Brugg

Ausflug in Sado-Maso-Welt hat für jungen Mann nun Folgen

Der Beschuldigte soll gemäss Anklage seine Freundin mit ihren Händen an der Fesselstange festgebunden und vergewaltigt haben (Symbolbild). Thinkstock

Der Beschuldigte soll gemäss Anklage seine Freundin mit ihren Händen an der Fesselstange festgebunden und vergewaltigt haben (Symbolbild). Thinkstock

Das Bezirksgericht hat zwar einen 30-jährigen Mann vom Vorwurf der Vergewaltigung freigesprochen, büsste ihn aber unter anderem wegen mehrfacher Pornografie – auch Bilder von sexuelle Handlungen mit Tieren wurden gefunden.

«Das ist alles in gegenseitigem Einverständnis vor sich gegangen», beteuerte der Beschuldigte, ein 30-jähriger Schweizer, vor Gericht. Gemäss Anklageschrift hatte er zusammen mit seiner damaligen Partnerin eine Erotikmesse besucht und dabei verschiedene Sexspielzeuge – eine Fesselstange, eine Nagelpeitsche sowie einen Dildo – gekauft.

In seiner Wohnung soll sich der Beschuldigte dann plötzlich äusserst aggressiv verhalten haben. Er soll, so die Anklage, seiner Freundin die Kleider vom Leibe gerissen, sie mit ihren Händen an der Fesselstange festgebunden und vergewaltigt haben.

Dabei hatte sie durch einen Schlag auf den Schenkel ein Hämatom davongetragen. «Das», sagte der Beschuldigte später als Schlusswort, «tut mir leid. Das war nicht Absicht.»

«Sie hat nie gesagt: Hör auf!»

«Die Anregung zu Sado-Maso-Sachen ist von ihr gekommen», meinte der Beschuldigte in der Befragung durch Gerichtspräsidentin Franziska Roth. «Ich kann mir nicht vorstellen, weshalb sie so schwere Vorwürfe erhebt.»

Er räumte ein, dass man zwar die an der Erotikmesse gekauften Sachen «es bitzli» ausprobiert habe. Die Frau sei maximal während zehn Minuten an die Stange gefesselt gewesen.

Sie habe aber nie gesagt, er solle aufhören. «Ich würde das, glaube ich, schon merken, wenn dem Gegenüber etwas nicht passt», sagte er. «Alles ist ganz normal verlaufen. Sie hat auch keine Andeutungen gemacht, dass sie zur Polizei gehen würde.»

Die Anklägerin beantragte Freispruch vom Vorwurf der Vergewaltigung. Zweifel hätten zwar von Anfang an bestanden, stellte sie fest. Gemäss dem Grundsatz in dubio pro duriore – im Zweifel für das Härtere – habe sie jedoch Anklage erheben müssen.

Aus dem Verhalten der Frau und den Widersprüchen in ihren Aussagen würden sich jedoch zu viele Unstimmigkeiten ergeben. Daher sei ein Freispruch vom Vorwurf der Vergewaltigung angezeigt.

Der Beschuldigte sei jedoch wegen mehrfacher Pornografie sowie mehrfachen Widerhandlungen gegen das Waffengesetz zu einer Geldstrafe von 60 Tagessätzen zu je 100 Franken zu verurteilen.

Das, nachdem im Zuge der Ermittlungen auf dem Handy des Beschuldigten pornografische Bilder mit gesetzlich verbotenen Darstellungen gefunden worden (unter anderem sexuelle Handlungen mit Tieren) und in seiner Wohnung ein Schlagring und ein Schlagstock zum Vorschein gekommen waren.

Die Rechtsvertreterin der Ex-Freundin (sie wurde von der Teilnahme an der Gerichtsverhandlung dispensiert) beantragte, dass der Beschuldigte der Vergewaltigung, eventualiter der Körperverletzung und subeventualiter der Tätlichkeit schuldig zu sprechen und angemessen zu bestrafen sei. Sie forderte zudem eine Genugtuungssumme von 40 000 Franken und verlangte, dass der Beschuldigte schadenersatzpflichtig zu erklären sei.

In Persönlichkeit beeinträchtigt

Ihre Mandantin habe eine massive Verletzung der körperlichen Integrität erleiden müssen, machte die Rechtsvertreterin geltend. Seit dem Vorfall habe sich das Leben ihrer Mandantin, die auch in ihrer sozialen Persönlichkeit stark beeinträchtigt sei, komplett verändert.

«Was die Klägerin aufgetischt hat, ist absolut unglaubhaft», betonte der Verteidiger. Er forderte den Freispruch seines Mandanten vom Vorwurf der Vergewaltigung – und zwar mit allen Konsequenzen.

Damit würden die Genugtuungsansprüche wegfallen. Auch beim Vorwurf der Pornografie verlangte er Freispruch. Im Falle der Widerhandlungen gegen das Waffengesetz beantragte er Strafbefreiung.

Das Bezirksgericht sprach den Beschuldigten einstimmig vom Vorwurf der Vergewaltigung frei. Es sprach ihn aber der Tätlichkeit schuldig. «Die Aussagen der Privatklägerin sind widersprüchlich und nicht durchweg glaubwürdig», stellte Gerichtspräsidentin Roth fest.

«Insgesamt erscheinen die Aussagen des Beschuldigten glaubwürdiger.» Wegen Tätlichkeit, Pornografie und Widerhandlungen gegen das Waffengesetz verhängte das Gericht eine Geldstrafe von 30 Tagessätzen zu 100 Franken sowie eine Busse.

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