Schloss Habsburg
Auf Schloss Habsburg soll die Pest ja nicht über Familien kommen

Die Standorte des Museum Aargau erzählen 2014 unterm Titel «Achtung ansteckend!» Geschichten aus 2000 Jahren Heilkunst. Auf Schloss Habsburg berichtet die Schau «Pralles Leben. Schwarzer Tod» von den verheerenden Seuchen und Pestwellen in Europa.

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Historisches Kasperlitheater: Der Rattenfloh überträgt die Pest, der Doktor versucht sich zu schützen und Kranke zu heilen.

Historisches Kasperlitheater: Der Rattenfloh überträgt die Pest, der Doktor versucht sich zu schützen und Kranke zu heilen.

ZVG

Ein eindrückliches Zeugnis dieses Massensterbens ist der Pestsarg von Mandach im Aargau, der in der Ausstellung gezeigt wird. Der Sarg konnte auf das Jahr 1548 datiert werden und ist somit der älteste Mehrfachsarg Europas. Wie er verwendet wurde und welchen Zwecken er danach diente, erzählen spannende Geschichten in der Ausstellung.

Die Vernissage ist integriert in den Habsburger Familiensonntag. Auf dem Programm stehen ein historisches Kasperlitheater «Pestfloh und Schnabeldoktor» und viele Mitmachaktionen für Gross und Klein.

Immer wieder schrieben Chronisten oder Ärzte aus dem Mittelalter bis in die Frühe Neuzeit von Seuchen in Europa. Die Pest wütete ab 1347 bis ins 17. Jahrhundert alle 10 bis 20 Jahre in der Schweiz. Rund ein Drittel der Gesamtbevölkerung starb an der Infektionskrankheit.

Obschon häufig als Pest bezeichnet, handelte es sich nicht bei jeder Epidemie um den Schwarzen Tod. Eine eindeutige Bestimmung der Krankheitserreger ist erst seit dem 19. Jahrhundert möglich. So müssen Medizinhistoriker die Seuchen über die Symptombeschreibungen identifizieren.

Pestkreuze im Freiamt

Wegen den Pusteln sind Verwechslungen von Pocken und Beulenpest anzunehmen. Die Pocken traten zeitgleich wie die Beulenpest auf und forderten in der Schweiz bis ins 19. Jahrhundert neben der Pest die meisten Todesopfer. Im 17. Jahrhundert litten die Menschen neben den Flohbissen auch wegen einem anderen Kleintier, der Laus.

Diese übertrug den nach den roten Flecken benannten Flecktyphus. Ein anderer Bakterienherd für Seuchen ist verunreinigtes Wasser. So starben in der Schweiz bis in die Neuzeit Unzählige an Bauchtyphus, Dysenterie (Ruhr) oder Cholera.

Eine Epidemie macht vor keinem Menschen halt, der sich nicht angemessen gegen eine Ansteckung schützt. Die Furcht um den allgegenwärtigen Tod begleitete früher das Leben.

So genannte Pestkreuze im Freiamt erinnern heute noch an die stete Bedrohung durch den Schwarzen Tod. Albrecht IV. von Habsburg starb 1239 während eines Kreuzzugs möglicherweise an der Pest. (AZ)