Oberflachs
Auf dem Hof Kasteln säen die Besucher den Urdinkel von Hand

Zum 700-Jahre-Jubiläum der Mühle Schinznach gab der Förderverein Werkstatt Schenkenbergertal einen Einblick in den Getreideanbau. So durften sich die Besucher auf dem Hof Kasteln einmal selber als Saatmaschinen betätigen.

Manuel Hediger
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Hof Kasteln
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Beim Säen von Hand ist Präzision gefragt
Fürs Säen von Hand ist niemand zu jung
Das Ziel war eine gleichmässige Verteilung der Samen
Die Besucher verteilten die Samen aus einem Hut

Hof Kasteln

Manuel Hediger

Nach dem Motto «Zukunft säen» wurde jung und alt auf einem Feld oberhalb des Hof Kasteln die Möglichkeit geboten, bei der Nahrungsmittelproduktion einmal selbst Hand anzulegen. Mit der einzigen Auflage, auf einem abgesteckten Feld mit einer Fläche von einem Drittel Are, den Samen möglichst gleichmässig zu verteilen. So erhielt jeder Besucher einen Hut, gefüllt mit 600 Gramm Urweizensamen. Es war dann den Teilnehmern selbst überlassen, mit welchen Techniken sie die Saat durch die Finger gleiten liessen. Kreativität, Leidenschaft und etwas Präzision waren gefragt. Dass Fränzi Meier aus Birmenstorf als Startschuss mit einem Jodelruf das Schenkenbergertal erhellte, gab dem Vergnügen zusätzlich einen traditionellen Charakter.

Das gesäte Getreide, Einkorn, ist eine Art Urweizen, die neben Emmer und Dinkel eine der Spezialitäten des Hofs Kasteln ist. Man findet auf dem Markt kaum noch Backwaren, die daraus hergestellt werden. Beim Hof Kasteln sind diese traditionellen Getreidesorten jedoch ein Aushängeschild. Zum Beispiel wird Knäckebrot daraus gemacht, der wichtigste Absatz der Kastler Urweizen ist aber die Produktion der gleichnamigen Biersorte von Müllerbräu.

Bei der Aktion «Zukunft säen» ging es darum, den Besuchern einen Bezug zum Anbau von Nahrungsmitteln zu ermöglichen. Neben der Sensibilisierung für das Bewusstsein der Herkunft von Nahrung war auch eine Kritik an der rechtlichen Entwicklung zugunsten von Gentechnologie-Betrieben und deren Auswirkung auf das Geschäft der Biobauern Teil der Botschaft. «Wir wollen das Recht haben, Samen aus eigener Ernte zu gewinnen und damit zu wirtschaften», sagt Bruno Stadler, Betreiber des Hofs Kasteln.

Mühle feiert Jubiläum

Die Aktion kam bei den Besuchern sehr gut an. Es machen Bemerkungen wie «Es ist nicht selbstverständlich, etwas zu essen zu haben» – «Saat muss jeder mal in den Händen gehabt haben» – oder – «Man muss wissen, woher die Nahrung kommt» – die Runde.

Was mit der Aktion von Hand gesät wurde, bleibt nun fast ein Jahr lang praktisch unberührt, denn Urweizen gedeihen am besten, wenn man ihn einfach machen lässt, so Stadler. Geerntet wird nächsten Juli. Hinter der Aktion stand der Förderverein Werkstatt Schenkenbergertal, Betreiber der mittleren Mühle Schinznach, der sie im Rahmen eines Jubiläums organisierte: Vor 700 Jahren wurde die mittlere Mühle Schinznach, die heute noch in Betrieb ist, das erste Mal urkundlich erwähnt. Mit ihr wird nämlich das in Kasteln angebaute Getreide gemahlen.