Als René Kaufmann Anfang der 90er-Jahre ein Haus in Riniken kaufte, war ihm nicht bewusst, welch ein Schatz er in seinem Garten finden würde. Ein Schatz in Form eines Baums. Ein Baum, der nur noch selten vorkommt und wenn, dann häufig als Zierstrauch: die Kornelkirsche.  

In den vergangenen Jahren hat sich René Kaufmann (61) zum Kornelkirschen-Kenner entwickelt. Was mit eingelegten Früchten begann, hat sich mittlerweile zu einer ganzen Palette von Produkten aus der Kornelkirsche entwickelt.

Sogar den seltenen Schnaps lässt der Journalist und passionierte Hobby-Gärtner seit Jahren brennen. Der Schnaps – «sein Preis entspricht dem Aufwand» – schmeckt leicht nach Rauch und Salz im Abgang. In Deutschland wird ein Deziliter für rund 26 Euro verkauft.

In der Schweiz bezahlt man rund 10 Franken für dieselbe Menge. Der Grund für den relativ hohen Preis für den Brand: Die Erntezeit zieht sich ab ca. Mitte August über rund vier Wochen hin. Die dunkelroten, olivenförmigen Früchte werden nicht vom Baum gepflückt, sondern müssen in mühseliger Handarbeit vom Boden aufgelesen werden. Nur wenn sie am Boden liegen, sind sie wirklich reif.

Auch bei René Kaufmann ist die anstrengende Erntezeit angebrochen. Jeden Morgen robbt er stundenlang auf den Knien am Boden herum und füllt Kratte um Kratte. Er wischt jede einzelne Frucht ab, entfernt den Dreck und die Stiele, dann schüttet er die Kirschen in das Maischefass.

So sammelt der gebürtige Schönenwerder zwischen 80 und 120 Kilo pro Erntezeit. Dafür braucht er rund 60 Stunden. Diese Arbeit macht René Kaufmann nichts aus. Das mühsame Beerenauflesen «ist für mich eine Art Meditation», erklärt er. «Währenddessen entwerfe ich im Kopf Konzepte für meine Artikel oder beginne gar zu texten.»

Bei Google schlau gemacht

Er sei ein enorm neugieriger Mensch, sagt René Kaufmann über sich selber. Diese Eigenschaft hat überhaupt dazu geführt, dass er die Kornelkirsche in seinem Garten entdeckt hat. «Ich habe mich dann bei Google schlau gemacht über die Pflanze», erklärt er.

«Erst dann wurde mir bewusst, dass die Kornelkirsche eigentlich gar kein Zierstrauch oder eine Hecke ist, sondern ein Grossstrauch, der Früchte trägt.» Er findet es schade, dass die Kornelkirschen, die es in der Umgebung gibt, so stark in Form gebracht wurden, dass sich kaum Früchte bilden konnten. «Ich wünsche mir, dass man die Kornelkirsche wieder als Fruchtbaum zu schätzen weiss.»

Die leuchtend roten Früchte sind durchaus auch zum Essen da. Ein Biss macht rasch klar: Mit den handelsüblichen Kirschen hat der Geschmack der Kornelkirsche nichts zu tun. Sie schmeckt leicht säuerlich, ist aber eine erfrischende Abwechslung zu anderen Früchten aus dem Garten. Bekannt ist die Kornelkirsche vor allem für ihren hohen Vitamin-C-Gehalt. Ein Grund, warum René Kaufmann die Früchte auch dörrt. «Eine Handvoll davon im Winter tut gut», findet er.

Gut tue auch der Fruchtbrand, jedenfalls ab und zu zu einem Kaffee. Der Schnaps wird als «hoch aromatischer Fruchtbrand» angepriesen. Er ist einer der seltensten der Schweiz. Um die 100 000 Beeren ergeben nur wenige Liter des Edelbrands.

Geld damit verdienen, will der Fachjournalist und Ghostwriter allerdings nicht. «Im Gegenteil, ich lege sogar drauf», sagt er. Die 2-, 3- und 5-Deziliter Flaschen verschenkt er an Freunde und Bekannte. Neu gibt es den Fruchtbrand der Kornelkirsche im Riniker Restaurant Tannegg zu kaufen. Als «Riniker Kafi Kornel» wird es angepriesen. Den dafür benötigten Schnaps hat René Kaufmann dem Restaurant geschenkt.

Mit zwei Kornelkirschbäumen im Garten ist René Kaufmann vollends beschäftigt. Doch mittlerweile schiessen Sprösslinge überall aus dem Boden. Diese hat er mit weissem Faden gekennzeichnet.

«Es wäre schön, wenn ich die losbringen würde», sagt er. Und macht erneut auf die Vorzüge des Baumes aufmerksam: «Die gelben Blüten der Kornelkirsche gehören zu den ersten, die im Frühling blühen. Daher sind sie wichtig für Bienen.»