Windisch
Ausgezeichnet: Die Dohlenzelg-Schüler lassen die Funken stieben

Freude für die Erst- bis Fünftklässler: Sie wurden gestern im Kurtheater Baden mit dem «Funkenflug» für ihre Musical-Produktion «Das Geheimnis der sieben Perlen» ausgezeichnet.

Elisabeth Feller
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Farbtrunken – märchenhaft: Szene aus der Windischer Musical-Inszenierung.

Farbtrunken – märchenhaft: Szene aus der Windischer Musical-Inszenierung.

Pascal Meier/Kanton Aargau

Das Kurtheater Baden ist mit über 600 Plätzen nicht gerade klein. Die müssen erst einmal besetzt sein. Was nicht einmal bei Vorstellungen mit Stars automatisch der Fall ist, ist am Freitag selbstverständlich: Jeder Sitz ist belegt – entweder von einer Schülerin, einem Schüler oder Erwachsenen. Allein von Windisch sind 69 Dritt-, Viert- und Fünftklässler (ohne Erst- und Zweitklässler) mit acht Erwachsenen angereist: mit Grund.

Funkenflug-Wettbewerb: Die fünf Gewinner

Der Wettbewerb Funkenflug lädt Aargauer Schulen ein, eigene kulturelle Projekte umzusetzen. Die besten werden mit 5000 Franken prämiert. Fünf Produktionen wurden gestern damit ausgezeichnet.

- «STOMP ist back» (Heilpädagogische Schule Stiftung Schürmatt Zetzwil; Oberstufe)
- «Trickfilm» (Primarschule Untersiggenthal)
- «Das Geheimnis der sieben Perlen» (Primarschule Dohlenzelg Windisch)
- «Wienacht» (Schule Merenschwand; Oberstufe)
- «Bastien und Bastienne» (Alte Kantonsschule Aarau; Sek II Gymnasium).

Die Primarschule Dohlenzelg zählt zu den fünf Gewinnern des Funkenflug-Wettbewerbs der Fachstelle Kulturvermittlung des Kantons Aargau (siehe Box). «Das Geheimnis der sieben Perlen», ein Musical, das 169 Kinder der ersten bis fünften Primarklasse mit Musik, Tanz und Theater in eine farbtrunkene Inszenierung eingebunden hat, vermochte die Jury derart zu überzeugen, dass sie die jungen Windischer zu Funkenfliegern erkor. Das freut alle mächtig – und damit auch Schulleiterin Doris Imhof.

«Es war das erste Mal, dass wir uns mit einem Projekt dieser Grössenordnung für den Wettbewerb gemeldet haben. Dass wir gleich auf Anhieb gewonnen haben, ist eine riesige Überraschung und zugleich ein Ansporn.» Wie der vierstellige Preis verwendet werden soll, ist noch nicht im Detail bekannt: «Wir haben gewisse Ideen», sagt Doris Imhof und betont: «Der Betrag kommt natürlich den Kindern zugute.»

