Auenstein
Auenstein: Aus der Bubentraum – das «Höttli» wird abgerissen

Vor mehr als einem Jahrzehnt haben einige Buben zwischen neun und zehn Jahren einen Traum realisiert und ihre Waldhütte gebaut: Nun soll das«Höttli» verschwinden.

Michael Küng
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Das Höttli-Komitee: Philip Klöti, Dominic Müller, Reto Brugger, Michael Müller, Thomas Joho, Raffael Spühler, Silvan Spühler. mik

Das Höttli-Komitee: Philip Klöti, Dominic Müller, Reto Brugger, Michael Müller, Thomas Joho, Raffael Spühler, Silvan Spühler. mik

Mit Pickel und Schaufel schütteten die Buben an einem Waldhang den Boden auf, trugen Bodenplatten heran und erkundigten sich bei Firmen nach Abfallholz, das sie für ihre Hütte verwenden könnten. Inzwischen gehören ein Holzofen, eine Bar, elektrisches Licht, zwei Stromaggregate und zwei kleine Sitzplätze mit Cheminée zur Ausstattung der Hütte.

Damit soll nun bald Schluss sein. Denn als die Jugendlichen wegen eines Einbruchs in der Hütte Anzeige erstatteten, informierte die Regionalpolizei den Gemeinderat über die ungewöhnliche Adresse.

Im Sommer 2009 entschied der Gemeinderat noch «die Duldung der widerrechtlichen Baute» (Protokoll). Bedingung waren einige Rückbauten. Doch 2010 folgte die Kehrtwende: Nach zehn Jahren Höttli-Geschichte beklagten sich zwei Nachbarn über den Lärm der Stromaggregate. Fahrverbotsübertretungen wurden beanstandet sowie das Geknatter von Töfflis.

Der Gemeinderat beschwert sich weiter über «nicht kommunizierte Erweiterungsbauten». Das so genannte «Höttli» unter dem Gesichtspunkt der Jugendarbeit bestehen zu lassen, gehe nicht mehr durch, weil sich «der Betrieb auf ältere Personen ausgeweitet hat, die Auto fahren». Dass im «Höttli» auch heute noch Zehnjährige mitwirken, bleibt unerwähnt. Und so beschliesst der Gemeinderat, den sofortigen Abbruch des «Höttlis» verfügen zu lassen.

Jeder 3. Auensteiner gegen Abbruch

Aber nun folgte, womit niemand gerechnet hatte: Der Vater eines Jugendlichen ist Präsident der lokalen FDP und so wird mit seiner Unterstützung flugs eine Petition für den Erhalt des «Höttlis» aufgegleist. Innert kürzester Zeit kommen im 1500-Seelen-Dorf über 550 Unterschriften zusammen: Rund jeder dritte Einwohner hat mitunterschrieben.

Der Gemeinderat gewährt daraufhin den inzwischen zum Höttli-Komitee zusammengeschlossenen Jugendlichen eine Rückbaufrist bis Ende Jahr. Der Abbruch wird damit zwar nicht verhindert, aber verschoben. Um den Jugendlichen einen alternativen Treffpunkt zu ermöglichen, bot die Gemeinde u.a. die Nutzung der Zivilschutzanlage an. Doch damit waren Auflagen wie das Vorliegen eines detaillierten Betriebskonzepts, das allabendliche Organisieren einer elterlichen Aufsichtsperson und weitere Punkten verknüpft. Bedingungen, die das Höttli-Komitee laut eigenen Aussagen nicht erfüllen kann.

Wo die Jugendlichen hingehen wollen, wissen sie noch nicht: In Auenstein gibt es nur ein Restaurant; der letzte Bus erreicht das Dorf noch vor 20 Uhr, am Wochenende verkehrt bis Mitternacht ein 5-Franken-Taxi. Trotzdem: Am 31. Dezember 2011 muss die Waldhütte weg sein.