Schinznach

Auf Du und Du mit Fussball-Legende Eusebio

Portugals Idol: Eusebio bei einemBesuch in New York 2010. HO

Portugals Idol: Eusebio bei einemBesuch in New York 2010. HO

Der Schinznacher Bruno Ecknauer kannte Eusebio, den kürzlich verstorbenen Stürmerstar aus Portugal, persönlich. Er lernte den Stürmer Mitte der Sechzigerjahre schätzen.

Bei Bruno Ecknauer aus Schinznach sind in diesen Tagen die Erinnerungen wach geworden – an seine Zeit in Portugal und an die Begegnungen mit der Fussball-Legende Eusebio. Vor einer Woche ist der Sportler, einst einer der torgefährlichsten Stürmer der Welt, im Alter von 71 Jahren an einem Herzstillstand gestorben.

Ecknauer lernte den Fussballer Mitte der Sechzigerjahre schätzen – als einen sympathischen, bescheidenen und bodenständigen Menschen. «Er war im Umgang völlig unkompliziert und äusserst angenehm», erinnert sich Ecknauer und fügt mit einem Lachen an: «Weil ich kein grosser Fussball-Fan war, habe ich mich mit ihm häufig über ganz alltägliche Themen wie das Essen oder das Wetter unterhalten.»

Der Reihe nach: In Portugal weilte der heute 76-jährige Ecknauer für den damaligen Badener Elektrotechnik-Konzern BBC. In einem Hotel nördlich von Lissabon kam er – «nach der Arbeit beim Nachtessen» – mit dem Fussballspieler ins Gespräch. Eusebio habe den Chef des Hauses gekannt und sei regelmässig zusammen mit seinem Kollegen, dem Goalie seines Vereins Benfica Lissabon, zu Besuch gewesen.

Als Elektromaschinenbauer/Wickler war Ecknauer zuständig für einen Generator, der für das Kraftwerk Tapada do Outeiro bestimmt war. Der Schweizer hatte schliesslich die Idee, der Maschine den Namen «Eusebio2» zu geben – zu Ehren des populären Sportlers. Gemeinsam mit dem Betriebsleiter stellte er ein etwa ein Meter langes Schild her. Auf der linken Seite zu sehen war das Wappen von Portugal, rechts das Wappen der Schweiz und mittendrin in grossen Lettern stand «Eusebio2».

Weil der Generator für die Prüfung ins rund 60 Kilometer entfernte Lissabon gebracht werden musste, wurde auch die Zeitung auf den 100-Tonnen-Koloss mit dem speziellen Namen aufmerksam. Die Freude war so gross, dass dem Generator ein Artikel gewidmet wurde. Fein säuberlich hat Ecknauer ein Zeitungsexemplar aufbewahrt, zusammen mit seinem Arbeitsvisum und seinem Pass. Diese Dokumente seien wichtig gewesen: «Waren sie bei Kontrollen nicht griffbereit, musste man sogar mit einer Verhaftung rechnen.» Sich öffentlich zu politischen Fragen zu äussern, sei übrigens – in der Zeit der Diktatur – nicht zu empfehlen gewesen. Es sei vorgekommen, dass Personen abgeholt und verhört worden seien. Weil er die Sprache gut verstand, hat Ecknauer zwar einiges vernommen, aber: «Ich musste es für mich behalten.»

Der Kontakt zu Eusebio, der 1965 als Europas Fussballer des Jahres ausgezeichnet wurde, sei später abgebrochen. «Ich war in anderen Regionen tätig und wir haben uns aus den Augen verloren», sagt Ecknauer. Alles in allem hielt er sich rund sechs Jahre in Portugal auf und kam in seiner beruflichen Laufbahn in der halben Welt herum. Gerne hätte er die Weltmeisterschaft 1966 in England besucht, als Eusebio mit neun Treffern Torschützenkönig wurde. «Leider hatte ich keine Zeit und kein Geld.»

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1