Werner Ammann ist Musiker mit Leib und Seele, seine Begeisterung wirkt ansteckend: «Bei der Musik geht es um die pure Energie», sagt der 60-jährige Brugger und der Schalk blitzt in seinen Augen. «Bei mir passiert vieles spontan. Ich handle einfach, ohne zuerst zweimal zu überlegen.»

Quelle: youtube/Simeon Meier

Herodes: The Train Kept A Rollin

Kein Wunder, ist die Gruppe Brugglyn Blue, in der Ammann Gitarre spielt, spontan entstanden. Genau wie der Name. «Dieses Wortspiel ist ziemlich schnell als Idee aufgetaucht», sagt Ammann und meint: «Die ersten Ideen sind doch häufig die besten.» Ins Spiel gebracht wurde der Ausdruck «Brugglyn» – der aus der hiesigen Hip-Hop-Szene stammt – vom Sohn des Sängers und Bassisten Warwick Richard. «Ironisch, ein bisschen abschätzig und trotzdem liebevoll: Für mich spiegelt der Name die typische Beziehung, die viele Brugger zu ihrer Stadt haben», meint Richard.

«Wir spielen gerne in Clubs»

Vor knapp drei Jahren – nach nur einer Probe notabene – bestanden Brugglyn Blue mit Schlagzeuger Djamal Moumene als Dritter im Bunde sowie mit Gastsängerin Laura Schönenberger die Feuertaufe beim ersten Auftritt in Brugg. Inzwischen kann die Gruppe auf ein treues, begeistertes Publikum zählen und ist in der näheren und weiteren Umgebung herumgekommen. «Wir spielen gerne in Clubs und Beizen. Dort kann man sich so geben, wie man ist, braucht keine Show abzuziehen», stellt Gitarrist Ammann fest und ergänzt: «Wir sind eine richtige Live-Band und können improvisieren.»

Quelle: youtube/Simeon Meier

Herodes: Boogie

Den Beweis liefert die brandneue CD «52 Minutes», die live im River’s Pub in Brugg aufgenommen wurde. Die Bandmitglieder waren so angetan vom Konzertmitschnitt dass sie – spontan, wen wunderts – entschieden, eine CD zu brennen. Den Fans scheints zu gefallen. Ammann hat schon die ersten Tage nach der Veröffentlichung einen ganzen Stapel unter die Leute bringen können. Zu kaufen ist das Werk im River’s Pub, bei Müller und Spring sowie bei Youcinema in Brugg.

Einmal pro Woche wird gejammt

Die Bandmitglieder teilen – trotz ihres unterschiedlichen Alters – den gleichen Musikgeschmack: Bluesrock. Gespielt werden die Songs der Idole Jimi Hendrix, Eric Clapton, Jeff Beck, Jimmy Page, Stevie Ray Vaughan, Elmore James, B.B. King... «Unser sehr talentierter Schlagzeuger fährt trotz seines jugendlichen Alters voll auf die Gitarristen der Sechziger- und Siebzigerjahre ab», sagt Ammann und lacht: «Ich könnte nicht nur sein Vater, sondern sogar sein Grossvater sein.»

Ein grosser Pluspunkt für die Band ist laut Ammann, dass mit Warwick Richard ein gebürtiger Australier am Mikrofon stehe. «Mit seiner Aussprache, seinem Englisch, tönt es einfach echt, nach richtigem Bluesrock.» Richard ist es übrigens auch, der für die grafische Umsetzung des CD-Covers «52 Minutes» verantwortliche zeichnete.

Und wer wählt die Stücke aus, die an den Konzerten gespielt werden? «Jeder kann Vorschläge machen. Einmal pro Woche wird gejammt und es zeigt sich, was passt», erklärt Ammann. «Alle sind gleichberechtigt, einen Chef gibt es bei uns nicht.»

Hauptsache, es läuft etwas

Ammann ist seit den Sechzigerjahren in der Schweizer Rockszene aktiv, spielte in diversen Bands, stand schon mit national und international bekannten Grössen auf der Bühne und hat als Musiklehrer – heute in Brugg – immer wieder mit seinen Schülern Bands zusammengestellt sowie die Infrastruktur und seinen Rat zur Verfügung gestellt. «Hauptsache ist, dass etwas läuft, dass etwas unternommen wird. Schön ist es, wenn man die Jungen für die Musik begeistern und ihnen vielleicht auch eine Plattform bieten kann.»

Welche Ziele haben sich Brugglyn Blue gesetzt? «Wir möchten noch lange Musik machen und in nächster Zeit möglichst oft auftreten», sagt Ammann. «Wir möchten unseren Namen bekannter machen.» Eine gute Gelegenheit, Brugglyn Blue live zu hören, ist das Konzert am Brugger Fest am 30. Mai des nächsten Jahres. Just an diesem Tag, an dem Ammann seinen 61. Geburtstag feiern kann. Ein Umstand, der für einmal aber nichts mit seiner Spontaneität zu tun hat. «Das ist purer Zufall.» Und wieder blitzt der Schalk in seinen Augen.