Die Europäischen Tage des Denkmals unter dem Titel «Oasen» sind lanciert: Beim Südtor in Windisch, auf dem Areal des einstigen römischen Legionslagers Vindonissa, ist am Freitag die Eröffnung gefeiert worden.

Windisch sei eine Kulturoase, stellte Thomas Pauli-Gabi fest, der Leiter der Abteilung Kultur des Kantons Aargau. «Am gleichen Ort haben wir herausragende Kulturgüter aus zwei Epochen, aus der Römerzeit und dem Mittelalter.»

Das Erbe ist in Gefahr

Pauli wies auf das heutige Spannungsfeld hin, die Siedlungsdynamik auf der einen und die hochkarätigen Kulturgüter auf der anderen Seite. «Windisch und speziell diese Archäologiestätte stehen exemplarisch für die grosse Herausforderung, vor der die Denkmalpflege und Archäologie stehen: die Verdichtung der alten Siedlungskerne und damit der Verlust der letzten archäologischen Restflächen sowie des archäologischen, unangetasteten Bodenarchivs.»

Die Europäischen Tage des Denkmals seien ein hervorragendes Instrument, fügte Pauli an, um auf die Bedeutung und die Gefährdung des kulturellen Erbes aufmerksam zu machen.

Lauriane Sallin, Miss Schweiz und Archäologie-Studentin an der Universität Freiburg, ging auf genau dieses kulturelle Erbe ein – auf die Faszination und die Chance, mit dem Wissen über das Vergangene auch die Gegenwart besser verstehen zu können.

Die Schöne und der Legionär: Der Römer hatte ganz offensichtlich Freude am Besuch der Miss Schweiz.

Die Schöne und der Legionär: Der Römer hatte ganz offensichtlich Freude am Besuch der Miss Schweiz.

Damals wars kein Ort der Ruhe

Jean-François Steiert, SP-Nationalrat und Präsident der Nike (Nationale Informationsstelle zum Kulturerbe), machte darauf aufmerksam, dass der Mensch Freiräume brauche, um sich entwickeln und entfalten zu können.

Damals, vor rund 2000 Jahren, sei das laute und hektische römische Heerlager Vindonissa definitiv keine Oase gewesen. Heute bestehe hier ein Ort der Ruhe, der auch an die Geschichte erinnere. «Die Überreste des Römerlagers gehören zu unserem Kulturgut, bereichern unseren Alltag, weil sie erlauben, die Vergangenheit zu vergegenwärtigen.»

Gesagt, getan. Nach den Reden machten sich die Vertreter aus Kultur, Politik und Verwaltung auf zur geführten Besichtigung der «Contubernia», der rekonstruierten Unterkunft auf dem Legionärspfad Vindonissa, wo Lauriane Sallin einer Gruppe anwesender Schülerinnen und Schüler über die Schulter schauen konnte.

In der Folge ging es auf die andere Strassenseite zur Grabung Linde. Hier standen die Vertreter der Kantonsarchäologie Red und Antwort. Sie erklärten, was mit den Funden aus der Römerzeit – «mit diesen erhalten wir einen Einblick in das Leben von früher» – in einem ersten Schritt passiert: Sie werden gewaschen. Lauriane Sallin und eine Schulklasse erhielten denn auch gleich eine Bürste in die Hand gedrückt und durften Keramikscherben oder Tierknochen reinigen.