Freibäder
Auf einen Schwumm im Geld: Mehr als die Hälfte der Badikosten tragen Gemeinden

Mehr als die Hälfte der Kosten für die Badis im Bezirk Brugg tragen die Gemeinden. Jetzt locken die Gemeinden mit einem Frühbucher-Rabatt von bis zu 15 Prozent.

Matthias Hausherr
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Freibäder locken auch mit besonderen Angeboten Gäste an – wie etwa dem «Rock am Pool» in Villigen.mhu

Freibäder locken auch mit besonderen Angeboten Gäste an – wie etwa dem «Rock am Pool» in Villigen.mhu

Michael Hunziker

Der Sommer ist bald da und die Eröffnung der Badisaison steht an. Den Anfang macht die Badi Auenstein, die bereits am Samstag ihre Türen öffnet. Insgesamt gibt es im Bezirk Brugg sechs Freibäder. Über den Winter wurden die Anlagen wieder in Schuss gebracht und teilweise saniert. In Villigen wurde das Planschbecken neu ausgekleidet, in Brugg die Restaurantzufahrt rollstuhlgängig gemacht. Einzig in Brugg werden die Eintrittspreise erhöht, in allen übrigen Badis bleiben sie unverändert. Wenn das Wetter wie bisher hält, steht einer schönen und erfolgreichen Badisaison nichts mehr im Weg. Doch der Spass mit dem Nass hat auch seine Schattenseiten. Die Freibäder sind höchst unrentabel. Jährlich kosten sie die Gemeinden Hunderttausende von Franken.

Die meisten Freibäder im Bezirk Brugg sind in den Fünfzigerjahren gebaut worden. Damals sind als Folge des Kraftwerkbaus in der Aare die natürlichen Badeplätze der Dörfer verschwunden. Als Ersatz bot die Nordostschweizerische Kraftwerke AG (NOK), die Vorgängerin der Axpo, den Bau eines einfachen Freibads ohne Umwälzpumpe oder eine Teilfinanzierung an den Bau eines komfortableren Freibads an.

Teuer sanierte Geschenke

Doch was damals als «Geschenk» erschien, muss seither teuer saniert und unterhalten werden. Je nach Grösse des Schwimmbads wenden die Gemeinden bis zu 1 Million pro Jahr für die Betriebskosten auf, wie im Fall des Frei- und Hallenbads Brugg. Dort wird für das laufende Rechnungsjahr mit einem Ertrag gerechnet, der weniger als die Hälfte dieser Kosten deckt. Auch die anderen Bäder decken nur zwischen 30 und 50 Prozent der jährlichen Kosten, wobei die Betriebskosten teilweise sehr unterschiedlich sind. Einen grossen Einfluss auf den Umsatz hat auch das Wetter. Die Erträge aus Eintritten im Brugger Freibad waren im schlechten Sommer 2014 beinahe halb so gross wie in der Saison 2013, als rund 45 000 Besucher registriert wurden.

Um die Last dieser Kosten zu verteilen, betreiben einige Gemeinden zusammen eine Badi wie Auenstein mit Rupperswil oder Schinznach mit den Gemeinden Scherz, Schinznach-Bad und Veltheim. Auch beim Freibad Heumatten in Windisch zahlen die Gemeinden Lupfig und Hausen einen Anteil ans Betriebsdefizit.

Zu den jährlichen Betriebskosten kommen weitere Sanierungskosten hinzu. Im Februar vergangenen Jahres scheiterte ein Sanierungs- und Erweiterungskredit der Badi Schinznach am Beitrag der Gemeinde Schinznach-Bad, gegen den das Referendum ergriffen wurde. Am Gesamtkredit von 4,7 Mio. Franken hätte die Gemeinde Schinznach-Bad einen Anteil von rund 1,1 Mio. übernehmen sollen. Die Referendumsführer befürworten zwar eine Sanierung, lehnen jedoch eine Erweiterung ab. Die Schwimmbadkommission hat das Sanierungsprojekt nun nochmals überarbeitet, um die Kosten für Schinznach-Bad zu senken, und wird darüber am 2. Juni in der Aula in Schinznach-Bad informieren.

Soziale Verantwortung

Im Rahmen des Sanierungsprojekts in der Badi Schinznach wurde zwar auch eine Schliessung geprüft, die Gemeinden haben sich jedoch für die Sanierung ausgesprochen. Auch in Villigen steht eine Schliessung momentan nicht zur Debatte. «Die Gemeinde Villigen ist stolz, sich ein kleines, aber feines Freibad leisten zu können», sagt Gemeindeschreiber Markus Vogt. «Mit der Badi, die in hohem Masse junge Familien und Kinder anspricht, erfüllt die Gemeinde auch eine soziale Verantwortung.»

Die Badis warten dieses Jahr wieder mit besonderen Angeboten und Anlässen auf, um Besucher anzulocken. Einige setzen auf Kulturelles wie die Badi Villnachern, die auch dieses Jahr die schon seit längerem erfolgreiche «Mittwochsmusig» durchführt, oder Villigen mit «Rock am Pool». Brugg und Windisch locken zudem mit einem Frühbucher-Rabatt von bis zu 15 Prozent auf den Kauf einer Saisonkarte. In Villnachern setzt man auf bestimmte Zielgruppen und bietet mit der Familiy-Card eine Saisonkarte für die ganze Familie und mit der Senior-Card Vergünstigungen für Senioren an.

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