Bauer Unser

Auf dem Loorhof gibts zwar keine Milch, aber jede Menge Äpfel

Im Loorhof setzt die Familie Suter vor allem auf Obstbau – die Milchwirtschaft hat sie aufgegeben.

Landwirte sind seit mehreren Jahren unter Druck: Wenn sie sich nicht spezialisieren und effizienter produzieren, ist auf dem Markt kein Platz mehr für sie. Wer sich eine Nische ausgesucht und sich darin vertieft hat, konnte überleben. Noch schöner sind da die Beispiele, in denen Betriebe nicht nur einfach weiterbestehen, sondern sich originell entfalten konnten.

Dazu zählt der Loorhof in Lupfig. Vor knapp vier Jahren beschloss die Familie Suter, ihren Betrieb in Birmenstorf aufzugeben und in Lupfig den Loorhof zu übernehmen. Die Milchwirtschaft liessen sie sein und setzten fortan auf Obstbau und Direktvermarktung im Hofladen. Dass ihr neuer Hof gleich an der Hauptstrasse liegt, kam ihnen da optimal entgegen.

Zukunft aktiv angegangen

Wenn man heute den liebevoll, mit vielen Kürbissen herbstlich dekorierten Hofladen sieht, denkt man sich gar nicht, wie viel Arbeit bis dorthin nötig war. «Mein Mann kam im Haus in Birmenstorf zur Welt, der ganze Hof war mit vielen Kindheitserinnerungen verbunden. Der Schritt, wegzuziehen, war nicht einfach», sagt Yvonne Suter.

Ihr Sohn Andreas soll in den nächsten Jahren den Hof übernehmen. Hätte die Familie den Umzug nicht gewagt, wäre sein Weg wohl ein anderer gewesen. «In Birmenstorf war es schwierig, eine Zukunft zu sehen. Und wenn du als Junger keine Zukunft siehst – ich weiss nicht, ob ich den Hof übernommen hätte», sagt er. Das Gebäude war alt, für eine rentable Milchwirtschaft samt den nötigen Tierschutz-Anpassungen hätte man alles vergrössern müssen. Das heisst: viel Geld investieren. «Mit dem Milchpreis von damals und der Aussicht, dass er weiter sinken würde, hätte dies niemals rentiert.»

Beim Obst hingegen sind die Preise stabiler. Dazu kommt noch ein nicht zu unterschätzendes Detail: Obstwirtschaft erlaubt etwas mehr Freizeit. «Ich vermisse die Arbeit mit den Tieren, aber zu den Kühen muss man wirklich jeden Tag schauen und heute können wir uns immerhin den Sonntag freinehmen», sagt Andreas Suter.

Ernte mithilfe von Maschinen

Ein Landstück in Birmenstorf konnte die Familie behalten und weiter bewirtschaften. Mit insgesamt sechs Hektaren befindet sich der Loorhof Lupfig unter den drei grössten Apfelproduzenten im Kanton. Die Ernte wird heute mithilfe von einer Hebebühne gemacht. Solche Maschinen zu unterhalten, lohnt sich finanziell nur bei einer grösseren Fläche. Ein Teil der Ernte geht an Grossverteiler wie Coop, ein weiterer Teil kann die Familie direkt an vereinzelte Volg-Läden liefern. Der Rest wird im Hofladen vermarktet.

Der Trend vom Einkaufen direkt beim Landwirt kommt ihnen da entgegen. Zudem gilt der Apfel als Lieblingsfrucht der Schweizerinnen und Schweizer: 15 Kilogramm pro Kopf essen sie im Schnitt jedes Jahr. 20 Sorten Äpfel baut die Familie Suter insgesamt an. Im Hofladen hat man derzeit die Auswahl zwischen 13 Sorten. Dazu kommt der bereits mit einer Goldmedaille gekürte Süssmost, für den Yvonne Suter besonders wirbt. «Viele Kunden sind erstaunt darüber, dass wir den so süss hinkriegen. Es ist aber wirklich 100 Prozent reiner Apfelsaft ohne zusätzlichen Zucker.»

Jedem seine eigene Nische

Nebst Äpfeln baut die Familie Suter auch Birnen, Kirschen oder Erdbeeren an. Ausserhalb der Saison findet man Zwetschgen oder Erdbeeren auch gedörrt. Hinzu gesellen sich noch hausgemachte Konfitüre und Sirup. Spargeln, Rhabarber oder Bohnen kommen ebenfalls vom Hof. Zusätzliches Gemüse, Eier oder neu auch etwas Fleisch kaufen sie bei benachbarten Betrieben zu. «Wir müssen im Laden schon ein gewisses Grundangebot haben», sagt Yvonne Suter.

Selbst regional hergestellte Glace findet man dort, hergestellt von einem Betrieb in Mägenwil, der die Erdbeeren vom Loorhof verarbeitet. Die Region zu fördern, liegt den Suters am Herzen. «Ich frage mich immer wieder, warum hierzulande an Apéros statt Orangensaft nicht Apfelsaft serviert wird. Das passt ja viel mehr zu uns», sagt sie.

Saisonal bedingt stehen im Laden nun die Kürbisse im Vordergrund. Im Winter verkauft die Familie Brennholz und Lagergemüse. Für die Zukunft denkt Andreas Suter über einen Ausbau des Ladens nach. «Wir brauchen mehr Platz, um die Produkte besser zu präsentieren.» Sonst scheint der Fortbestand des Betriebs für seine Generation gesichert. «Es ist gut, wenn jeder Landwirtschaftsbetrieb seine eigene Nische findet. Dann kommen wir uns nicht in den Weg.»

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