Die Autofahrer wurden überrascht kurz vor 23 Uhr am Samstag auf der Autobahn zwischen Birrfeld und Brugg: Wegen des plötzlich auftretenden dichten Nebels bremsten die ersten Fahrzeuglenker vermutlich ab, die dahinter folgenden bemerkten dieses Manöver zu spät. Auf dem Gemeindegebiet Mülligen kam es in der Folge zu einer Massenkarambolage.

Massencrash bei Mülligen

Massencrash bei Mülligen

Vermutlich wegen dichtem Nebel knallen auf der A3 12 Autos ineinander. Eine solch lokale und dichte Nebelbank haben auch erfahrene Lenker noch nie gesehen.

Patrouillen der Kantonspolizei und der Feuerwehr sowie mehrere Ambulanzen standen im Einsatz. Der betroffene Autobahnabschnitt musste über Stunden beidseitig gesperrt werden.
Ein solches Ereignis stelle überaus hohe Anforderungen an Polizei und Rettungskräfte, sagt Bernhard Graser, Mediensprecher der Kantonspolizei Aargau.

Aber: «Ein Verkehrsunfall mit einem Dutzend beteiligter Fahrzeuge und mehreren Verletzten ist aussergewöhnlich und zum Glück eher selten.» Angesprochen auf die Schuldfrage, antwortet Graser: «Ungeachtet der Anzahl beteiligter Fahrzeuge stellen sich bei solchen Unfällen eigentlich immer die gleichen zentralen Fragen: War die Geschwindigkeit den Verhältnissen angepasst? Waren die Beteiligten genügend aufmerksam? Waren sie in der Lage, ihr Fahrzeug zu beherrschen? Waren sie fahrfähig?»

Rapport dient als Grundlage

Die Klärung dieser Punkte werde bei derart vielen, ineinander verschachtelten Autos zu einer komplexen Angelegenheit, räumt der Kapo-Mediensprecher ein und fügt an: «Bei Auffahrkollisionen, wie sie gerade auf Autobahnen häufig sind, trifft das Verschulden meist die nachfolgenden Fahrzeuglenker. Bei Mehrfach-Kollisionen gibt es jedoch stets auch Beteiligte, die schuldlos von hinten ins Heck des vorderen Autos geschoben oder von schleudernden Fahrzeugen getroffen werden.» Mit einer gründlichen Beweissicherung sowie der detaillierten Befragung sämtlicher Personen versuche die Polizei, diesen buchstäblichen Knäuel zu entwirren.

Die Polizei führe die sogenannte Tatbestandsaufnahme immer nach den gleichen Grundsätzen durch, fährt Graser fort. Dabei hätten natürlich die Umstände – wie beispielsweise die Anzahl Toter oder Verletzter, die Anzahl beteiligter Fahrzeuge, der Umfang des Sachschadens oder aber schwere Störungen des Verkehrs und die Einflüsse auf die Umwelt – entscheidenden Einfluss auf das Vorgehen und die eingesetzten Mittel.

Genauso komplex wie die polizeiliche Tatbestandsaufnahme sei bei solchen Massenkarambolagen die Schadensregulierung, ergänzt der Mediensprecher. Grundsätzlich aber, erklärt Graser, trage die Haftpflichtversicherung des Unfallverursachers den Schaden an den anderen Fahrzeugen. «Der Polizeirapport bildet eine wichtige Grundlage für diese versicherungsrechtlichen Aspekte.»

Jede Ablenkung ist tabu

Herbst bedeute allgemein schlechtere Strassen- und Sichtverhältnisse, gibt Graser zu bedenken. «Nicht oft genug können wir betonen, wie wichtig es ist, die Geschwindigkeit stets diesen Umständen anzupassen. Gerade bei schlechter Sicht muss die Aufmerksamkeit zudem voll und ganz der Strasse gehören.» Ablenkung durch Telefon oder Mitfahrer sei tabu.

Was tun bei einer Massenkarambolage?

Was tun bei einer Massenkarambolage?

Im schlimmsten Falle entscheidet das Verhalten des Fahrers über Leben und Tod. Gerade am Wochenende kam es in Mülligen zu einem Unfall mit 12 Fahrzeugen.

Kommt es bei schlechten Sichtverhältnissen zu einer Karambolage, sei es wichtig, zuerst – aufrecht – im Auto sitzen zu bleiben, sagte René Altschul, Chefinstruktor Aus- und Weiterbildung TCS Sektion Aargau, gegenüber dem Fernsehsender Tele M1. Fahren keine Autos mehr auf, kann das eigene Fahrzeug verlassen werden und es sind weitere Massnahmen gefragt: Polizei alarmieren oder Verletzten helfen.

Drei Bedingungen müssen erfüllt sein, damit sich so dichter Nebel bildet wie am Samstag in Mülligen, sagte Géraldine Schnyder, Meteorologin Meteo News, gegenüber «Tele M1». Einerseits müsse die Temperatur sinken, andererseits brauche es viel Luftfeuchtigkeit und dazu sollten drittens möglichst windstille Verhältnisse herrschen. Ob und wo sich – innert kürzester Zeit – Nebel oder gar eine Nebelwand bilde, hänge mit der Landschaft zusammen. Geradezu prädestiniert sei eine Muldenlage.

Gefahr: Spontane lokale Nebelbank

Gefahr: Spontane lokale Nebelbank

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