Brugg-Windisch

Auf den Spuren der alten Römer: Kantonsarchäologie buddelt Wasserleitung aus

Jürgen Trumm von der Kantonsarchäologie präsentiert die Römerleitung. Bild: Edgar Zimmermann

Jürgen Trumm von der Kantonsarchäologie präsentiert die Römerleitung. Bild: Edgar Zimmermann

Eine führt heute noch Wasser, die andere ist trockengelegt. Die «tote Wasserleitung» können Archäologen in diesen Tagen untersuchen und dokumentieren.

Neben der bekannteren, noch heute Wasser führenden Leitung hatten die Römer eine zweite erstellt, die parallel zur andern verläuft, heute aber trockengelegt ist und deshalb als «tote Wasserleitung» gilt. Sie ist mindestens 3,3 km lang, qualitativ hervorragend gebaut, mit Kontrollschächten bestückt und lieferte vor rund 2000 Jahren das Wasser über eine Aquäduktbrücke beim heutigen Harmonie-Kreisel ins Legionslager.

Wie Jürgen Trumm, wissenschaftlicher Leiter der Ausgrabungen Vindonissa, bei einem Augenschein erklärte, bezog diese Leitung das Wasser vermutlich über den aufgestauten Süssbach im Gebiet Guggerhübel bei Lupfig, durchquerte dann Hausen, wo sie bei Bauvorhaben wiederholt zum Vorschein kam und zum Teil zerstört wurde.

Bei Aushub für Hausanbau an Ölackerstrasse entdeckt

Freigelegt wurde sie nun auch beim Aushub für einen Hausanbau an der Ölackerstrasse in Windisch. Der Verlauf war der Kantonsarchäologie bekannt, sind doch beide Leitungen – in diesem Gebiet 30 Meter voneinander entfernt – weitgehend auf einem Plan aus dem Jahr 1778 eingetragen. Beim Bau des Windischer Einfamilienhauses in den frühen Fünfzigerjahren wurde der Kanal angeschnitten und zum Teil entfernt, da er der Hausecke Platz machen musste.

Dank dem guten Einvernehmen mit der Bauherrschaft wurde beim Aushub Rücksicht genommen, sodass die Archäologen nun das – notabene nicht unter Schutz stehende – Teilstück untersuchen und vermessen können. Der vordere Abschnitt ist 9 Meter lang und liegt nur einen Meter unter dem Boden, zwei weitere sichtbare Meter bilden die Fortsetzung auf der anderen Hausseite als Zwischenglied bis zu einer römischen Wasserkammer etwa 50 m weiter nördlich.

Das Gefälle beträgt bei der nun freigelegten Leitung fast 1 Prozent gegenüber üblicherweise 5 Promille. Erhalten ist hier nur noch die eine Hälfte der früher je 1,5 Meter breiten und hohen Leitung, heisst die rechte Wange mit dem roten Ziegelschrot-Mantel und die Kanalsohle. Die Deckplatten fehlen vollständig. Auf der Sohle finden sich Sinterablagerungen, die bezeugen, dass jahrhundertelang Wasser transportiert wurde.

Archäologisch und historisch wertvoll

Spuren von Tonröhren lassen darauf schliessen, dass – wie bei der wasserführenden Leitung – vermutlich im Mittelalter oder in neuerer Zeit Tonröhren im wohl verschlammten Kanal eingelegt wurden, die das Wasser alsdann aufs Klosterareal und/oder ins Dorf lieferten. Ob die nunmehr ausgegrabene Leitung redimensioniert erhalten bleiben kann, ist momentan offen.

Wie erwähnt ist die wasserführende Leitung, die im Untergeschoss der Sanavita-Alterssiedlung zu besichtigen ist, bekannter und spektakulärer. Doch sie befindet sich nicht auf allen Abschnitten im römischen Originalzustand. Demgegenüber ist die «tote» Leitung, wo sie erhalten blieb, noch vollständig original römisch und somit archäologisch und historisch ebenfalls sehr wertvoll.

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