Mülligen
Auf den A3-Horrorcrash folgt die grosse Schuldfrage

Am vergangenen Wochenende standen auf der A3 Patrouillen der Kantonspolizei und der Feuerwehr sowie mehrere Ambulanzen standen im Einsatz. Doch wie ermittelt die Polizei nun den oder die Schuldigen nach dem Unfall?

Michael Hunziker
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Karambolage auf der A3 bei Birrfeld
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Karambolage auf der A3 bei Birrfeld
Karambolage auf der A3 bei Birrfeld
Karambolage auf der A3 bei Birrfeld
Karambolage auf der A3 bei Birrfeld
Karambolage auf der A3 bei Birrfeld
Karambolage auf der A3 bei Birrfeld
Karambolage auf der A3 bei Birrfeld
Unfall auf der A3
Karambolage auf der A3 bei Birrfeld
Karambolage auf der A3 bei Birrfeld
Karambolage auf der A3 bei Birrfeld
Karambolage auf der A3 bei Birrfeld
Karambolage auf der A3 bei Birrfeld
Karambolage auf der A3 bei Birrfeld
Karambolage auf der A3 bei Birrfeld
Karambolage auf der A3 bei Birrfeld

Karambolage auf der A3 bei Birrfeld

Peter Rippstein

Die Autofahrer wurden überrascht kurz vor 23 Uhr am Samstag auf der Autobahn zwischen Birrfeld und Brugg: Wegen des plötzlich auftretenden dichten Nebels bremsten die ersten Fahrzeuglenker vermutlich ab, die dahinter folgenden bemerkten dieses Manöver zu spät. Auf dem Gemeindegebiet Mülligen kam es in der Folge zu einer Massenkarambolage.

Patrouillen der Kantonspolizei und der Feuerwehr sowie mehrere Ambulanzen standen im Einsatz. Der betroffene Autobahnabschnitt musste über Stunden beidseitig gesperrt werden.
Ein solches Ereignis stelle überaus hohe Anforderungen an Polizei und Rettungskräfte, sagt Bernhard Graser, Mediensprecher der Kantonspolizei Aargau.

Aber: «Ein Verkehrsunfall mit einem Dutzend beteiligter Fahrzeuge und mehreren Verletzten ist aussergewöhnlich und zum Glück eher selten.» Angesprochen auf die Schuldfrage, antwortet Graser: «Ungeachtet der Anzahl beteiligter Fahrzeuge stellen sich bei solchen Unfällen eigentlich immer die gleichen zentralen Fragen: War die Geschwindigkeit den Verhältnissen angepasst? Waren die Beteiligten genügend aufmerksam? Waren sie in der Lage, ihr Fahrzeug zu beherrschen? Waren sie fahrfähig?»

Für die Autofahrer gibt es Herbsttipps

Es sei grundsätzlich wichtig, Fahrweise und Geschwindigkeit stets den Strassen- und Sichtverhältnissen anzupassen, sagt David Venetz, Mediensprecher beim Touring-Club Schweiz (TCS). Gerade im Herbst, wenn die Tage kürzer werden und Nebel oder erste Schneefälle die Sicht erschweren, sei eine vorausschauende Fahrweise sehr empfehlenswert. Der TCS publiziert jeweils Herbsttipps für die Verkehrsteilnehmer. Hingewiesen wird in diesen – unter anderem – auf die schwierigen Verhältnisse wie Schleuder-, Aquaplaning- oder Wildwechsel-Gefahr sowie auf die längeren Bremswege wegen Nässe, Laub oder Schmutz auf der Fahrbahn. Der TCS empfiehlt den Autofahrern, im Oktober die Winterpneus mit mindestens 4 Millimetern Restprofil zu montieren, Eiskratzer, Schneeketten und Überbrückungskabel mitzuführen, eine Kontrolle von Beleuchtung, Batterie und Scheibenwischern durchzuführen sowie frostsicheres Scheibenwaschmittel aufzufüllen. (mhu)

Rapport dient als Grundlage

Die Klärung dieser Punkte werde bei derart vielen, ineinander verschachtelten Autos zu einer komplexen Angelegenheit, räumt der Kapo-Mediensprecher ein und fügt an: «Bei Auffahrkollisionen, wie sie gerade auf Autobahnen häufig sind, trifft das Verschulden meist die nachfolgenden Fahrzeuglenker. Bei Mehrfach-Kollisionen gibt es jedoch stets auch Beteiligte, die schuldlos von hinten ins Heck des vorderen Autos geschoben oder von schleudernden Fahrzeugen getroffen werden.» Mit einer gründlichen Beweissicherung sowie der detaillierten Befragung sämtlicher Personen versuche die Polizei, diesen buchstäblichen Knäuel zu entwirren.

Die Polizei führe die sogenannte Tatbestandsaufnahme immer nach den gleichen Grundsätzen durch, fährt Graser fort. Dabei hätten natürlich die Umstände – wie beispielsweise die Anzahl Toter oder Verletzter, die Anzahl beteiligter Fahrzeuge, der Umfang des Sachschadens oder aber schwere Störungen des Verkehrs und die Einflüsse auf die Umwelt – entscheidenden Einfluss auf das Vorgehen und die eingesetzten Mittel.

Genauso komplex wie die polizeiliche Tatbestandsaufnahme sei bei solchen Massenkarambolagen die Schadensregulierung, ergänzt der Mediensprecher. Grundsätzlich aber, erklärt Graser, trage die Haftpflichtversicherung des Unfallverursachers den Schaden an den anderen Fahrzeugen. «Der Polizeirapport bildet eine wichtige Grundlage für diese versicherungsrechtlichen Aspekte.»

Jede Ablenkung ist tabu

Herbst bedeute allgemein schlechtere Strassen- und Sichtverhältnisse, gibt Graser zu bedenken. «Nicht oft genug können wir betonen, wie wichtig es ist, die Geschwindigkeit stets diesen Umständen anzupassen. Gerade bei schlechter Sicht muss die Aufmerksamkeit zudem voll und ganz der Strasse gehören.» Ablenkung durch Telefon oder Mitfahrer sei tabu.

Kommt es bei schlechten Sichtverhältnissen zu einer Karambolage, sei es wichtig, zuerst – aufrecht – im Auto sitzen zu bleiben, sagte René Altschul, Chefinstruktor Aus- und Weiterbildung TCS Sektion Aargau, gegenüber dem Fernsehsender Tele M1. Fahren keine Autos mehr auf, kann das eigene Fahrzeug verlassen werden und es sind weitere Massnahmen gefragt: Polizei alarmieren oder Verletzten helfen.

Drei Bedingungen müssen erfüllt sein, damit sich so dichter Nebel bildet wie am Samstag in Mülligen, sagte Géraldine Schnyder, Meteorologin Meteo News, gegenüber «Tele M1». Einerseits müsse die Temperatur sinken, andererseits brauche es viel Luftfeuchtigkeit und dazu sollten drittens möglichst windstille Verhältnisse herrschen. Ob und wo sich – innert kürzester Zeit – Nebel oder gar eine Nebelwand bilde, hänge mit der Landschaft zusammen. Geradezu prädestiniert sei eine Muldenlage.