Sie war verzweifelt auf der Suche nach einem Nebenjob. Nach einem Job, der neben dem Studium gut machbar ist. Irgendeine Stelle in irgendeinem Büro schwebte Fabienne Aminata Weber vor. Doch die Suche gestaltete sich schwierig. Dann war es die eigene Tante, die der Studentin einen Vorschlag machte: «Biete doch Computer-Kurse für ältere Menschen an», meinte diese.

Eine gute Idee, fand die Wirtschafts-Studentin. Beispiele aus dem eigenen Umfeld, in dem sogenannte «Digital Immigrants» – also jene, die nicht mit den heutigen Technologien aufgewachsen sind – mit Computern Mühe bekunden, gab es genügend.

Die Master-Studentin der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Chur bot in der Folge ihre Kurse unter dem Namen «Kompikurs» auf den Auktions-Plattformen Tutti und Ricardo an, schrieb eine Anleitung für die Benutzung von Computern – vom Startknopf bis zur Benutzung von Programmen.

«Die Nachfrage war dann aber doch nicht so gross, wie erwartet», gesteht die 24-Jährige. «Die Leute sagten zwar, dass sie keine Ahnung haben von Computern, aber Zeit investieren, um den Umgang zu lernen, wollten sie dann trotzdem nicht.» Die Computer-Kurse schienen also gescheitert und Fabienne Aminata Weber hatte noch immer keinen einträglichen Nebenjob.

Doch so schnell liess sie sich nicht entmutigen und überlegte, was sie stattdessen anbieten könnte. An der Universität Zürich, wo die Bruggerin ihren Bachelor absolvierte, belegte sie einen Kurs in Webdesign, also Webseiten-Gestaltung. Dieses Wissen, verbunden mit ihrer Erfahrung im Marketing-Bereich, wollte Fabienne Aminata Weber nutzen. Statt Computer-Kurse bot sie nun Webdesign und Webseiten-Kurse an.

Kunden im Café finden

Damit richtet sie sich an kleinere Unternehmen, an Privatpersonen oder auch Gemeinden, die keine eigenen Webdesigner beschäftigen können oder nicht wissen, wie eine Website aufgebaut wird. «Internetpräsenz ist heute enorm wichtig», sagt Fabienne Aminata Weber und rührt in ihrer Tasse mit Tee. «Ich biete einfache, moderne Designs an. Die Website soll später von meinen Kunden einfach bewirtschaftet werden.»

Für die Foto für die Zeitung packt sie ihren Laptop aus und präsentiert ihre eigene Website. Die Gäste im Café «Zum Goldenen Zauber» in der Brugger Altstadt werden auf die junge Frau aufmerksam. «Was genau machen Sie?», will eine ältere Frau wissen. Fabienne Aminata Weber erklärt. Die Frau nickt und sagt: «Wir könnten jemanden gebrauchen, der die Website unseres Turnvereins schön gestaltet. Haben Sie mir Ihre Visitenkarte?» Die Studentin nickt und kramt in ihrer Tasche. Dann überreicht sie der Frau strahlend ihre Koordinaten. Ob aus dem Kontakt etwas wird, weiss sie zwar noch nicht. «Ich freue mich aber über jeden potenziellen Kunden», sagt Fabienne Aminata Weber.

Je nach Bedarf bietet sie auch das Webmastering, also das Betreuen der Website, an. Preislich dürfte sich die Studentin recht von ihrer Konkurrenz abheben. Für 600 Franken baut sie eine Website, auch, weil sie einfache, vorgefertigte Designs verwendet. «Ich habe mich an den deutschen Preisen orientiert», sagt Fabienne Aminata Weber. Das Angebot scheint anzukommen: Seit dem Start im November betreute sie drei Kunden.

Ein Tattoo-Studio, ein Bauernhof und ein Restaurant. Nun hofft sie auf Mundpropaganda. Interessenten gebe es immer wieder. Doch jeden Auftrag nimmt die 24-Jährige nicht an: «Ich hatte mal eine Anfrage für eine Porno-Seite.» Sie hat abgelehnt. «Für mich muss die Arbeit ethisch vertretbar sein. Pornografie ist mir oftmals zu sexistisch», begründet sie.

Manchmal «etwas frech»

Um Kunden zu gewinnen, agiert sie «etwas frech», wie sie sagt. «Ich surfe durch das Internet. Und wenn ich auf eine Website stosse, die hoffnungslos veraltet ist, dann kontaktiere ich das Unternehmen und biete meine Dienste an», sagt Fabienne Aminata Weber.

Die Erfahrung zeigt: «Häufig gibt es keine Reaktionen, einige danken aber für das Angebot. Wieder anderen gerät mein E-Mail in den falschen Hals. Beispielsweise dann, wenn die Personen selber viel Zeit in die Website investiert haben.» Einige Geschäftsführer hätten sie schon mit Schimpf und Schande davongejagt. «Dieses Risiko gehe ich ein», sagt die Studentin selbstbewusst.

Obwohl ihr diese Arbeit gefällt, wird es kaum das Standbein nach dem Studium werden. Einzig die Selbstständigkeit will sie erhalten, ganz nach dem Vorbild ihrer Eltern, die ebenfalls beide ihr Geld in der Selbstständigkeit verdienen. «Es gefällt mir, von niemandem abhängig zu sein und mein eigenes Ding zu machen», sagt sie.

Im Moment träumt sie von einem eigenen Beratungsbüro im Bereich Nachhaltigkeit. «Ich will einen Job, der diese Welt nicht schlechter macht», führt sie aus. «Ich möchte zeigen, dass sich Wirtschaft, Ethik und Ökologie nicht beissen. Es ist möglich, auf eine ethische Art und Weise Geld zu machen», ist sie überzeugt. «Ich glaube fest, dass das die Zukunft ist.»