Brugg

Auf Perron 1 des Brugger Bahnhofs wird einmal mehr gebrütet

Auf Perron 1 und im Schatten des Campus: «Nachbar» im Brutkasten, den zwei Künstlerinnen bespielen.EF.

Auf Perron 1 und im Schatten des Campus: «Nachbar» im Brutkasten, den zwei Künstlerinnen bespielen.EF.

Ein Brutkasten befindet sich normalerweise im Spital. Aber auch beim Bahnhof Brugg. Dort steht einer seit 2007 auf Perron 1: Mit ihrem Brutkasten betreibt die Firma Metron eine eigenwillige Kulturförderung.

Die Sonne sendet ihre sengenden Strahlen auf Perron 1 des Brugger Bahnhofs. Ein Zug nach dem anderen fährt ein oder fährt ab. Die Schritte der Passantin werden schneller. Der Weg führt über eine kleine Holzbrücke und an schattigen Bäumen vorbei zum geschwungenen Metron-Gebäude.

Kurz davor verlangsamt sich das Tempo – die Neugierige steht vor dem Brutkasten. Mit seiner vor der Haustüre liegenden Glasvitrine betreibt das Unternehmen für Architektur, Raumentwicklung, Verkehr, Landschaft und Umwelt (Metron) eine spezielle Art der Kulturförderung.

Wie sehr lässt sich am jüngsten Beispiel verfolgen. Die Vitrine ist gefüllt mit exotischen Pflanzen, die auf einer dicken Unterlage von Hydrokultur-Kugeln stehen. An was erinnert sie das Ganze, denkt die Passantin? Einen Garten.

Den eigenen oder jenen des Nachbarn. Die Spur erweist sich als richtig, denn die neue Kunst im Brutkasten trägt auf dem Sockel den Titel «Nachbar».

Ein Wort ist ausschlaggebend

Wie in aller Welt sind die beiden Künstlerinnen, das Schwesternpaar Celia und Nathalie Sidler, bloss auf diese Bezeichnung gekommen? Weil diese eine «Erfindung» der Metron-Mitarbeitenden ist.

Das funktioniert so: Das Brugger Metron-Team trifft sich halbjährlich zu einer Sitzung. An dieser kann jedermann ein Wort vorschlagen, wobei dieses mit Metron zu tun haben muss. Steht dieses nach der Abstimmung fest, wird es den Künstlern überlassen, worauf diese das Wort in eine räumliche Installation umsetzen.

Im Falle von «Nachbar» haben die Sidlers die Vitrine zum Terrarium verwandelt. Dieses steht zugleich für Nachbars Garten. Die dort kultivierten Pflanzen sind derart dicht, dass sie Blicke von Neugierigen ins Innere verwehren.

Für Celia und Nathalie Sidler wird «das Terrarium so zum Territorium – einem begrenzten räumlichen Bereich, auf den Gebietsanspruch erhoben wird». Die Installation auf Perron 1 ist aber nicht nur durch die Interpretation der Künstlerinnen interessant.

«Nachbar» bekommt eine neue Bedeutung, wenn man die Umgebung berücksichtigt: den pulsierenden Bahnhof und den Campus. Dieser spiegelt sich im Brutkasten – und wirkt selbst in der Verkleinerung als mächtiger Nachbar.

Im November wird der Brutkasten auf Perron 1 neu bespielt.

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