Aus dem Musical «Das Geheimnis der sieben Perlen»: Prinzessin Aquarina erzählt

Die Geschichte begann kurz vor meinem siebten Geburtstag tief unten auf dem Meeresgrund in dem riesigen Wasserschloss, in dem ich mit meinem Vater, dem Meereskönig Algi Algeretto, wohne. Mein bester Freund, Fisch Flössli, lebte bei uns, solange ich denken konnte. Wir waren unzertrennlich und machten alles gemeinsam.
Am liebsten schwamm ich mit meinem Freund Flössli und anderen Fischen um die Wette. Ich war sehr aufgeregt und ungeduldig, weil Vater gesagt hatte, er werde mir zu diesem Geburtstag etwas ganz Besonderes schenken, und ich hielt das Warten auf mein Geschenk einfach nicht mehr aus. Plötzlich stand eine fremde, wunderschöne Meerfrau vor mir. ‹Aquarina›, rief sie mich. ‹Komm her. Ich will dir ein Geheimnis anvertrauen. Du musst mir aber schwören, es niemandem zu verraten.›
Wer war diese Fremde?
‹Komm, Aquarina, komm›, lockte sie mich. ‹Komm, folge mir in die Höhle, wo dein Vater dein Geburtstagsgeschenk versteckt hält.› Ohne zu zögern, öffnete ich sie. Darin lag eine Perlenkette mit sieben aufgereihten Perlen. Es war die schönste Kette, die ich je gesehen hatte. ‹Sie ist dein.› Mit diesen Worten legte mir die fremde Meerfrau die Kette um den Hals.
In diesem Moment hörte ich meinen Vater rufen. Erschrocken fuhr ich zusammen und drehte mich um. Da geschah das Unglück - die Perlenkette blieb an einer Koralle hängen und riss entzwei. Sofort erhob sich ein mächtiger Meereswind und verstreute die sieben Perlen in alle Richtungen. Und schon stand mein Vater vor mir. Hurtig versteckte sich die Fremde in der Tiefe der Höhle. Mein Vater wusste gleich, was geschehen war. Er, der Meereskönig, war so wütend, enttäuscht und traurig, wie ich ihn noch nie erlebt hatte: ‹ Du hast dein Glück verspielt, Aquarina. Diese Perlenkette ist etwas ganz Besonderes. Du musst die Perlen suchen gehen und darfst erst wieder zurückkehren, wenn du alle sieben gefunden hast. Nun geh deines Wegs.›» (AZ)

Diese verzwatzeln am Freitag beinahe, bis sie sich von ihren Plätzen im Parkett des Kurtheaters erheben und einen Ausschnitt aus ihrer Produktion auf der Bühne präsentieren können. Wie sehr Erfolg beflügelt, ist an diesem fröhlichen Festmorgen zu erleben, als der Funke von den Akteuren sogleich zum Publikum springt. Nach 2013 wird nun am 20. Juni 2014 in Baden «Das Geheimnis der sieben Perlen» abermals zum Leben erweckt – für die Gäste aus Windisch ein Anlass, die Projektstationen Revue passieren zu lassen.

Wann hat alles begonnen?

Im November 2012. Damals traf sich eine Teamgruppe aus Lehrpersonen erstmals, um nach einem geeigneten Musical für die kommende Projektwoche zu suchen. «Wir wollten unbedingt ein Stück», so die Schulleiterin, «das sowohl Erst-, wie Fünftklässler begeistern würde, was nicht einfach ist.»

Drei mögliche Musicals rückten in den Vordergrund. Nachdem diese den Klassen vorgespielt worden waren, stand fest: Dem «Geheimnis der sieben Perlen» gehörte die ganze Sympathie der Kinder. Weshalb, lässt sich leicht erklären: Die Geschichte spielt an einem spannenden, ungewohnten Ort – dem Meeresgrund im Wasserschloss. Dort hat Prinzessin Aquarina die Perlen ihrer Geburtstagskette verloren – kein gutes Zeichen.

Nach dem Entscheid, dieses Musical zu spielen, nimmt das Projekt Fahrt auf. Konkret: Die Theaterleitung schreibt das Stück so um, dass es für die Windischer Primarschüler massgeschneidert wirkt; die Musikverantwortliche arrangiert die Lieder und sucht überdies Musiker, die gewillt sind, das Musical live zu begleiten. Der Aufwand, vielmehr: das Einstudieren der Lieder, das Erschaffen des Bühnenbilds, die Chor-, Tanz- und Theaterproben und noch viel mehr, ist kaum in Stunden zu ermessen.

Von Mühen spricht Schulleiterin Doris Imhof dennoch nicht. «Ein vom Aargauischen Kantonal-Gesangverein grosszügig unterstütztes Projekt wie dieses ist für alle Mitwirkenden bereichernd, insbesondere im Hinblick auf die Sozialkompetenz.» Als die Produktion im Juni 2013 «steht», fiebern alle den drei Vorstellungen in der Aula des Chapfschulhauses entgegen. Eltern, Freunde und Lehrpersonen füllen den Theaterraum. Und dann gibt es nach der Aufführung das, was selbst Bühnenstars erschauern lässt: eine Standing Ovation.

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