Brugg
Auf eine ruhige Phase hoffte der Stiftungsratspräsident vergebens

Arthur Patrik hat als Stiftungsratspräsident den Um- und Ausbau des Kinderheims Brugg begleitet. Nun erfolgt ein Umbruch: Nach sieben Jahren kommt es zum Wechsel an der Spitze des Stiftungsrats: Auf Patrik folgt ab 1. Juli Hansjörg Burger.

Michael Hunziker
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Beim Segelschiff auf dem Spielplatz: Arthur Patrik (links) übergibt an Hansjörg Burger. mhu

Beim Segelschiff auf dem Spielplatz: Arthur Patrik (links) übergibt an Hansjörg Burger. mhu

Nach sieben Jahren kommt es im Kinderheim Brugg zu einem Wechsel an der Spitze des Stiftungsrats: Auf Arthur Patrik folgt ab 1. Juli Hansjörg Burger.

An einer Medienorientierung blickte Arthur Patrik auf eine bewegte Zeit zurück. Das gesellschaftliche und soziale Umfeld habe sich verändert, stellte er fest. Das Kinderheim Brugg sei stets offen gewesen, habe die Entwicklung laufend verfolgt, sich der Situation angepasst.

«Wir sind aufgeschlossen und haben uns den Herausforderungen gestellt», sagte Patrik und fügte nicht ohne Stolz an: «Unser Name ist bekannt und wir geniessen ein hohes Ansehen.»

Im gleichen Atemzug lobte er das gute Einvernehmen im Stiftungsrat sowie die Zusammenarbeit mit den Behörden, Anwohnern und Amtsstellen. Die Problemstellungen seien oft nicht einfach gewesen. Aber in vielen Gesprächen seien immer Lösungen gefunden worden.

Anspruchsvolles Unterfangen

Es sei, sagte Patrik weiter, ein sehr guter Entscheid gewesen, das Präsidium des Stiftungsrats zu übernehmen und sich für Kinder und Jugendliche einzusetzen, die auf der Schattenseite des Lebens geboren wurden.

Spielplatz: Gemeinsam Entscheid für Kunstrasen gefällt

Kinderheim-Gesamtleiter Rolf von Moos erwähnte an der Medienorientierung einige spezielle Aktivitäten im Jahr 2012: die interne Kriseninterventionsstelle für Kinder und Jugendliche, die in der öffentlichen Regelschule nicht mehr tragbar sind, sowie die indische Konzentrations- und Kampfsportart Kalari, die an zehn Nachmittagen ausgeübt werden konnte. Als weiteren Höhepunkt bezeichnete er das Winterlager. Von spannenden Erfahrungen sprach der Gesamtleiter überdies im Zusammenhang mit der Notfallgruppe Sternschnuppe. Es sei schon zu beeindruckenden und zum Teil kuriosen Begebenheiten gekommen. Ein aktuelles Projekt ist die Sanierung des Spielplatzes. Zusammen mit den Schülern wurde entschieden, den strapazierten Rasen durch einen Kunstrasen zu ersetzen. Selbst von Moos, der am Anfang kritisch war – «wir sind doch kein Fussballstadion» – liess sich im Laufe des Prozesses überzeugen. In der Sickergrube wurden als Spielgeräte Baumstämme sowie ein Segelboot platziert. Neckisches Detail: Das Schiff, das von einer Firma am Hallwilersee zur Verfügung gestellt wurde, stammt ursprünglich vom Brugger alt Stadtammann Rolf Alder. Anspruchsvoll wird laut von Moos die Umsetzung des neuen Kindes- und Erwachsenenschutzrechts. Weiter wird das Augenmerk auf den Aufbau eines Qualitätsmanagement-Systems gerichtet. (mhu)

In seine Amtszeit fiel der Um- und Ausbau des Kinderheims. Nach seinem Amtsantritt sei es «so richtig losgegangen», erinnerte er sich. «Nach der Detailplanung folgte die Umsetzung.» Im Mai 2008 wurde der Spatenstich durchgeführt.

Noch während der Rohbauphase, so Patrik, sei eine Anfrage des Departements Bildung, Kultur und Sport (BKS) des Kantons Aargau eingegangen: Gesucht wurden Plätze für Kinder mit Lern- oder Verhaltensschwierigkeiten. Das Kinderheim Brugg nahm Anpassungen vor, damit eine Tagessonderschule eingerichtet werden konnte.

Im Mai 2010 wurden die neuen Gebäude bezogen, am 20. August des gleichen Jahres fand die festliche Einweihung mit einem Tag der offenen Türe und vielen interessierten Gästen statt. Auch wenn es gemäss Patrik ein aufwendiges und komplexes Unterfangen gewesen sei: Die Räumlichkeiten hätten sich bewährt.

Nach der Einweihung rechnete der Stiftungsratspräsident mit einer Phase der Konsolidierung. Weit gefehlt: «Es kamen neue Aufgaben auf uns zu, die wir anpacken mussten.»

Nachfolger aus eigenen Reihen

Die Tagessonderschule, die heute von 32 Schülerinnen und Schüler in vier Kleinklassen besucht wird, nahm den Betrieb auf. Den austretenden Jugendlichen, die eine Lehrstelle hatten, wurde im Betreuten Wohnen ein weiterer Aufenthalt im Kinderheim angeboten.

Aufgehoben wurde dagegen die Wohngruppe Jupiter für Kinder mit schweren Behinderungen weil die Anmeldungen laufend zurück gingen.

Kinderheim Brugg

m Wohnheim des Kinderheims Brugg leben Mädchen und Buben unterschiedlichen Alters, mit und ohne Behinderungen. In der Tagessonderschule werden Kinder und Jugendliche mit sozialen Beeinträchtigungen unterrichtet. In der Notfallgruppe Sternschnuppe werden rund um die Uhr Kinder bis 11 Jahre aufgenommen, die sich in einer akuten Notsituation befinden, die unbetreut oder gefährdet sind. Acht Plätze stehen zur Verfügung. (az)

Im Frühjahr 2011 zeigte das BKS Interesse an einer Notfallgruppe für Kinder im Alter bis 8 Jahre. In den ehemaligen Räumen der Wohngruppe Jupiter wurde Anfang dieses Jahres die Notfallgruppe Sternschnuppe eröffnet. Bereits heute, nach einem halben Jahr, so Patrik, sei die Altersgrenze auf Kinder bis 11 Jahre ausgedehnt worden.

Glücklich zeigte sich der scheidende Stiftungsratspräsident darüber, dass mit Hansjörg Burger ein Nachfolger aus den eigenen Reihen, ein bisheriger Stiftungsrat, das Präsidium übernimmt. Burger wohnt in Erlinsbach AG, war beruflich in unterschiedlichen Funktionen in verschiedenen Institutionen tätig.

Mit dem Kinderheim in Kontakt kam der Treuhänder und Sozialversicherungsfachmann über die Finanzbuchhaltung.

Er habe das Präsidium nicht gesucht, sagte Burger, aber: «Das Kinderheim Brugg ist mir ans Herz gewachsen. Ich freue mich.» Ein Meilenstein werde 2016 das 150-Jahr-Jubiläum sein.