Birr

Auch künftig will die neue Grossrätin Doris Iten sagen, was sie denkt

In der Natur tankt sie Energie und findet sie Ruhe: Regelmässig ist Doris Iten unterwegs auf Spaziergängen mit ihrem Labrador Pigniu. mhu

In der Natur tankt sie Energie und findet sie Ruhe: Regelmässig ist Doris Iten unterwegs auf Spaziergängen mit ihrem Labrador Pigniu. mhu

Am Dienstagmorgen wird Doris Iten (SVP) als neue Grossrätin – und Nachfolgerin von Dominik Riner – in Pflicht genommen.

Sie bezeichnet sich als eine vom Volk, als Macherin: Doris Iten, SVP-Politikerin aus Birr. Am Dienstagvormittag wird sie in Aarau als neue Grossrätin in Pflicht genommen. Eine gewisse Nervosität sei vorhanden, gibt sie mit einem Lachen zu. Aber sie sei offen für Neues und liebe Herausforderungen. «Das ist nichts Alltägliches und es macht auch stolz, so etwas erleben zu dürfen.»

Im Kantonsparlament rutscht die 55-Jährige nach für ihren Parteikollegen Dominik Riner, der nach der Finanzaffäre – er hatte 2900 Franken aus der Kasse der Bezirkspartei abgezweigtseinen sofortigen Rücktritt eingereicht hat. Alles sei sehr schnell gegangen, sagt Doris Iten, und sie habe zum jetzigen Zeitpunkt überhaupt nicht mit einem Amt im Grossen Rat gerechnet – auch wenn sie sich ihres Ersatzplatzes selbstverständlich bewusst gewesen sei. «Es hat sich wieder einmal gezeigt: Nichts ist so konstant wie der Wandel», stellt sie fest und räumt im gleichen Atemzug ein: «Das Schönste wäre aber natürlich gewesen, wenn ich den Sprung direkt bei den Wahlen 2016 geschafft und das Amt Anfang Jahr hätte antreten können.» Zum Glück, fügt sie an, bringe sie als Unternehmerin die nötige Flexibilität mit und könne sich ihre Zeit zu einem grossen Teil frei einteilen.

Aus ihrem Umfeld, das ebenfalls überrascht gewesen sei, habe sie zahlreiche, erfreuliche Reaktionen erhalten. Wenn man sich in der Politik engagiert, ist sie sich bewusst, gibt es auch andere Stimmen, macht man sich nicht nur Freunde. «Aber ich bin ein positiv denkender Mensch und habe mir angewöhnt, nach vorne zu schauen. Im Verlaufe meines Lebens konnte ich mir eine dicke Haut zulegen.» Als Grossrätin will sie ihrer Linie treu bleiben und sich nicht verbiegen. «Ich bin unabhängig und sage meine Meinung. Das passt nicht immer allen, aber bei mir sollen die Leute wissen, woran sie sind.»

Jetzt sind es drei Frauen

Neu wird sich die Brugger SVP-Vertretung im Grossen Rat aus drei Frauen und nur noch einem Mann zusammensetzen. Neben Doris Iten sind es Tonja Kaufmann, Maya Meier sowie Martin Wernli. «Wichtig für mich ist nicht in erster Linie die Frage ob Mann oder Frau», sagt Doris Iten. «Wichtig ist, dass es im Team passt.» Und «dass es passt», davon ist sie überzeugt.

Was erwartet sie von diesem Amt? «Ich denke nicht, dass ich ganz bestimmte Erwartungen stellen darf», antwortet sie. «Vielmehr wird zuerst einiges von mir erwartet.» Natürlich kenne sie dank ihrer langjährigen politischen Tätigkeit einige Grossräte und habe viel über deren Tätigkeiten erfahren. Ob sie in einer Kommission vertreten sein wird, wisse sie derzeit allerdings noch nicht. «Ich lasse es auf mich zukommen.»

Sie habe Themen, ergänzt sie, bei denen sie sich einbringen möchte. Als Stichworte nennt sie KMU, Bildung, Asyl- und Sozialmissbrauch sowie Senioren. Letztere dürften nicht abgestraft werden wegen irgendwelcher Sparmassnahmen, betont sie. «Werte wie Eigenverantwortung, Fleiss, Zuverlässigkeit oder Gemeinsinn haben unser Land einzigartig und erfolgreich gemacht. Unseren Reichtum haben wir der älteren Generation zu verdanken, die hart dafür gearbeitet hat. Ich sehe uns in der Pflicht, diesen Wohlstand auch für die nächste Generation zu erhalten.»

Die Heimat liegt ihr am Herzen

Sie politisiere, fasst Doris Iten zusammen, weil ihr die Menschen und die Heimat am Herzen liegen. Ihre politische Karriere begann als Mitglied der Schulpflege Birr, der sie – damals noch parteilos – während viereinhalb Jahren angehörte. 2011 wurde sie in den Vorstand der SVP Birr gewählt, 2013 übernahm sie das Präsidium, seit 2016 ist sie ebenfalls Mitglied der Verkehrskommission in Birr. Aktuell ist sie zudem Vizepräsidentin beim Verein tunAargau. Dieser kämpft gegen den Fachkräftemangel und möchte Kinder und Jugendliche für Technik und Naturwissenschaften begeistern.

Sie werde auch als Grossrätin aktiv bleiben in der SVP-Ortspartei Birr, versichert sie, denn sie sei gerne nahe bei den Leuten, nehme gerne deren Anliegen auf. Nicht zwingend innehaben müsse sie dagegen das Amt als Präsidentin der Ortspartei. «Ist jemand bereit, diese Funktion zu übernehmen, trete ich sofort zurück. Ich bin nicht jemand, der an möglichst vielen Ämtern hängt. Es braucht Junge, auf diese sind wir angewiesen, diesen müssen wir eine Chance geben.» Eine erneute Kandidatur für den Gemeinderat Birr – Doris Iten trat bei der Ersatzwahl im Mai dieses Jahres an – schliesst sie aus. Das Ressort Soziales war es, das sie reizte, und sie habe von Anfang an in der Partei kommuniziert, dass sie nur einmal in den Wahlkampf gehe. «In der Vergangenheit habe ich den Gemeinderat dann und wann kritisiert. Ich wollte der Bevölkerung nun die Möglichkeit geben, mich in die Verantwortung zu nehmen. Aber es hat nicht sein sollen.»

Jetzt freue sie sich auf ihr Amt im Grossen Rat, auf die Zusammenarbeit mit den Kolleginnen und Kollegen. «Das ist eine schöne, spannende Aufgabe, die ich sehr ernst nehme und mit Respekt anpacke.»

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