Brugg

Auf Kopf- und Zeitreise in die Brugger Vergangenheit

Er reist in Gedanken durch das Dorf seiner Kindheit.

Gottfried Peter

Er reist in Gedanken durch das Dorf seiner Kindheit.

Für Gottfried Peter aus Brugg ist die Beschäftigung mit dem Dorf seiner Jugend auch ein Stück Therapiearbeit nach einem Schlaganfall.

«Ich hatte stets das Gefühl, dass ich ein Buch schreiben könnte», sagt Gottfried Peter und blickt auf einen Stoss eng beschriebener Blätter. Ein Buch ist es zwar nicht geworden. Aber Gottfried Peter, der vor 80 Jahren in Villnachern auf die Welt gekommen und dort auch aufgewachsen ist - und der sich später im inzwischen in Brugg aufgegangenen Nachbardorf Umiken als Gemeinderat und Vizeammann engagierte - hat viel Interessantes aus dem Dorf seiner Jugend zusammengetragen. «Für mich», sagt er nachdenklich, «war das, nach einem Schlaganfall, vor allem auch ein sehr gutes Training für das Gedächtnis.»

Auf einem imaginären Rundgang hat sich Gottfried Peter zurückversetzt in das Dorf Villnachern, wie er es in seiner Jugendzeit erlebt hatte, und wie es in seiner Erinnerung fortlebt. Dabei ist er auch den Menschen wieder begegnet, deren zuweilen seltsame Dorfnamen - wie etwa «Bobimoti» oder «Gränzelos» - er fein säuberlich aufgelistet hat, und die an sich schon ein spannendes Forschungsgebiet abgeben würden.

«Er rauchte Pfeife»

«Ich bin als Bub viel in der Werkstatt des ‹Chaschperschuemachers› gewesen», erinnert sich Gottfried Peter. «Der rauchte Pfeife. Und ich mochte den Geruch des Tabaks und des Leders, das der ‹Chaschperschuemacher› verarbeitet hat.» Der Rundgang hat ihn auch hinausgeführt zum einstigen Aarhof, der in den fünfziger Jahren dem Kraftwerkkanal weichen musste, und auf dem der spätere Bundesrat Edmund Schulthess aufgewachsen ist. «Mein Grossvater, der ‹Schlosserköbi›, war mit Edmund Schulthess zur Schule gegangen», sagt er. «Die beiden hatten auch später noch einen guten Kontakt.»

Gottfried Peter verbindet aber eine ganz andere Erinnerung mit dem Aarhof: «Ich habe als Bub jeweils am Samstag Post ausgetragen. Auf dem Aarhof war ein böser Hund, um den ich immer einen grossen Bogen machte. Einmal aber hat er mich doch geschnappt.» Grossvater «Schlosserköbi» dürfte übrigens nicht ganz unschuldig gewesen sein, dass Gottfried Peter eine Schlosserlehre absolvierte, aber auch noch eine Bauzeichnerlehre anhängte.

Erinnerungen an die Mobilmachung

Auf dem Weg dorfaufwärts erinnert sich Gottfried Peter an die Mobilmachung im Jahre 1939. «Im Dorf war damals ein ganzes Bataillon stationiert», hat er festgehalten. «Das hiess für uns: Vier Kompanien und damit auch vier Militärküchen. Man konnte auswählen, bevor man sich mit dem Milchkesseli anstellte, um Militär-Kakako oder Suppe zu bekommen - was man damals brauchen konnte. Wir Buben haben jeweils ausgekundschaftet, was es bei den einzelnen Küchen gab und uns erst dann entschlossen, wo wir uns anstellen wollten. Es war trotz allem eine schöne Zeit.»

Gottfried Peter schaut auf seine Aufzeichnungen und sagt: «Wenn ich das nicht aufgeschrieben hätte, wäre es untergegangen. Es sind kleine Geschichten. Und ich habe nur festgehalten, was ich selber erlebt habe.»

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