Bezirk Brugg

Austritte, Trauungen, Gemeindeleben: So geht es den Kirchgemeinden in der Region

Idyllisch: Die Kirche in Bözberg ist beliebt bei Hochzeitspaaren. Einige Paare entdeckten sie beim Wandern.

Idyllisch: Die Kirche in Bözberg ist beliebt bei Hochzeitspaaren. Einige Paare entdeckten sie beim Wandern.

Im Kanton Aargau haben sich in den letzten Jahren überdurchschnittlich viele Menschen von der Kirche abgewandt. Wie geht es den katholischen und reformierten Kirchgemeinden im Bezirk Brugg? Die «Aargauer Zeitung» hat nachgefragt.

Überdurchschnittlich viele Menschen hätten sich im letzten Jahr im Aargau für den Austritt aus der Kirche entschieden, vermeldete kürzlich die Nachrichtenagentur SDA. Ein Blick in die Statistiken der Kirchgemeinden im Bezirk Brugg zeigt: Auch hier gibt es immer wieder Austritte, die Mitgliederzahlen bleiben aber in den meisten Gemeinden einigermassen stabil*.

Die katholische Kirche (gesamter Pastoralraum) verzeichnete zwischen 2013 und 2015 steigende Mitgliederzahlen, per Ende 2016 sind diese allerdings wieder zurückgegangen (–354). Die reformierten Kirchgemeinden Thalheim und Birr (Birr, Birrhard, Brunegg, Lupfig, Scherz, Schinznach-Bad) vermelden gar steigende Mitgliederzahlen in den letzten drei Jahren.

Maren Schweitzer von der reformierten Kirchgemeinde Birr sagt: «Unsere Mitglieder stammen aus sechs politischen Gemeinden. Zum Teil wird relativ viel gebaut. Dies könnte einen Einfluss haben.» Zuzüge und Wegzüge seien auch wichtig für die Statistik, nicht nur Austritte, Todesfälle und Eintritte. Zudem versuchten die Verantwortlichen, ein vielfältiges Angebot zusammenzustellen und auf die Bedürfnisse der Menschen einzugehen.

Beliebt ist die reformierte Kirche auch für Trauungen. «Wir haben eine schöne, aber schlichte Kirche in einem wunderschönen Park», sagt Maren Schweitzer. In der Statistik erfasst sind nur die reformierten Trauungen. «Die Kirche wird auch sehr oft gemietet, zum Beispiel von Menschen mit freikirchlichem Hintergrund.» Insgesamt seien es gar fünf bis zehn Trauungen jährlich.

Trotzdem bleibt auch die reformierte Kirchgemeinde Birr vor Austritten nicht verschont. «Austritte sind verständlich, wenn der Bezug fehlt», sagt Maren Schweitzer. «Die Menschen bleiben heutzutage nur dort Mitglied, wo sie einen persönlichen Nutzen sehen.»

Umiken reagiert mit Fragebogen

Ähnlich sieht es auch Karl Vischer, Präsident der Kirchenpflege der reformierten Kirchgemeinde Umiken. «Die Fragen: Wofür ‹lohnt› es sich, Mitglied zu sein? Was kann ich profitieren? Wo ist mein Vorteil? wiederspiegeln die heutige Konsumgesellschaft.» Aus seiner Sicht war und ist die Kirche eine Institution, die erst durch ihre Mitglieder zum Leben erweckt wird.

«Es ist eine Gemeinschaft, die besteht, um die christlichen Werte zu leben und in die Welt zu tragen.» So hätten beispielsweise engagierte Mitglieder der Kirchgemeinde eine Schule in Afrika gegründet und betreiben sie bereits viele Jahre. Vischer gibt zu bedenken: «Die Kirche lebt nur mit aktiven und zahlenden Mitgliedern. Ohne Engagement kommt das kirchliche Leben zum Erliegen und die Bedeutung in der Gesellschaft schwindet.»

