Brugg
Auf ein angenehmes Gruseln: Auf der Bühne tanzen die Vampire

8- bis 15-jährige Kinder zeigen nach einem halbjährigen Musicalworkshop «Dracula» auf der Bühne der Turnhalle Freudenstein. Die Gäste sind begeistert.

Irene Hung-König
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Die Vampire und Jonathan (im weissen Hemd) tanzen zu Songs aus der Rocky Horror Show.

Die Vampire und Jonathan (im weissen Hemd) tanzen zu Songs aus der Rocky Horror Show.

Irene Hung-König

Tanzen, Singen und Schauspielern – das ist für viele Menschen ein Traum. 21 Kinder im Alter zwischen 8 und 15 Jahren lebten diesen Traum und probten während eines halben Jahres einmal wöchentlich zwei Stunden.

Mit «Dracula» zeigten sie eine finstere Geschichte, die mit pointierten Aussagen häufig ihr Witziges hatte. Regisseur Roland Körner, Gesanglehrer Mark B. Lay von «Stimmsitz» und Choreografin Christina Kraushaar hatten eine Gemeinschaft geformt, die sowohl sprachlich als auch tänzerisch überzeugte. «Sie haben schön gespielt, ich bin zufrieden», sagte Roland Körner nach der ersten Vorstellung.

Vampir Charlotte sehnt sich danach etwas von der Welt zu sehen
9 Bilder
Vor der Abreise Jonathan und Mina wollen sich nicht trennen
Zu Thriller-Musik wanken und tanzen die Vampire
Jonathan wird von blutrünstigen Vampiren in die Zange genommen
Mina (vorne) ahnt nichts Gutes die Vampire warten schon
Gräfin Dracula tanzt mit Jonathans Verlobter Mina
Die Vampire und Jonathan (im weissen Hemd) tanzen zu Songs aus der Rocky horror picture show
Die Vampire tanzen vor ihren Betten
Erzähler Jonathan mit Mina (li) Martina und Charlotte (rechts aussen)

Vampir Charlotte sehnt sich danach etwas von der Welt zu sehen

Irene Hung-König

150 Gäste traten am Sonntagnachmittag ins dunkle Schloss der Gräfin Dracula ein. Mit Spinnweben überzogene Vorhänge und Fledermäuse zeigten, dass es sich hier um keinen besonders gemütlichen Ort handelt. Roland Körner wünschte denn auch zu Beginn der Vorstellung «angenehmes Gruseln». Dies stellte sich zum Tanz von Michael Jacksons «Thriller» ein: Die Vampire wankten und tanzten zusammen – das Make-up tat sein Übriges.

Hier Erzähler, dort Schauspieler

Im Stück ging es darum, dass Jonathan für seine Firma nach Transsilvanien zu Gräfin Dracula reisen muss, um ein Grundstück zu verkaufen. Seiner Verlobten Mina schwant Böses, da sie von Albträumen geplagt wird. In Transsilvanien angekommen, wird Jonathan bereits freudig erwartet: von den Dienstmädchen, die ihn umgarnen, um an sein Blut zu kommen. Nach der Bekanntschaft mit Gräfin Dracula ist für ihn klar – er muss hier weg. Begleitet wird er von Vampir Charlotte, die endlich die grosse weite Welt sehen will. Mit ihren 300 Jährchen könne sie sich das schon mal gönnen, findet sie.

Es folgt die Auseinandersetzung mit Gräfin Dracula in Form von mitreissenden Darbietungen aus der «Rocky Horror Show», aber auch einfühlsamen Balladen. Spannend ist, wie das Stück von dem einen Jonathan erzählt und von dem anderen dargestellt wird. Auch die Verlobte Mina, deren Schwester Martina sowie Charlotte sind zweimal auf der Bühne: einmal als Erzählerin mit sehr klarer Sprache und einmal als Schauspielerin und Sängerin.

«Es ist cool gewesen»

Die Gäste in der Turnhalle Freudenstein klatschten, was das Zeug hielt. Die Kinder und Jugendlichen starteten mehrere La-Ola-Wellen für ihre Ausbildner. «Ich war sehr aufgeregt, vor allem in der ersten Szene. Wir konnten alle zusammen etwas auf die Bühne bringen, das war toll», sagte Anne-Sophie (15). Auch für die 14-jährige Wilona und ihre Kollegin Sulamith war das Ganze cool und easy: «Wir waren als Gemeinschaft da, niemand hat den anderen ausgelacht.»

Dem achtjährigen André, der Jonathan spielte, gefällt alles: sprechen, singen und tanzen. «Ich möchte Schauspieler werden», gab er zu. Für Choreografin Christina Kraushaar bestand die Herausforderung darin, mit zwei Generationen zu arbeiten und alles unter einen Hut zu bringen: «Es war schön zu sehen, wie das Ganze zusammenwuchs. Die Kinder mussten begreifen, dass man daran arbeiten muss und vor allem nicht aufgeben darf.»