Abwasser

Auf Kletterpartie durch alte Abwasserrinnen

Heinz Trachsel führt im Heimatmuseum den Feuerwehrwagen.

Heinz Trachsel führt im Heimatmuseum den Feuerwehrwagen.

Die az ging mit Heinz Trachsel auf Entdeckungstour durch die Gassen und Hinterhöfe der Brugger Altstadt. Dabei stiessen wir auf allerlei Überraschungen.

Der Teufel steckt wortwörtlich im Detail: Zwei gehörnte Köpfchen im Profil, und das an den Türscharnieren der Brugger Stadtkirche. «Unten die Teufelchen, oben die Engelchen», sagt Heinz Trachsel und lacht.

Trachsel kennt Brugg wie seinen eigenen Hosensack, jeden Winkel, jedes Schlupfloch. Und was er von seiner Kindheit hier erzählt, ist lebendig und detailreich, genauso wie die Schilderungen über die Geschichte Bruggs von den Römern übers Mittelalter bis heute.

Was Trachsel mir zeigt, ist ein geheimnisvolles Brugg, ein Abenteuerspielplatz mit vielen kleinen Dingen, die man allzu schnell übersieht.

So breit, wie eine Sau lang ist

Nachdem das Römische Reich untergegangen war, verfügte Brugg über keine ausgeklügelten Abwassersysteme mehr, so Trachsel. Fäkalien landeten im Mittelalter in den Gassen zwischen den Häusern, den so genannten Ehgräben. Es gibt sie noch, zum Beispiel am Spittelrain.

So breit, «dass sich eine eineinhalbjährige Sau noch wenden kann» – so breit mussten die Ehgräben gemäss mittelalterlichem Baugesetz sein. Und doch drohen einen die Hausmauern zu zerquetschen, so nah stehen sie beieinander. Haarscharf schrammt man mit den Schultern durch die Lücke hinein in die düstere Häuserschlucht.

Durch Fenster in Kellerräume klettern

Wir steigen über Blumentöpfe und klettern über Mauern, schleichen durch Hinterhöfe und steigen durch Fenster in vollgestellte Kellerräume. Trachsel öffnet eine Tür mit grossen Glasscheiben und, plopp, stehen wir mitten auf der Hauptstrasse.

Wir spazieren weiter. Vorbei am Äpbeeribrunne – «unter dem Platz befindet sich ein Löschwasserreservoir» – in die Krattengasse – «diesen Ausdruck mögen die Anwohner nicht, deshalb heisst sie heute Falkengasse» – zur Unteren Hofstatt – «hier hat Herzog Leopold 1386 für die Schlacht bei Sempach das Heer zusammengezogen».

Reben im Hinterhof

Im Hinterhof zwischen «Kutscherhüsli», «Rotem Bären» und dem Café Fridolin pflücken wir von den gelbblättrigen Reben die letzten Trauben, schrumplig und zuckersüss – der besonderen Gunst bewusst, dass uns der Hausherr einen Blick hinter das sonst verschlossene Tor werfen lässt.

Mit drei Schlüsseln öffnet Trachsel die Tür des Heimatmuseums. Er ist hier Abwart. Im Parterre steht Wertvolles aus der Brugger Geschichte: die beiden Jugendfestkanönchen, zwei Feuerwehrwagen, alte Schatztruhen und in der hell ausgeleuchteten Vitrine ein strammer Herr mit Uniform und Schnauz, darum herum hängen allerlei Schiesseisen.

Oben betrachten wir die Bilder von Adolf Stäbli und die Ausstellung zu Umiken. Zu jedem Ausstellungsstück weiss Trachsel so viel zu erzählen, dass wir glatt die Zeit vergessen. Draussen dämmert es schon.

Zum Schluss führt mich Trachsel in die Krinne, zum «Chatzetürli». Der einzige gesicherte Zugang zur Aare, in den feuchten Fels geschlagen, für Zeiten von Belagerung oder einer Feuersbrunst. Der Zugang ist dunkel; wer nicht weiss, was sich hier unten befindet, steigt nicht hinab.

Unten versperrt ein Gittertor den Ausgang, der Riegel ist versteckt, für Kinder nicht zu öffnen. Wir schlüpfen durch das Tor auf die felsige und glitschige Plattform hinaus.

Rechter Hand biegt sich die alte Aarebrücke, um uns herum gurgelt und wirbelt der Fluss, smaragdgrün. Ein verbotener Ort, einer, den zu entdecken von ihm als Kind grossen Mut forderte. Heute ist es einer von Heinz Trachsels Lieblingsplätzen. «So versteckt, so einzigartig. Der Brennpunkt mit Fluss, Schlucht und Stadt.»

Zeigen Sie mir Ihr Brugg Möchten Sie, liebe Leserin, lieber Leser, mir Ihren liebsten Ort in Brugg zeigen? Melden Sie sich: katja.landolt@azmedien.ch

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