglich mit Leny spazieren, zudem liest sie viel, engagiert sich in einem Buchklub. Aktiv ist sie in der lokalen Audubon Society, einer US-amerikanischen Non-Profit-Umweltorganisation. Ein Hobby von Mary ist weiter das Beobachten von Vögeln. Im Sommer geht sie gerne im Lake Chelan schwimmen. In seiner raren Freizeit kümmert sich Bernhard um die Plantage und das Grundstück. Gemeinsam reisen sie herum und entdecken die umliegenden Dörfer, Seen und Flüsse.

Seit Biders in den USA leben, hat sich in diesem Land politisch so einiges verändert. «Wir haben Trump weder gewählt, noch können wir etwas mit seinen Statements oder seiner Meinung anfangen», sagt Mary. In der Region rund um den Lake Chelan gebe es viele Mexikaner – legale und illegale –, die auf den unzähligen Plantagen und über 35 Weingütern arbeiten. «Sie sind von der lokalen Bevölkerung akzeptiert und werden von den Bauern als Arbeitskräfte benötigt.»

Die Arbeit wird auch für Mary und Bernhard Bider künftig nicht weniger. Nebst der Destillerie wollen sie ein grösseres Haus auf ihrem Grundstück bauen. Von diesem aus werden sie ihre Apfelplantage überblicken können – und vielleicht schon bald auf der Veranda mit eigenem Apfel-Brandy anstossen können.

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