Etwas komisch kommt Carlos Destar die Sache schon vor. «Du musst das Glas fallen lassen», erklärt ihm Regisseurin Alma Jongerius. «Richtig?», fragt er skeptisch. Lieber stellt er es vorsichtig hin. Schliesslich lässt er sich doch noch überzeugen. Im zweiten Anlauf fliegt das Glas und zerbirst auf dem Boden.

Konzentriert proben die zwölf Schauspieler der Insieme-Theatergruppe Brugg-Windisch gemeinsam mit vier Laienschauspielern ihr neustes Stück. Jeden Montag treffen sie sich von 17 bis 19 Uhr in einem Raum im Café Mikado in Windisch. Seit letzter Woche wird allerdings am Aufführungsort, dem Salzhaus Brugg, geprobt. Denn bis zur Premiere am Samstag, 27. Januar, dauert es nicht mehr lange.

«Wir sind froh, dass uns der Verein Salzhaus entgegenkommt», sagt die Projekt- und Produktionsleiterin Beatrice Steiner. «Denn die Umstellung auf die Bühne braucht etwas Zeit.» Die Mitglieder der Insieme-Theatergruppe haben es nämlich gerne immer gleich. Hier läuft eben vieles ein bisschen anders ab. Jongerius und Steiner versuchen, jede Person auf ihrem Niveau abzuholen.

Allen Beteiligten einfach einen Text in die Hand zu drücken, den sie auswendig lernen sollen, geht nicht. Zudem gilt es, körperliche Beeinträchtigungen zu berücksichtigen. Zum Beispiel muss eine Schauspielerin, die eine starke Sehbehinderung hat, auf der Bühne stets von jemandem begleitet werden.

Von den Schauspielern inspiriert

«So ein Glück» heisst das Stück, das aktuell geprobt wird. Jongerius hat es nach einer längeren Improvisationsphase geschrieben und mit den Schauspielern zusammen erarbeitet. Diese haben sie auch auf das Thema «Glück» gebracht. «Viele Leute haben das Gefühl, Menschen mit Behinderung müssten traurig sein, weil sie viele Einschränkungen haben», erklärt Jongerius, «aber ich empfinde die Menschen hier als glücklich.»

Impressionen von den Proben der insieme-Theatergruppe Brugg-Windisch

Impressionen von den Proben der insieme-Theatergruppe Brugg-Windisch

In ihr Werk hat sie immer wieder Originalaussagen der Gruppenmitglieder eingeflochten. Zum Beispiel, wenn diese erzählen, was sie glücklich macht: Schlitten fahren, das Training im Turnverein oder wandern. Überraschend simple und alltägliche Dinge. Ob es Materielles braucht oder um Einfachheit geht, ist denn auch die zentrale Frage dieser Theateraufführung, die an das Märchen «Hans im Glück» angelehnt ist.

Hans reicht es. Er kündigt seinen Job in der Kabelwerkstatt und erhält als Lohn für die geleistete Arbeit eine goldene Kabelrolle. Nun möchte er heim zu seiner Mutter und marschiert los. Doch die Kabelrolle ist schwer und er tauscht sie nur zu gerne gegen einen Bus ein. Für diesen wiederum erhält er später ein Velo und so geht der Tauschhandel munter weiter.

Diese Geschichte ist bereits das sechste Stück, das die Insieme-Theatergruppe einstudiert hat. Entsprechend sicher wirken einige Schauspieler, andere brauchen noch etwas mehr Unterstützung bei ihrem Einsatz. Eines haben aber alle gemeinsam: Sie sind mit viel Freude dabei. Das wird auch deutlich durch Carlos Antwort auf die Frage, was ihm am Theaterspielen gefalle: «Alles», sagt er und strahlt.

Der 38-Jährige spielt dieses Jahr bereits zum dritten Mal mit. Wie die anderen Schauspieler hat er hier verschiedene Rollen: Am Abschiedsapéro von Hans serviert er die Getränke, als Werbefachmann macht er Reklame für eine Zahnpasta und als Hippie raucht er im Bus einen Joint. Dabei nützt er die Gelegenheit und drückt verstohlen die Hand seiner Freundin, die ebenfalls im Bus sitzt. «Die guten Leute» sind auch ein Grund, wieso Carlos immer wieder gerne an die Proben geht. Aber nicht nur, er fügt an: «Wenn ich auf der Bühne stehe, fühle ich mich lustig, fröhlich und friedlich.»

Das ist ihm deutlich anzumerken. Besonders als er ganz vorne steht und dem, noch imaginären, Publikum voller Freude von einem Erlebnis berichtet, das ihn glücklich gemacht hat: als er mit einem Bauern Traktor fahren durfte.

Vorstellungen sind am 27. Januar um 19 Uhr, am 28. Januar und 4. Februar um 15 Uhr im Salzhaus Brugg. Reservation unter info@insieme-rbw.ch.