Der Bahnhof Brugg ist am Samstagmorgen so belebt wie unter der Woche, wenn er fest im Griff der Pendler ist. Doch jetzt strömen nicht solche aus den Zügen, sondern Neugierige aus dem ganzen Aargau.

Solche, die den Campus am Tag der offenen Tür besichtigen wollen; den Koloss neben dem Bahnhof Brugg, den kein Mensch übersehen kann. Die schmale, vorläufig noch mit «Mausloch» titulierte Unterführung ist für die fremden Besucher kein Thema – oben, auf dem Platz, stossen sie auf Einheimische, die ebenfalls dem Eingang zustreben.

Der Empfang ist freundlich. Die Brugger Stadträtin Dorina Jerosch steht bereit, freut sich, dass schon um 11 Uhr sehr viele da sind, gibt Auskunft, falls eine solche gewünscht ist. Ansonsten heisst es: Jeder kann die Tour individuell gestalten; Führungen finden nicht statt; jeder entscheidet selbst, wie lange er in Gängen, Lichthöfen, der Bibliothek mit der Wendeltreppe oder im Campussaal verweilen will.

Eine geniale «Perle»

Dieser ist das Herzstück des Campus. Der Saal ist gross und unterteilbar, er ist elegant und besticht durch seine, viele kühne Rottöne vereinende Farbgebung. Mit einem Wort: Er ist eine Perle. Dementsprechend verfehlt er seine Wirkung bei den Besucherinnen und Besuchern nicht. Die meisten betreten den Saal, bleiben verblüfft stehen und blicken sofort an die Decke. Von dort oben leuchtet und glimmt es nämlich abwechselnd in Rot, Orange, Violett, Gold und immer wieder in milchigem Weiss.

«Weshalb ist das so?», fragt eine ältere Dame in die Runde. Als sie erneut hochblickt, rätselt sie nicht mehr. Wie von Geisterhand bewegen sich oben verschiebbare Elemente – und öffnen so dem Tageslicht Tür und Tor. «Genial», murmelt die Dame und geht in eine andere Ecke mit einem prachtvollen Blumenstrauss.

Heidi Ammon, frischgebackener Gemeindeammann von Windisch, freut sich über die überraschten Campus-Gäste. Sie steht im Saal Red und Antwort; im Foyer stehen die Stadtratskollegen aus Brugg, Martin Wehrli und Reto Wettstein, sowie Kathrin Kalt bereit. Auch wenn es abgedroschen klingt: Die Betriebsleiterin des Campussaals strahlt wie ein Maikäfer.

Mit dem Tag der offenen Tür und der offiziellen Eröffnung des Saals am Abend hat für sie und den Campussaal-Betreiber Armin Baumann das erste Kapitel in einem neuen, vielversprechenden Buch begonnen. «Wollen Sie etwa den Saal mieten?», fragt Kathrin Kalt zwei Besucherinnen, die näher getreten sind. Nein, winken diese ab – «heute schauen wir einfach.»

Und zu schauen gibt es viel, wie der sichtlich vergnügte Stadtpräsident von Brugg, Daniel Moser, feststellt. Interessiert zeigen sich die Besucher nämlich auch im Hinblick auf die Kunstinstallationen in den Lichthöfen, die Cafeteria und die Mensa. Was essen Studierende an einem Tag, an dem die meisten frei haben, sie aber büffeln müssen? Fischknusperli mit Spinat und Salzkartoffeln.