Die Kirchgemeinde Umiken hat seit 2012 bis Ende letztes Jahr 166 Mitglieder verloren. «Die Kirche konkurriert mit einer Vielzahl von Veranstaltungen», wagt Vischer einen Erklärungsversuch. «Zudem haben die Landeskirchen ein verstaubtes Image und sind in der heutigen Gesellschaft nicht mehr so stark verwurzelt, wie dies noch früher der Fall war.»

Darauf will die Umiker Kirchenpflege reagieren. «Wir haben eine Bestandesaufnahme des Angebots gemacht. Zudem haben wir mit einem Fragebogen die Kirchgemeindemitglieder nach ihren Wünschen und Verbesserungen befragt», sagt Karl Vischer. «In der Folge werden wir unser Angebot optimieren.»

Die reformierte Kirchgemeinde Brugg konnte ihre Mitgliederzahlen über die letzten Jahre gesehen einigermassen halten. Pfarrer Rolf Zaugg sagt: «Mehr Mühe als die Austritte bereitet uns die Altersstruktur.» Wenn jemand aus der Gemeinde stirbt, dann sei es ein 100-prozentiger Verlust. Denn auf die Zuzüge könne man nicht zählen. Ein Neuzuzüger sei nur mit einer Chance von etwa 25 % reformiert.

Das Gespräch anbieten

Auch bei der reformierten Kirchgemeinde Brugg kommt es vor, dass jemand seinen Austritt bekannt gibt. In einem solchen Fall wird die Person nicht mehr von Pfarrer und Kirchenpflege befragt, was denn die Gründe dafür sind.

«Die betroffene Person erhält einen Standard-Brief, in dem wir darauf hinweisen, dass ein Gespräch möglich ist und dass wir uns für die treue Mitgliedschaft bedanken», sagt Rolf Zaugg. «Falls etwas vorgefallen ist oder wir jemanden verletzt haben, dann möchten wir das gerne wissen.» Erzwingen könne man die Gespräche aber nicht.

Der umgekehrte Fall – also ein Eintritt – gibt es auch. Es seien oft biografische Ereignisse, die zum Neueintritt führen, sagt Zaugg. «Manchmal sind es Leute, die von einer Abdankung oder einer Hochzeit so ergriffen sind, dass sie der Kirche beitreten möchten oder bemerken, dass der damalige Austritt vielleicht etwas kurzsichtig war.» Vor einigen Jahren habe die reformierte Kirchgemeinde Brugg auch noch mehr Übertritte aus der katholischen Kirche zu verzeichnen gehabt.

«Seit dem Amtsantritt von Papst Franziskus hat dies aber abgenommen», sagt Zaugg. Nichtsdestotrotz ist der Pfarrer realistisch. «Wir werden wohl in den nächsten Jahren weiter Mitglieder verlieren.» Das bedeute aber keinesfalls, dass die Kirchgemeinde nicht lebe. «Wir finden immer wieder Leute, die sich gerne engagieren.» Die Kirchgemeinde sei spannend und lebendig. «Eine gefreute Sache», meint der Pfarrer.

Wegzüge fallen ins Gewicht

Die reformierte Kirchgemeinde Bözberg-Mönthal verzeichnet leicht zurückgehende Mitgliederzahlen. Dies hat weniger mit Austritten zu tun. «Der Rückgang ist vielmehr auf Wegzüge zurückzuführen», sagt Pfarrer Thorsten Bunz. Dafür ist die reformierte Kirche in Bözberg besonders beliebt für Trauungen.

«Der Pfarrhof Kirchbözberg und die Kirche sind ein wunderschönes Ensemble», sagt Thorsten Bunz. Das spreche die Menschen an. «Wir haben immer wieder einmal heiratswillige Paare, die zufällig auf einer Wanderung bei uns vorbeigekommen sind und sich dann für die Kirche Bözberg als Ort ihrer Trauung entschieden haben.»

Der schön gelegene Ort einerseits und das Team aus Siegristen, Kirchenpflege und Pfarrehepaar andererseits sei sicher verantwortlich dafür, dass der Ort für Trauungen beliebt ist.

*Bei der Umfrage nicht mitgemacht haben die ref. Kirchgemeinden Auenstein, Bözen, Rein (Villigen, Remigen) sowie Veltheim.

Meistgesehen

Artboard 1