Rüfenach/Argentinien
Aufbruch ins Abenteuer: Austauschstudium im Ausland

Ein Studienaufenthalt in BuenosAires: Wie lebt und studierteine Studentin aus Rüfenach im Land von Messi, Maradona, Tango und Mate? Teil 1.

Aline von Atzigen
Drucken
Die Einkaufsmeile Florida in Buenos Aires. Aline von Atzigen

Die Einkaufsmeile Florida in Buenos Aires. Aline von Atzigen

Das Flugzeug steuert im Sinkflug den Flughafen von Buenos Aires an. Es ist bereits Nacht und die Lichter der argentinischen Hauptstadt strahlen so weit das Auge blicken kann. Mein Zuhause für das nächste Jahr rückt näher und näher. Zwölf Monate lang habe ich diesen Moment geplant und jetzt ist es soweit: Mein zweisemestriges Austauschstudium in Buenos Aires beginnt.

Auf meiner letzten Südamerikareise habe ich mich mit der «Faszination Südamerika» infiziert. Mit meinem Austauschjahr in Argentinien kann ich mir nun den lange ersehnten Wunsch nach «mehr Südamerika» erfüllen und gleich noch einige Dinge damit verbinden. Mein Ziel in diesem Jahr – eine Brücke zwischen Anthropologie-Studium und Realität zu schlagen.

Antworten auf Fragen finden

An der Universität Zürich lese ich Bücher und lerne Theorien über das Leben und die Menschen in anderen Ländern, aber hier kann ich im Alltag das Leben in einem anderen Land erfahren. Mein Auslandstudium ist also nicht als Ferienlager geplant, sondern als wichtigster Bestandteil meines Studiums.

Beim Gedanken an Argentinien denkt Mann wohl gleich an Fussball und Frau an Tango. Aber was hat Argentinien neben perfekter Dribbeltechnik, Passion und Eleganz noch zu bieten? Ich hoffe, während meines Aufenthaltes Antworten auf diese Frage zu finden. Die ersten Eindrücke von Argentinien machen vor allem schnell klar, dass dieses Land viele Gegensätze in sich vereint. Der stärkste Gegensatz ist sicher derjenige zwischen Stadt und Land,
zwischen Buenos Aires und den 23Provinzen Argentiniens. Diese Unterscheidung geht oft auch mit dem Gegensatz zwischen Reich und Arm einher.

Nur der Name blieb

Argentinien ist heute, trotz der ungleichen Verteilung von Wohlstand im Land und der schweren Wirtschaftskrise im Jahre 2001, immer noch eines der wohlhabenderen Länder Südamerikas. Darauf deutete bei der Entdeckung Argentiniens im Jahre 1516 noch nichts hin. Die Spanier waren nämlich auf der Suche nach dem verheissungsvollen Silberland und versuchten dieses, von Argentinien ausgehend, zu erreichen. Die Suche endete jedoch erfolglos, da die Entdecker zu spät kamen. Die Silber- und Goldschätze von Peru waren bei der Ankunft der Entdecker bereits aufgeteilt worden. Von den erhofften Silbervorkommen blieb nur der Name des Landes übrig: Argentinien, abgeleitet von Argentum
(Silber).

Argentinien ist flächenmässig 67 Mal so gross wie die Schweiz und damit der achtgrösste Staat der Erde. Innerhalb Südamerikas ist Argentinien nach Brasilien das zweitgrösste Land. Aber trotz der riesigen Fläche wohnen heute über 86 Prozent der Argentinier in Städten. Und fast jeder dritte Argentinier lebt im Grossraum Buenos Aires. Argentinien liegt im Südosten von Südamerika und besitzt im Osten eine 5700 Kilometer lange Atlantikküste. Im Nordosten grenzt «la Argentina» an Brasilien, im Norden an Paraguay, im Nordwesten an Bolivien und im Westen an Chile. Mit dem Nachbarland Chile teilt Argentinien zwei Besonderheiten. Beides sind Länder, deren Grenzen dem Südpol am nächsten kommen.

Ausserdem hat kein anderes Land der Erde eine solche Nord-Süd-Ausdehnung wie Chile und Argentinien. In Argentinien sind es von La Quiaca an der Grenze zu Bolivien bis Feuerland 3700 Kilometer. Geografisch kann man Argentinien in drei Zonen einteilen: die Anden im Westen, das Flachland/die Pampa im Norden und Osten und Patagonien im Süden. Die Hauptstadt Buenos Aires (Capital Federal) beherbergt drei Millionen Menschen. Um die Hauptstadt herum bildet sich aber ein immer grösser werdender Ballungsraum mit weiteren zehn Millionen Einwohnern. Im Grossraum Buenos Aires – von den Argentiniern «Gran Buenos Aires» oder «Conurbano» genannt – leben somit beinahe doppelt so viele Menschen, wie in der ganzen Schweiz.

Schmelztiegel der Kulturen

Wenn Argentinien ein Land der Gegensätze ist, dann gilt das auch für die Hauptstadt Buenos Aires. Hier trifft Elendsviertel auf Einkaufspalast, Stadtpark auf Kartonhüttenmatratzenlager von Bettlern und kolonialer Städtebau auf südamerikanischen Lebensstil, Improvisation und Chaos. Die Strassen von Buenos Aires sind überfüllt mit Taxis, Strassenverkäufern, Bussen und Menschen etwa aus Italien, Spanien, Bolivien, Peru, Paraguay, China, Senegal und vielen anderen Ländern.

Sie alle sind auf der Suche nach einem besseren Leben nach Argentinien gekommen. Buenos Aires ist somit nicht nur die Hauptstadt und das Herz von Argentinien, sondern ein so genannter «Schmelztiegel der Kulturen». Gerade deswegen hat Buenos Aires seinen ganz eigenen Charme.

Aktuelle Nachrichten