Die Liste des Lehrers K. N. (Name von der Redaktion geändert), der vor Ostern in Würenlos entlassen wurde, weil die Schüler auf seinem Computer eine Sex-Datingseite entdeckten, wird länger: Nebst Döttingen, wo die Schulbehörden 2014 die Kinderschutzgruppe des Kantonsspitals Baden eingeschaltet und beim Kanton beantragt hatten, K. N. auf die «Schwarze Liste» der Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren (EDK) zu setzen, kam es auch in Windisch zu grenzwertigen Annäherungen gegenüber Schülerinnen.

Nachdem K. N. in Döttingen krankgeschrieben war und freigestellt wurde, übernahm er noch im Sommer desselben Jahres eine Stellvertretung in einer 5./6. Primarklasse in Windisch. Einige Mädchen dieser Klasse beanstandeten, K. N. komme ihnen näher, als ihnen lieb sei. Da K. N. die Klasse gemeinsam mit einer Co-Lehrerin führte, wandten sich die Schülerinnen an sie.

«Die Lehrerin hat das in der Klasse und mit K. N. sofort thematisiert», sagt Philipp Küng, Schulpflegepräsident der Schule Windisch. Danach habe es keine Probleme oder Beanstandungen mehr gegeben. «Wir hatten auch keine Hinweise, dass es in Döttingen oder an anderen Schulen bereits Probleme mit K. N. gegeben hatte, deshalb nahmen wir keine weiteren Abklärungen vor», sagt Küng.

In Deutschland verurteilt

In Döttingen hatte die Befragung durch die Kinderschutzgruppe des KSB zutage geführt, dass die Lehrperson die körperliche Grenze gegenüber den Jugendlichen wiederholt überschritten hätte und man sich einen weiteren Unterricht nur unter «strengster Aufsicht» vorstellen könne. Recherchen durch einen ehemaligen Klingnauer Schulleiter zeigten, dass K. N. in Deutschland wegen sexuellen Missbrauchs an seiner Tochter verurteilt worden war, ins Gefängnis musste und dadurch seinen Beamtenstatus verlor.

Sexdating-Lehrer schon einmal freigestellt (Tele M1, 4.4.2016)

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Schon bevor er in Würenlos während des Unterrichts auf Sexdating-Seiten surfte, fiel der Lehrer negativ auf. Wieso durfte er trotzdem unterrichten?

Wieso also wurde K. N. in Windisch überhaupt noch angestellt? «Wir kannten K. N. bereits, weil er 2011 eine kurze Stellvertretung an unserer Schule übernommen hatte», erklärt Küng. «Damals haben wir Arbeitszeugnisse seiner letzten beiden Arbeitsstellen eingeholt. Diese deckten den Zeitraum ab 2007 ab und waren einwandfrei», sagt Küng. Mit seiner Arbeit war man zufrieden, deshalb habe man 2014 keine Referenzen mehr eingeholt.

Zudem habe man für die Klasse, die regulär von zwei Lehrpersonen unterrichtet wurde, gleich zwei Ersatzlehrer finden müssen. «Eine Lehrperson wechselte in jenem Sommer die Stelle und konnte erst ab Oktober ersetzt werden. Die andere fiel krankheitshalber aus», erklärt Küng. «Wir waren gezwungen, schnell zu handeln, damit der Unterricht nach den Sommerferien normal weiterlaufen konnte.» Das Arbeitsverhältnis mit K. N. sei von Beginn weg befristet gewesen.

«Weil es nach dem einen Vorfall, den wir sofort klären konnten, keine Probleme mehr gab, haben wir das im Arbeitszeugnis nicht erwähnt», sagt Küng. «Wir hielten das nicht für angemessen, weil es ein einmaliger und kein derart gravierender Vorfall war.»

Enthüllungen haben Konsequenzen

Nach den Enthüllungen um K. N. werde man auch in Windisch Konsequenzen ziehen. «Dieser Fall gibt uns sehr zu denken», sagt Küng, «Wir werden als Schulführung überlegen, wie wir künftig mit solchen Vorfällen umgehen, und unsere Praxis bei den Anstellungsverfahren überdenken.»