«Was, Sie schliessen die Brockenstube?», fragt eine elegant gekleidete Dame im zweiten Stock des ehemaligen Warenhauses Rössli in der Brugger Altstadt. «Ja, wir schreiben seit längerer Zeit rote Zahlen und müssen deshalb die Brocki am 7. März endgültig aufgeben», antwortet Eva Stanek, seit Oktober Leiterin dieser sozialen Institution des Gemeinnützigen Frauenvereins (SGF) Brugg und Bezirk, zum grossen Erstaunen der älteren Kundin. Es gibt in diesen Tagen viele, die so reagieren und enttäuscht sind, dass sich für diese Fundgrube kein neuer Standort finden liess.

Am Montag habe sich die Gemeinde Villnachern spontan gemeldet, weil sie für eine neu zugezogene, anerkannte Flüchtlingsfamilie den kompletten Hausrat auftreiben musste, so Stanek. Kurzerhand hat sie ausserhalb der normalen Öffnungszeiten die Brockenstube aufgemacht. «Die Familie hat bei uns geeignete Ware im Wert von rund 600 Franken gefunden. Beim Preis sind wir ihnen dann entgegengekommen. Am Schluss bezahlte die Gemeinde dafür noch 470 Franken», betont die Brocki-Leiterin. «Dieses Angebot haben wir natürlich gerne angenommen», sagt Gemeindeschreiber Benjamin Plüss aus Villnachern dazu.

Vier Jahre Alternative gesucht

Mit solchen unkomplizierten Unterstützungsmassnahmen ist bald Schluss. Vier Jahre lang suchte der SGF vergebens nach einem besser geeigneten und preisgünstigeres Lokal für die Brockenstube. «Bis Ende März werden wir die Etage verlassen haben», sagt Eva Stanek. Der Ausverkauf hat teilweise bereits begonnen. Jeweils am Mittwochnachmittag und am letzten Samstag im Monat steht die Brockenstube an der Hauptstrasse 19 offen.

Ab März wird alles zum halben Preis verkauft, was nicht niet- und nagelfest ist. Konkret können die Kunden noch viermal im «Rössli» auf Schnäppchen-Jagd gehen, und zwar zweimal am Mittwoch, 25. Februar und 4. März, sowie an den beiden Samstagen, 28. Februar und 7. März. «Am letzten Tag lädt der Frauenverein ab 15 Uhr alle Kunden und Verkäuferinnen zu einem Apéro ein», so Stanek weiter. Sie ist zuversichtlich, dass der grösste Teil der Ware noch verkauft werden kann. Was übrig bleibt, werde der SGF anderen Frauenvereinen im Aargau anbieten.

Genossenschaft vermittelt

Die grosse Liegenschaft an der Hauptstrasse 19 steht seit längerer Zeit zum Verkauf. «Das ‹Rössli› ist noch nicht in neuen Händen», sagt Daniel Schmid von der Visita Treuhand AG in Lenzburg, der das Mandat der Eigentümerin betreut. Diese beabsichtigte, ein neues Raumkonzept und eine Wiedervermietung der freien Flächen im Gebäude anzustreben, sollte nicht in nächster Zeit eine Handänderung erfolgen.

Ist die Genossenschaft Altstadt Brugg allenfalls interessiert, das Haus zu kaufen? Präsident Max Kuhn winkt ab: «Das können wir uns auf keinen Fall leisten.» Die Genossenschaft wirke aber gerne mit, wenn es darum geht, eine nachhaltige Lösung zur Belebung der Brugger Altstadt zu finden, so Kuhn, ohne in die Details zu gehen.