Brugg
Ausstellung Galerie Immaginazione: Kunst aus dem Hexenhäuschen

Ursula Frei verarbeitet Reiseerlebnisse in Ton und präsentiert sie zurzeit in der Galerie Immaginazione

Ursula Burgherr (Text und Foto)
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Keramikerin Ursula Frei mit ihren Figuren «Frank the Pug» und» «Nichtschwimmerin», die an ihre Reisen quer durch die Welt erinnern.

Keramikerin Ursula Frei mit ihren Figuren «Frank the Pug» und» «Nichtschwimmerin», die an ihre Reisen quer durch die Welt erinnern.

Ursula Burgherr

Kontrast ist in der 6. Ausstellung der Galerie Immaginazione angesagt, die sich mit ihren ungezwungenen Kunsthappenings wohltuend von der üblichen Galerie-Atmosphäre abhebt. Claudio Cassano und Regula Zimmerli präsentieren in ihren Räumen Exponate von drei Gastkünstlern, die sich durch Eigenwilligkeit und Verspieltheit auszeichnen.

Neben filigraner Papierkunst von Käthy Borer-Gut aus Frick und Eisenskulpturen von dem in Frankreich lebenden Niederländer Harry Dam stechen die witzigen, oft comic-haften Keramikfiguren von Ursula Frei aus Scherz ins Auge. Die Weltenbummlerin mit der ansteckenden Fröhlichkeit und der wilden roten Mähne hat fast jedes Land der Erde bereist. Statt zu Hause Souvenirs zu horten, verarbeitet sie Erinnerungen an ihre Trips in Ton. Ein absoluter Eyecatcher ist der tönerne Mops «Frank the Pug». Der rundliche Vierbeiner ist nicht etwa ein Fantasie-Produkt. «Weil die Sicherheitsvideos der Fluggesellschaften bei den Passagieren kaum noch Beachtung fanden, bringt die Air New Zealand ihre Bordeinweisungen mit Mops Frank und einer Horde tanzender Men-in- Black-Darsteller unters Volk», erzählt Frei.

Rettung in letzter Minute

Ein weiterer Blickfang ist die dicke Frau mit Schwimmreif und Badekostüm im Fifties-Look. Die gebürtige Bad Ragazerin nennt sie «Nichtschwimmerin» und verbindet mit ihr Erinnerungen an die Insulanerinnen in der Südsee. «Die Menschen dort haben mich durch ihre Fröhlichkeit beeindruckt. Ob dick, dünn, alt oder jung: jeder ist ganz selbstverständlich sich selber. Das hat mir gefallen», sagt die Künstlerin und lässt ihr kehliges Lachen hören. In Scherz bewohnt sie seit 1980 ein Hexenhäuschen mit einem riesigen verwilderten Garten. «Ich hege keine grossen Ansprüche und lebe extrem bescheiden», sagt die Globetrotterin, «alles, was ich habe, investiere ich in meine Reisen.» Egal, auf welches Exponat man sie in der Galerie Immaginazione anspricht: Ursula Frei hat immer eine Geschichte dazu parat. Zum Beispiel vom Pokerspieler, der mit seinen erzockten Millionen in Tasmanien das verrückteste Museum der Welt baute. Oder von einer Rettungsaktion in letzter Minute, als sie und Mann Peter in Chile mit dem Auto in einem See versanken.

Die Leidenschaft für Kunst schreibt sie ihrer Tante, einer Scherenschnittkünstlerin zu: «Jeden Mittwoch ging sie mit mir ins Basler Kunstmuseum. Ich durfte mir ein Bild aussuchen, und sie erzählte mir eine Geschichte dazu.» Später arbeitete sie im Verkauf und Buchhandel, war danach jahrelang als Betreuerin von Drogen- und Alkoholsüchtigen fürs Sozialamt der Stadt Zürich tätig. Seit sie im Ruhestand ist, lebt sie ganz fürs Reisen, die Kunst und ihr Gartenparadies. Und findet, dass man sich seine Träume auch mit kleinem Budget erfüllen kann. «In Neuseeland kriegt man in kleinen Motels für 20 neuseeländische Dollar ein Zimmer mit traumhaftem Meerblick», sagt Frei und strahlt. Ein USA-Trip steht kurz bevor und im November geht es auf Gorilla-Beobachtungstour nach Uganda.

Galerie Immaginazione

Noch bis am 26. Mai

Die Ausstellung mit Lichtobjekten von Claudio Cassano und Gastkünstlern Käthy Borer-Gut (Papierobjekte), Harry Dam (Skulpturen) und Ursula Frei (Keramiken) dauert vom 28. April bis zum 26. Mai 2016. Jeden Donnerstag von 16.45 bis 21.45 Uhr geöffnet unter dem Motto «Kunst, Begegnungen und Sein». Samstags von 10 bis 14 Uhr oder nach Vereinbarung. Vernissage: 28. April, ab 18.30 Uhr, mit musikalischer Umrahmung von Saxofonist Florian Egli. Sonntag, 8. Mai, 10 bis 14 Uhr: Muttertagsapéro. Donnerstag, 26. Mai, ab 16.45 Uhr Ausstellung/Barbetrieb, ab 18.30 Uhr Sera «AMARA».

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