Mit der anstehenden Sanierung des Geschiebehaushalts und der Fischwanderung beim Kraftwerk Wildegg-Brugg wird mit einem Testversuch überprüft, welche Auswirkungen die dauerhafte und vollständige Öffnung der beiden sogenannten Hilfsstauhaltungen des Kraftwerks an der Aare hat: Das Hilfswehr in Villnachern/Schinznach-Bad sowie das Dachwehr in Brugg.

Anders ausgedrückt: Angedacht ist laut Kraftwerk-Betreiberin Axpo, das Hilfswehr in Villnachern/Schinznach-Bad längerfristig vollständig zu öffnen und das Dachwehr in Brugg zu entfernen. «Damit kann erreicht werden, dass die Fische wieder hindernisfrei wandern und das Geschiebe im Fluss wieder vom Wasser weitertransportiert werden kann», heisst es in einer Medienmitteilung. Denn durch die Öffnung und den Wegfall der Hilfsstauhaltungen, fährt die Axpo fort, fallen die zwei eingestauten Bereiche hinter den Wehren weg. Der Auenschutzpark Aargau erhalte dadurch zwei Kilometer neue Fliessstrecke, der Auenlebensraum könne deutlich aufgewertet werden.

Der Testversuch, bei dem die Hilfsstauhaltungen teilweise geöffnet werden, liefert die Entscheidungsgrundlagen. Er findet ab etwa 11. September statt und soll rund sechs Wochen dauern. Seit Anfang Juli 2018 sind gemäss Axpo umfangreiche Vorbereitungsarbeiten und Installationsmassnahmen im Gang. Mit dem Fliessversuch werde beobachtet, wie sich das System an der Aare bei veränderten Abflüssen verhält. Es werden die Auswirkungen untersucht auf das Grundwasser, auf die Thermalquelle Bad Schinznach, auf bestehende Infrastrukturen – unter anderem das Autobahnviadukt, Gebäude und Anlagen – sowie auf die Vegetation. Damit die Nebengewässer des Aarelaufs – Aquatisches System, Badkanal, Wildibach – während dieses Fliessversuchs nicht austrocknen, werden während der Versuchsdauer grosse Pumpen eingesetzt, die diese Nebengewässer weiterhin mit Wasser speisen, so die Axpo.

Ein umfassendes Monitoringkonzept begleitet den Versuch, betont die Kraftwerkbetreiberin. «Tritt ein unerwünschter Zustand ein, kann der Versuch jederzeit abgebrochen und die Hilfsstauhaltungen können wieder eingestaut werden.»

Die bereits durchgeführten Untersuchungen gehen laut Axpo nicht von grossen Beeinträchtigungen oder Einschränkungen von Infrastrukturanlagen aus. «Die Ausgangslage für den Versuch ist gegenwärtig sogar sehr gut, da wegen des niederschlagsarmen Sommers natürlicherweise tiefe Abflüsse vorherrschen und der Grundwasserstand im betroffenen Gebiet dank des schneereichen letzten Winters vergleichsweise hoch ist.» (mhu)