Barbara Vigfusson ist Sängerin, Gesangspädagogin und Leiterin des Vokalensembles Vocembalo. Kein Wunder, ist sie permanent auf der Suche nach Literatur. Vor einigen Jahren stiess sie auf solche des Brugger Frühromantikers Friedrich Theodor Fröhlich, der nach wie vor zu wenig bekannt ist. «Das muss ändern», sagte sie sich.

Barbara Vigfusson, 2016 gestalteten Sie, zum 180. Todestag des Komponisten, den ersten Fröhlich-Tag in Brugg – mit durchschlagendem Erfolg.

Barbara Vigfusson: Ja, die Resonanz darauf war so stark, dass wir unbedingt einen zweiten Fröhlich-Tag durchführen wollten.

Anders als 2016 gibt es 2018 keine Führungen zu Fröhlich-Schauplätzen in Brugg.

Stimmt. Darüber hinaus gibt es noch weitere Änderungen: In diesem Jahr finden sämtliche Konzerte und die Lesung aus Fröhlichs Briefen nur noch an einem Ort statt – im Rathaussaal.

Stichwort Briefe: Was lässt sich heraushören?

Dass Fröhlich ein spannender Mensch war, der sehr gut schildern konnte. Für mich ist er übrigens nicht jener Tragiker, als den er oft gesehen wird.

Wer ist er dann?

Vor allem ein kreativer Kopf, der – so meine Vermutung – aus einer Kurzschlusshandlung heraus den Freitod wählte.

Sie haben in den letzten Jahren viel zu diesem Komponisten recherchiert; Sie sind abgetaucht in Archive, haben Kontakt mit Nachfahren aufgenommen wie etwa zu . . .

. . . Rudolf Martin Leder aus dem bernischen Kehrsatz. Er und seine Schwestern sind die direkten Nachkommen von Friedrich Theodor Fröhlich: Ihre Urgrossmutter war Agnes Angst, geborene Fröhlich. Sie war das einzige Kind von Friedrich Theodor Fröhlich, das eigene Kinder hatte. Agnes war mit dem Brugger Stadtammann Angst verheiratet – wie zuvor schon ihre Schwester Rosa, die jedoch kinderlos verstarb.

Eine spannende Geschichte.

Ja, und sie geht noch weiter. Ruedi Leder besitzt eine Kostbarkeit: ein Gemälde des Malers Wendelin Moosbrugger, das seinen Ururgrossvater Friedrich Theodor Fröhlich mit dessen Frau Ida und die Tochter Rosa Helene zeigt. Mutter und Tochter sind auch auf dem Flyer zum 2. Fröhlich-Tag zu sehen.

Sie setzen sich leidenschaftlich für den Brugger Frühromantiker ein. Weshalb ist er überhaupt so wichtig?

Da möchte ich gerne den Schweizer Komponisten Heinz Holliger zitieren, der zu Fröhlich gesagt hat: «Ich bin mir nicht sicher, ob sich die Aargauer darüber im Klaren sind, dass sie den wichtigsten Schweizer Komponisten des ganzen 19. Jahrhunderts hervorgebracht haben.»

Und dennoch sind Fröhlich-Kompositionen in unseren Konzertsälen marginal vertreten.

Leider. Deswegen ist notwendig, dass wir uns mit aller Kraft einsetzen für diesen Komponisten und dessen umfangreiches Werk, das ein nationales Kulturerbe ist. Hunderte Partituren liegen in der Universitätsbibliothek Basel, sind aber grösstenteils noch nicht gedruckt. Bevor sie gespielt werden können, müssen sie in die heutige Notation transkribiert und ediert werden und das ist eine langwierige, zeitraubende Arbeit.

Im Amadeus-Verlag ist jedoch einiges erschienen.

Ja. Und eben dieser Verlag sorgt am 21. Januar für eine Überraschung. Wir freuen uns sehr, dass dann zwei von Fröhlichs Streichquartetten gedruckt vorliegen, die das Rasumowsky Quartett im Rathaussaal spielen wird: jene in f-Moll und g-Moll.

Was erwarten Sie vom zweiten Fröhlich-Tag?

Dasselbe wie beim ersten: Dass sich wiederum möglichst viele Menschen von diesem Komponisten überraschen lassen und sich für dessen Werke einsetzen werden.

Damit Friedrich Theodor Fröhlich nicht wieder der Vergessenheit anheimfällt, haben Sie, Ihr Mann Johannes und der Musiker Markus J. Frey zwei Organisationen ins Leben gerufen.

Ja. Einerseits die Internationale Friedrich-Theodor-Fröhlich-Gesellschaft, andererseits den Kulturverein Fröhlich-Konzerte Brugg.

Worin unterscheiden sich die beiden?

Die Internationale Gesellschaft fördert Konzerte und Ausstellungen, um das Werk Fröhlichs im In- und Ausland zu vermitteln und: Sie will dessen Werke aufarbeiten sowie Musikinteressierten zugänglich machen. Der Kulturverein führt dagegen regionale kulturelle Veranstaltungen durch.

Müssen wir wieder zwei Jahre auf den nächsten Fröhlich-Tag warten?

Nein. Wir planen den dritten fürs nächste Jahr.