Brugg

Auf die «Drahtmatratze» folgten Sterne — in diesem Jahr leuchten sie vielleicht zum letzten Mal

Seit genau 50 Jahren sorgt die aktuelle Weihnachtsbeleuchtung in Brugg für Adventsstimmung. Die Sterne kamen bei der Bevölkerung besser an als die ursprünglichen Weihnachtsbäume.

Wie der Blick zurück zeigt, gibt es in Brugg seit 1960 eine Weihnachtsbeleuchtung. Auf Initiative des Pumpenbauers Karl Rütschi erwarb der Gewerbeverein für 15'000 Franken eine Weihnachtsdekoration, wie sie damals in verschiedenen Orten bereits eingeführt waren. Während die Brugger Energieversorgerin IBB für die Stromlieferung zuständig war, übernahm die Einwohnergemeinde die Kosten für Montage und Demontage in der Höhe von rund 2500 Franken.

Das Sujet hatte der Brugger Architekt Ernst Strasser entworfen. Die Firmen Kistler, Strasser & Co. und Kern setzten gemeinsam mit den IBB den Entwurf um. Die dreissig Beleuchtungselemente mit rund 2000 grünen und gelben Lämpchen symbolisierten einen Christbaum und einen Sternenhimmel zugleich. Finanziert wurde die Beleuchtung von kleinen und grossen Geschäften an der Beleuchtungsroute sowie von Spendern, die sich grosszügig dafür eingesetzt hatten.

Für den Abendverkauf gab es Extra-Postautokurse

Die Weihnachtsbeleuchtung sollte auch dazu einladen, den Brugger Abendverkauf zu besuchen. An zwei Donnerstagen blieben die Geschäfte bis um neun Uhr offen. Mit Extra-Postautokursen konnten die Kundinnen und Kunden auf den Bözberg, nach Mönthal und ins Eigenamt heimfahren. Vier Jahre später wurde der Ladenschluss um eine halbe Stunde nach hinten verschoben und zusätzliche Postautokurse über die Bezirksgrenzen hinaus angeboten.

Die Beleuchtung fand nicht überall gleich viel Anklang. Im Volksmund wurde sie häufig «Drahtmatratze» genannt. 1964 wurde deshalb das Muster für eine neue Weihnachtsbeleuchtung installiert. Statt «Sternenglanz» symbolisierten die beleuchteten Punkte eher Weihnachtskugeln und fielen beim Publikum durch.

1969 war die Zeit reif für eine neue Beleuchtung. Auf die Christbäume folgten die Sterne. Die Anschaffung schlug mit 50'000 Franken für 34 Elemente zu Buche. 35'000 Franken steuerte die Zentrumsvereinigung bei, für 15'000 Franken gab der Einwohnerrat grünes Licht.

Reaktionen von Ablehnung bis zu erfreuter Zustimmung

Die Sterne waren in der Bevölkerung beliebt, doch waren sie 1983 in die Jahre gekommen. Ersatz oder Neuanschaffung hiess die Frage. Die Zentrumsvereinigung setzte dazu eine Kommission ein, die als Motiv den Schwarzen Turm auserkor, angereichert mit einem geschweiften Stern. Die neue Beleuchtung sollte auch für andere Gelegenheiten einsetzbar sein, beispielsweise am Jugendfest.

Die IBB realisierte einen Prototyp, der im Sommer aufgehängt wurde. Die Reaktionen reichten von starker Ablehnung bis zur erfreuten Zustimmung. Angesichts der hohen Kosten – gerechnet wurde mit 70'000 bis 100'000 Franken – entschied man, die bestehenden Sterne zu erneuern und später nach einer Ersatzlösung zu suchen. Die IBB entfernte dazu die schadhaften Plastik-Formen und brachte neue Sicherheitsfassungen an.

Der Energieverbrauch sank ab 2011 drastisch

1985 wurden stärkere Lämpchen eingesetzt und später kamen noch die Girlanden dazu, um die Leuchtkraft zu verstärken. Die anfängliche Übergangslösung kam in der Bevölkerung so gut an, dass die Sterne bis heute das Brugger Strassenbild zur Adventszeit prägen.

Im Laufe der Jahre wurden immer wieder die notwendigen Revisionsarbeiten vorgenommen. Ab 2011 wurden die ehemaligen 15-Watt-Birnen durch 2-Watt-LED-Birnen ersetzt, wodurch der Energieverbrauch von 22000 Kilowattstunden auf rund 2900 Kilowattstunden gesenkt werden konnte. Seither wirken die Sterne zwar etwas kälter, doch sorgen sie inzwischen seit einem halben Jahrhundert für eine vertraute Adventsstimmung.

* Titus J. Meier ist Historiker, Politiker sowie Lehrer und lebt in Brugg.

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