Brugg
Aufregung um gestutzten Efeu

Bäume und Sträucher werden derzeit zurückgeschnitten. Beim Efeu gelten aber besondere Regeln.

Daniel Vizentini
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Die Föhre an der Baslerstrasse.

Die Föhre an der Baslerstrasse.

Daniel Vizentini (dvi)

Es ist März, die Temperaturen steigen, der Frühling steht in den Startlöchern. Viele Bäume der Region werden deshalb gerade fit gestutzt. Als ein Bewohner der Baslerstrasse beim Morgenspaziergang mit seinem Hund bei der Berufsfachschule an einer Föhre vorbeiläuft, stellt er verwundert fest: Der seit Jahrzehnten üppig verwachsene Efeu, der den einen Baum umschlang, ist weg. Jedenfalls sind die Blätter nicht mehr zu sehen. Efeu ist aber kein Parasit wie etwa die Mistel, sondern hält sich nur an den Bäumen fest und hüllt diese schützend um. Zudem brüten im Efeu jeweils viele Vogelarten, gerade im Frühling. Dort finden sie zahlreiche Insekten, die ihnen als erste Nahrung für den Nachwuchs dienen.

Auf Anfrage geben die Gärtner Entwarnung: Nur die Blätter hätten sie zurückgeschnitten, um die Sicht freizuhalten für die vielen Fussgänger und Velofahrer, die dort um die Ecke abbiegen. Der Efeu lebe noch, die Stränge wurden absichtlich nicht durchtrennt und ein Teil der Blätter wurde auch belassen. «Im Herbst ist das alles wieder grün», sagen sie.

Efeu schützt die Bäume

Früher noch dachten viele, der Efeu umschlinge Bäume wie eine Schlange und bringe diese zum Ersticken. Dabei spenden die Blätter des Efeus dem Baum eher schützenden Schatten im Sommer. Alte und kranke Bäume dienen dem Efeu zudem als Lebensraum für viele Jahre. Werden Stränge des Efeus durchtrennt, stirbt dieser sofort ab. Gegenüber dieser Zeitung sagte Förster Stefan Landolt vor Jahren denn auch, dass Efeu denselben Schutz verdient wie alte Bäume.

«Ältere Efeupflanzen haben einen massgeblichen ökologischen Wert und sind zu erhalten», heisst es zudem in einer Broschüre der kantonalen Abteilung Wald. Trotz seiner starken Kletterfähigkeiten überwachse der Efeu die Krone eines Baums nicht. «Somit erfährt der wichtigste Teil des Baums keine Konkurrenz.» Auch schnürt die senkrecht wachsende Efeupflanze den Baum nicht ein, dessen Dickenwachstum wird nicht beeinträchtigt.